Messer an den Hals gehalten: Schwiegereltern von zwei Brüdern halfen deren Opfer nicht

dzVerfahren am Amtsgericht

Ein Messer hielten sie an den Hals: Die Schwiegereltern von zwei Brüdern sollen einem Gewaltopfer der beiden Männer nicht geholfen haben, obwohl sie sich in derselben Wohnung befanden.

von Jana Peuckert

Menden

, 06.12.2018, 15:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Sommer mussten sich zwei Brüder im Amtsgericht Menden wegen Körperverletzung verantworten. Sie gestanden, am 23. Juli vergangenen Jahres in die Wohnung ihres Schwiegervaters in Menden gegangen zu sein. Aber nicht, um ihre Familie zu besuchen, sondern, um über einen Übernachtungsgast herzufallen. Diesen weckten sie gegen 10.30 Uhr mit Tritten gegen den Kopf. Dann schlugen sie mehrfach auf den Mann ein. Schließlich hielten sie ihm ein Messer an den Hals und drohten damit, ihn wie einen Hund aufzuschlitzen oder in den Wald zu schleppen, und dort zu verscharren.

Einer der beiden Brüder erhielt eine Bewährungsstrafe

Aufgrund zahlreicher Vorstrafen und der Tatsache, dass es sich bei ihm um den Haupttäter handelte, verurteilte der Richter einen der Brüder zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung. Der zweite Angeklagte kam mit einer vorläufigen Einstellung gegen Zahlung von 1000 Euro davon.

Gestern nun saßen der Schwiegervater und dessen Frau auf der Anklagebank. Der Vorwurf: unterlassene Hilfeleistung. Die Staatsanwaltschaft warf dem Paar vor, den Vorfall bemerkt zu haben, aber untätig geblieben zu sein. Eine Straftat, wie Paragraf 323c des Strafgesetzbuches zeigt. Dort heißt es nämlich: „Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Das Opfer sollte als Zeuge aussagen, erschien aber nicht

Zur gestrigen Verhandlung war das damalige Opfer als Zeuge geladen, aber nicht erschienen. Eine Entscheidung gab es dennoch. Nach Aktenlage, sprach der Richter offen, habe er Schwierigkeiten, sich vorzustellen, das Paar hätte nichts bemerkt. Zumal die Wohnung nicht sehr groß sei. Um die Verhältnismäßigkeit zu wahren warf er mit Blick auf die Einstellung für einen der Täter auch für die gestrigen Angeklagten vorläufige Einstellungen in den Raum. Damit würden die beiden den Vorwurf automatisch nicht abstreiten.

Nach kurzer Beratung mit dem Verteidiger stimmten die Mendener zu. Der Mann muss nun 650 und seine Frau 300 Euro als Bedingung für die Einstellung zahlen.

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