Zehnter Todestag von Michael Jackson: So lernen auch Sie den legendären Moonwalk

dzMoonwalk-Selbstversuch

Einmal wie Michael Jackson über die Tanzfläche gleiten – kann nicht so schwer sein, oder? Zum Todestag erinnern wir mit Tanzlehrer Julio und unseren Moonwalk-Versuchen an den King of Pop.

Werne

, 29.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Einmal tanzen wie Michael Jackson: Zu seinem 60. Geburtstag am 29. August 2018 hatten die Redakteure Andrea Wellerdiek und Felix Püschner sich auf die Spuren des King of Pop begeben und versuchten sich mehr oder weniger erfolgreich im Moonwalk. Mit unserem Video erinnern wir auch heute noch einmal an Michael Jackson, der vor zehn Jahren, am 25. Juni 2009 gestorben ist.

Ein doppelter Erfahrungsbericht:

„Den Moonwalk kann jeder lernen. Seien Sie optimistisch“, sagt Julio Cesar Salmeron Bozo schon am Telefon, als ich ihn frage, ob er uns die bekannteste aller Jackson-Bewegungen beibringen kann.

Nach einigen stümperhaften Versuchen in aller Stille stehe ich nun auf der Tanzfläche in der Tanzschule Bleckmann. Vor mir eine Wand bestehend aus Spiegeln und ein hoch motivierter Tanzlehrer. Dazu Kollege Felix Püschner, der diesen magischen Moment auch noch im Video festhalten möchte.

Wenn sich Julior Cesar und Michael Jackson treffen

Da steigt bei mir irgendwie die Nervosität. Seit dem Crash-Kurs im Standardtanzen für den Abi-Ball 2006 habe ich keine Tanzschule mehr von innen gesehen. Und heute soll ich gleich den coolsten Tanzschritt überhaupt aufs Parkett legen. Aber wie Cesar sagt, soll ich optimistisch bleiben. Das fällt mir schwer, als er mir zeigt, wie der Moonwalk in Perfektion aussehen soll. Egal, Kneifen gilt nicht.

Wir stellen uns nebeneinander. „Rechtes Bein anwinkeln, die Fußspitzen auf den Boden pressen, dann das rechte Bein gerade nach unten strecken und laaaaaang neben dem linken Fuß über den Boden ziehen und nach hinten stellen. Dann kommt das linke Bein angewinkelt nach oben und dann geht es von vorn los“, erklärt Cesar, als ob es das Einfachste der Welt sei.

Zehnter Todestag von Michael Jackson: So lernen auch Sie den legendären Moonwalk

Wie war das noch? Rechten Fuß heben, wieder absetzen und hinter das linke Bein zurückziehen... Kinderspiel – oder auch nicht. © Felix Püschner

Ich versuche mein Glück, schwanke von links nach rechts und mit dem Oberkörper von oben nach unten. „Nicht up and down“, sagt Cesar. Der Oberkörper muss auf einer Linie bleiben. Und die Füße müssen „wie ein Kaugummi“ über den Boden nach hinten gezogen werden. Weil alles nicht zusammenklappt, verdonnert mich Cesar dazu, einfach nur die Kaugummi-Nummer zu machen.

Ich ziehe meine Füße abwechselnd über den Boden und bewege mich rückwärts. Das fühlt sich nicht nur komisch an, sondern sieht bestimmt auch ziemlich bescheiden aus. Als der Tanzlehrer dann noch erzählt, dass er als Balletttänzer in den größten Opernhäusern Deutschlands getanzt hat, fühle ich mich nicht gerade besser.

30 Moonwalks später...

Cesar, der uns gern bei unseren ersten Moonwalk-Schritten helfen möchte, aber ist der perfekte Trainer. Unermüdlich läuft er mit mir die Tanzfläche auf und ab. Er tut etwas, was ich nicht tue. Er glaubt an mich. Ich fühle mich hingegen himmelweit entfernt vom perfekten Moonwalk.

Der Kollege hingegen dreht schon voll auf. Im Hintergrund übt er und kriegt das Kaugummi-Ding irgendwie prompt hin. Na, toll. Wieso kann das bei mir nicht so aussehen? Aber um es zu lernen, bin ich ja heute hier. 30 schweißtreibende Minuten und 30 kuriose Moonwalks später sagt Julio Cesar dann endlich: „Du wirst besser.“

Ja, das ist ja schon mal ein Anfang. Mein Moonwalk ist aber noch arg ausbaufähig und noch nicht tanzflächen-geeignet. Für mich reicht es. Jetzt darf Kollege Felix Püschner ran – „der Profi“.

Zehnter Todestag von Michael Jackson: So lernen auch Sie den legendären Moonwalk

Einmal nach vorne kippen, bitte! Was Jackson auf der Bühne zur Verblüffung des Publikums ohne fremde Hilfe meisterte, gelingt uns nur mit Absicherung von Tanzlehrer Julio Cesar. © Andrea Wellerdiek

Moonwalk… wie bitte? Ich dachte, das wird hier heute eine Herausforderung. So ein bisschen Fußsohlen heben und rückwärts scheinbar unbeschwert über den Boden gleiten – kann ich doch schon seit der Grundschule, wenn nicht sogar früher. Dem King of Pop habe ich schließlich bereits in meiner frühesten Kindheit nachgeeifert.

Das Album „Bad“ steht auch heute noch im Wohnzimmerregal. Also, Moonwalk? Na gut, wenn’s sein muss… Während meine Kollegin Andrea Wellerdiek noch fleißig die Schrittfolge mit Julio Cesar übt (nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Fußballprofi – auch wenn der bestimmt ebenfalls verdammt gut tanzen konnte), entschließe ich mich zu einem schnellen Warm Up.

Solidarisches Scheitern auf dem Parkett

Ein kurzer Moonwalk hinter den drei aufgestellten Kameras, den Blick dabei in den Spiegel gerichtet. Passt doch. Genauso wie früher. Total lässig eben. Und das nach so vielen Jahren ohne Training. Bevor der innere Hang zur Selbstverherrlichung die Überhand gewinnt, entscheide ich mich zum Wechsel mit der Kollegin.

„Jetzt darfst du mal.“ „Klar doch, keine große Sache.“ Ich stelle mich an Cesars Seite. Vor die Kameras. Der Blick geht nicht mehr in den Spiegel, sondern schwankt zwischen meinen Füßen und Cesar. Der tanzt nicht nur, sondern spricht auch viel. So wie es sich für einen Tanzlehrer nun einmal gehört. Super Sache, alles prima, los geht’s also... und schon verliere ich jegliche Kontrolle über meinen Körper.

Plötzlich ging nichts mehr

Es geht nichts mehr. Leichtigkeit, Taktgefühl, Körperspannung – alles weg. Es ist eher ein Herumhampeln mit dezenten Zwischenstolperern. „Nein, nicht so. Mach lieber so“, sagt Cesar.

Ich gucke, ich mache, ich scheitere. Erbärmlich. Und ich rätsele: Wie hat der King of Pop das alles nur hinbekommen – vor allem vor den Kameras und einem Milliardenpublikum? Ich habe nur eine einzige Zuschauerin. Meine Kollegin. Und die scheint nach meinen plumpen Versuchen durchaus ein wenig schadenfroh. Vollkommen zu Recht.

Kleiner Trost: Beim Moonwalk fühlten wir uns – ganz solidarisch – beide auf dem Holzweg.

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