Mit 69 Jahren: Schlosser aus Schwerte kann noch nicht in Rente gehen

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Der Schlosser Eberhard Sasse möchte sein Unternehmen zum Ende des Jahres aufgeben und in den Ruhestand gehen. Daraus wird aber vorerst nichts.

Schwerte

, 24.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geländer, Treppen, Überdachungen: Überall, wo Metall verarbeitet werden soll, ist der Schwerter Unternehmer Eberhard Sasse ein beliebter Ansprechpartner. Das soll bald ein Ende haben, denn der 69-jährige möchte in den Ruhestand gehen. Dabei gibt es aber noch eine Hürde.

Kein Nachfolger

Nach 52 Jahren Berufstätigkeit möchte der Schlosser Eberhard Sasse in Rente gehen. Die Firma soll aber trotzdem weitergeführt werden.

Dass sein Unternehmen jedoch in der eigenen Familie bleibt, ist unwahrscheinlich: „Mein Sohn hat nach seiner Meisterprüfung bei mir den Laden verlassen und ist 2008 Architekt geworden.“

Bereits seit einem Jahr sucht Sasse deshalb nach einem Nachfolger. Zuerst versuchte er es über die Betriebsbörse der Handwerkskammer – vergeblich. Ein anschließender Aufruf bei Facebook brachte ebenfalls keinen Erfolg. Um selbstständig als Metallbauer arbeiten zu dürfen, ist in Deutschland ein Meisterbrief Pflicht. Mittlerweile hat Sasse die Suche nach einem Nachfolger aufgegeben.

Volles Auftragsbuch

Im vergangenen Jahr kündigte Eberhard Sasse seinen Ruhestand bei Facebook an: „Ein Jahr mache ich das noch, dann habe ich in meinem Leben genug gearbeitet“, ist in dem Beitrag zu lesen. Anschließend erreichten ihn so viele Aufträge, dass er seit dem Frühjahr keine größeren Aufträge mehr annimmt.

Aus dem Plan, bis Ende des Jahres in Rente zu gehen, wird aufgrund der zahlreichen Bestellungen nichts. Voraussichtlich im Frühjahr ist es dann aber soweit. Dann vermutlich schließt die Schlosserei Sasse nach 38 Jahren.

Auf eines der großen Projekte, bei dem Sasse auch mit anderen Firmen zusammenarbeitete, ist er besonders stolz: Ein Auftrag für die Universität Bonn. „Da haben wir Treppengeländer über fünf Etagen gebaut. Da sind andere Anforderungen als im Privatbereich.“

Bleistift oder Computer

In seinem Haus arbeitet Eberhard Sasse am Computer und erstellt mit einem speziellen Programm dreidimensionale Zeichnungen der Aufträge. „Das ist meine Spezialität. Schon als Jugendlicher habe ich gezeichnet.“

Früher hat Sasse noch – wie damals üblich – mit Papier und Bleistift gearbeitet, ehe er sich das digitale Zeichnen beibrachte. „Wenn sie das mit Bleistift nicht können, dann brauchen sie mit dem Programm nicht anfangen.“ Räumliches Denkvermögen ist eines der Grundvoraussetzungen für den Beruf als Metallbauer. Zudem sollte ein möglicher Nachfolger „etwas im Kopf haben“.

Mit 69 Jahren: Schlosser aus Schwerte kann noch nicht in Rente gehen

Der Mitarbeiter von Metallbauer Sasse beim Lichtbogenschweißen eines Edelstahlrohres. © Dennis Görlich


Werkzeug, Fahrzeug und Know-How

Das Angebot von Eberhard Sasse umfasst einiges: „Derjenige oder diejenige könnte meine Homepage bekommen, mein Werkzeug und das Fahrzeug übernehmen.“ Das ist mit allem ausgestattet, was ein Metallbauer braucht. Was er ebenfalls anbietet, ist die Vermittlung von Know-How und die Kontakte zu Lieferanten. Zudem ist Sasse wichtig, dass der Kundenstamm übernommen wird. Die Firma sei also „prädestiniert für einen jungen Meister, der sich selbstständig machen möchte. Der kann einen bestehenden Betrieb übernehmen“, so Sasse.

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Früher hatte seine Firma zehn Mitarbeiter, insgesamt wurden im Laufe der Zeit etwa 20 Metallbauer dort ausgebildet. Viele arbeiten heute in anderen Bereichen.

Heute kommt der Betrieb mit einem Mitarbeiter aus. Es herrscht wie in anderen Handwerksberufen Fachkräftemangel. Wenn Sasse schließt, wird sich der letzte Mitarbeiter der Firma seinen neuen Arbeitgeber aussuchen können, denn der Bedarf an Metallbauern ist groß.

Laut Handwerkskammer Dortmund steht bei fast jedem vierten Betrieb in den kommenden Jahren eine Betriebsübergabe bevor. Bei sieben Prozent der Betriebe droht mangels Nachfolger eine Schließung. Eberhard Sasse wünscht sich, dass sein Betrieb am Ende nicht dazu gehört.

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