Mascolo: US-Internetfirmen bedrohen die Demokratie

Der renommierte Journalist Georg Mascolo schreibt US-Internetgiganten wie Facebook eine Mitschuld dafür zu, dass sich auch in Deutschland immer mehr Menschen von Fake News beeinflussen lassen. Das Geschäftsmodell von Facebook sei es, bei seinen Nutzern gezielt auf Emotionalisierung zu setzen. Der Konzern registriere durch das Verhalten des Einzelnen, wofür sich ein Mensch interessiere, was er anschaue und kommentiere, sagte der Ex-„Spiegel“-Chefredakteur und jetzige Leiter des Rechercheverbunds von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ am Freitag beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund. „Kurz gesagt: Wenn Sie sich für Müll interessieren, wird Ihnen auch verlässlich immer mehr Müll zugestellt.“ Dadurch würden diese Menschen auf den großen sozialen Plattformen automatisch von mäßigenden Einflüssen abgeschnitten, „von anderen Meinungen und vielleicht auch von der Wahrheit“.

21.06.2019 / Lesedauer: 2 min
Mascolo: US-Internetfirmen bedrohen die Demokratie

Georg Mascolo, Journalist, als Gast bei einer Talkshow. Foto: Karlheinz Schindler/Archiv

Mascolo sagte, die US-Internetgiganten erklärten stets, „keine Medien zu sein und deshalb auch keine Verantwortung zu übernehmen“ für das, was auf ihren Plattformen stattfinde. „Aber keine Verantwortung zu übernehmen, ist auch eine Haltung, und zwar immer die falsche.“

Die sich beschleunigende Verbreitung von Fake News sorge dafür, dass die Demokratie an sich in Gefahr gerate. „Lange haben wir gedacht, dass Cyberattacken sich gegen unsere Strom-, Elektrizitäts- und Wasserversorgung richten würden. Nun stellen wir fest, dass sie auch eine Bedrohung sind für die kritischste Infrastruktur, die wir in unserem Land haben: und das ist die Demokratie selbst.“

In einer Gesellschaft dürfe „jeder seine eigene Meinung haben, aber nicht seine eigenen Fakten“. Der Kampf gegen gesellschaftszersetzende Akteure und der Kampf für verlässliche Informationen sei nicht weniger wichtig wie der Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung und zu sauberem Wasser, sondern ein „Grundrecht“.

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