Menden liegt nicht am Mississippi

dzJazz im Theater am Ziegelbrand

Im Advent muss es nicht immer die Adventsmusik sein. Dass es auch andere fantastische Musik gibt, bewies die Oakum Brass Connection im Theater am Ziegelbrand in Menden.

von Martin Krehl

Menden

, 09.12.2018, 15:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den lokaltypischen Musik-Genres ist das so eine Sache: Kann man außerhalb von New Orleans, zum Beispiel im sauerländischen Menden, so richtigen New Orleans Jazz „aufführen“? Als Quintett, mit Gitarre und Cachon und drei schlanken Bläsern?

Nein. Kann man nicht. Aber fünf Vollblutmusiker mit irrsinniger Spielfreude, mit Temperament und Taktgefühl können mehr als so tun, als ob . . .

Die Oakum Brass Connection feierten am Samstag auf der Bühne des Theaters am Ziegelbrand eine coole Party. Und das leider nicht voll besetze Auditorium testete die Standfestigkeit der Bestuhlung auf allen Rängen. Mindestens jeweils einen Fuß ließ man wippen, klatschte mit, schnippte mit den Fingern, hatte sichtlich Spaß. Fünf Jungs, fünf Spezialisten an ihren Instrumenten, fünffacher Musikgenuss. Die vollständige Brass Connection mit bis zu acht Musikern hätte sicher gar nicht auf die Bühne des kleinen, feinen Theaterchens gepasst. Das extrem spielfreudige Quintett schien gewissermaßen die Essenz der Komplett-Connection zu sein.

Sie kommen aus Köln am Rhein, nicht vom Mississippi, deshalb kann es ja gar kein waschechter New Orleans Jazz sein. Aber die fröhlichen Jungs geben jedem Zuhörer mehr als eine Ahnung von dem, was beim Mardi Gras in New Orleans los sein muss. Da war mancher Jazz-Klassiker mit Wiedererkennungseffekt schon nach wenigen Takten und Tönen dabei, frech arrangiert für die fünf Oakums, frisch interpretiert für die Mendener.

Ein Abend, der einem das omnipräsente adventliche Fahrstuhlmusik-Gesäusel aus den Gehörgängen trieb

Second Line Sound nennt die Band das, was bei ihnen knackig und fett vorne aus Trompeten, Saxophonen und Posaunen rauskommt. In der echten „second line“ wird beim Mardi-Gras-Karnevalsumzug eigentlich möglichst elegisch getanzt, wird der Regenschirm gedreht, das Taschentuch gewedelt – aber nicht wirklich Musik gemacht. Warum Oakum Brass sich in die zweite Linie stellt, erschließt sich nicht wirklich. In erster Linie war das am Samstag aber ein rundum gelungener Abend, der einem mal das omnipräsente adventliche Fahrstuhlmusik-Gesäusel aus den Gehörgängen trieb und daran gemahnte, dass es auf der Welt so viel fantastische gute Musik gibt. Auch und gerade zur Vorweihnachtszeit.

Die Reihe Jazz und Blues im TAZ wird fortgesetzt am Samstag, 19. Januar, selbe Zeit und selber Ort. Dann spielt auf die Woodhouse Jazzband.

Lesen Sie jetzt
Meistgelesen