Prozess um Gewalt im Flüchtlingsheim: Chef belastet

Im Prozess um Misshandlungen und Schikane in einem Flüchtlingsheim in Burbach im Siegerland hat ein erster aussagewilliger Angeklagter seinen Vorgesetzten belastet. Die insgesamt 29 Angeklagten, darunter zahlreiche Wachleute und Heimmitarbeiter sowie zwei Mitarbeiter der Bezirksregierung, sollen Asylbewerber bei Verstößen gegen die Hausordnung in einem sogenannten „Problemzimmer“ eingesperrt haben. Die Asylbewerber sollen auch immer wieder geschlagen, gedemütigt und schikaniert worden sein. Die Staatsanwaltschaft hatte zum Prozessauftakt von einem menschenverachtenden System der eigenmächtigen Bestrafung gesprochen.

14.11.2018, 02:39 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ein angeklagter Sozialbetreuer berichtete am Mittwoch vor dem Landgericht Siegen, dass er Bewohner nur nach Rücksprache mit seinem Vorgesetzten in das Zimmer gebracht habe. Das Verfahren gegen diesen Leiter des Sozialbetreuerteams ist von dem Prozess abgetrennt worden wie auch das Verfahren gegen den Heimleiter.

Er habe nur auf Anweisungen gehandelt und nicht gewusst, dass er etwas Unrechtes tue, sagte der Sozialbetreuer. So sei die Polizei auch gelegentlich in dem Problemzimmer gewesen - allerdings habe dann die Tür offen standen. „Ich bin nur ein kleiner Sozialbetreuer. Was soll ich machen?“, sagte der gelernte Koch. An viele Details der rund viereinhalb Jahre zurückliegenden Geschehnisse könne er sich nicht erinnern.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, in fünf Fällen an der Freiheitsberaubung beteiligt gewesen zu sein. Im weiteren Verlauf des Prozesses sollte am Mittwoch noch ein weiterer Angeklagter aussagen.

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