Medizinstudienplätze: Landarztquote steigert Interesse

Der beste Arzt war nicht unbedingt der beste Abiturient. Wer mit Herz und Hirn bereit ist, eine Praxis auf dem Land zu führen, hat in NRW auch ohne Einser-Abitur die Chance. Die wird weit überwiegend von jungen Frauen ergriffen.

23.11.2019, 10:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Medizinstudienplätze: Landarztquote steigert Interesse

Ein Landarzt nimmt sein Stethoskop aus dem Koffer. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild

Das Interesse an den nordrhein-westfälischen Medizinstudienplätzen nach Landarztquote ist ein Jahr nach der Einführung bereits sprunghaft gestiegen. Bei den Bewerbungen zum Sommersemester 2020 kamen auf jeden einzelnen der 25 noch verfügbaren Studienplätze 16 Anträge. Zum Wintersemester hatte die Quote noch bei 9:1 gelegen, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mitteilte. Im ersten Zulassungsverfahren waren 145 Plätze zu vergeben.

Das NRW-Parlament hatte das Gesetz zur Landarztquote im Dezember 2018 verabschiedet. Wer sich vertraglich verpflichtet, zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten, kann sich seitdem auf einen der rund 170 Landarzt-Studienplätze bewerben - unabhängig vom üblichen Numerus clausus. Die Quote soll zunächst für knapp acht Prozent der Medizin-Studienplätze gelten. NRW war als erstes Land mit der Quote vorangegangen; entsprechende Überlegungen gibt es aber in mehreren Bundesländern.

Insgesamt gab es in NRW bislang 1721 Anträge - darunter 1639 vollständige und zulässige. Der Frauenanteil unter den Bewerbern ist inzwischen von 61 auf 65 Prozent geklettert. Der Altersdurchschnitt liegt bei 22 Jahren, der Abinoten-Durchschnitt bei 2,3.

Bei einem guten Drittel der gültigen Bewerbungen konnten Ausbildungszeiten oder medizinnahe Tätigkeiten anerkannt werden. Am häufigsten profitierten davon Gesundheits- und Krankenpfleger, Kinderkrankenpfleger sowie Notfallsanitäter und Rettungsassistenten.

Gut zwei Drittel der Bewerbungen kamen aus NRW. Am größten war das Interesse in Köln, Münster, Dortmund, Düsseldorf und dem Rhein-Sieg-Kreis. „20 Prozent der Bewerbungen aus NRW stammen aus Gemeinden, in denen die hausärztliche Versorgung auf mittlere Sicht gefährdet sein könnte“, bilanzierte das Ministerium. Ein Antrag sei sogar aus Dänemark gestellt worden.

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