Markthändler wehren sich gegen „existenzielle Bedrohung“ durch neuen Vertrag

dzWochenmarkt

Die Stadt will den Markt verkleinern, damit die Außengastronomie mehr Platz hat. Dagegen machen die Markthändler mobil.

Schwerte

, 20.12.2018, 05:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Markthändler-Seele kocht. Weniger Stände und höhere Gebühren drohen dem Wochenmarkt ab Sommer, beklagen sie. „Das bedroht die Existenz einzelner Händler und des ganzen Wochenmarktes“, schimpft Markus Spanell, während er in seinem Stand gegenüber vom Ruhrtalmuseum seine knusprigen Bratwürstchen auf dem Grill zubereitet, wie er es schon seit 30 Jahren macht. Die Ausschreibung der Stadt für die künftige Organisation des Wochenmarktes ist bei den Markthändlern gar nicht gut angekommen.

Der Vertrag für den Markt läuft im Juni aus

Der Termin ist seit langem bekannt: Im Juni 2019 endet der Vertrag zwischen der Stadt und der Markthandel Schwerte GmbH, die den Markt betreibt, seit die Stadt das 1999 nicht mehr selbst tun wollte. Ein neuer Vertrag soll her, und auch andere Betreiber sollen die Chance bekommen, den Schwerter Wochenmarkt zu veranstalten. Der Blick in die neue Ausschreibung habe sie jedoch schockiert, erklärten am Mittwoch Markus Spanell und Käsehändler Frank Rest. „Der Platz, der künftig noch für Stände zur Verfügung stehen soll, wird um 30 Prozent reduziert“, berichtet Markus Spanell. „Für 25 Händler wird demnächst kein Platz mehr sein auf dem Schwerter Wochenmarkt.“ 43 feste Händler böten samstags ihre Waren in der Innenstadt an, manchmal kämen noch einige fliegende Händler hinzu.

Die Markthändler wollen sich wehren gegen die Verkleinerungspläne der Stadt. Sie haben eine „Interessengemeinschaft Wochenmarkt“ gegründet und sich einen Anwalt genommen, um juristisch gegen die Pläne der Stadt vorzugehen, die Markus Spanell als „nicht bürgernah“ kritisiert. Sein Zorn richtet sich besonders gegen Bürgermeister Dimitrios Axourgos. „Als Wahlkampfbühne hat der Herr Bürgermeister den Markt gern genutzt“, sagt er, „und jetzt bekommen wir einen Tritt in den Hintern.“

Enttäuschung über den Bürgermeister

Das beklagt auch Effi Kourou, die seit 30 Jahren Textilien auf dem Wochenmarkt verkauft. Die Griechin ist enttäuscht vom griechisch-stämmigen Bürgermeister: „Im Wahlkampf war er hier an meinem Stand und hat gesagt, ich soll zu ihm kommen, wenn ich Hilfe brauche. Jetzt bedroht seine neue Ausschreibung meine Existenz.“ Effi Kourou steht mit ihrer Mode genau da, wo künftig Standflächen wegfallen sollen: Auf der Gastronomie-Seite des Wochenmarktes. Die Restaurants und Cafés haben sich mehr Platz gewünscht. Deshalb habe die Verwaltung die zur Verfügung stehende Fläche verkleinert, erklärte am Mittwoch Marco Gosewinkel von der städtischen Pressestelle auf Anfrage. Dass die Standgebühren steigen, könne die Stadt nicht bestätigen. „Das kommt ja ganz auf die Pläne des künftigen Ausrichters an.“ Vielleicht müsse man die Stände künftig anders anordnen, um alle unterzubringen.

Der kleine Markt nebenan ist keine Alternative

Für Frank Rest ist der sogenannte kleine Markt keine Alternative. „Das funktioniert nicht“, gibt er schon mal vorbeugend zu Protokoll. Der große Gemüsestand zum Beispiel, der müsse auch von seinem angestammten Platz weg und könne nicht auf dem kleinen Markt untergebracht werden. Im Wegfall vieler Stände sieht er nicht nur eine existenzielle Bedrohung vieler Händler-Kollegen, sondern auch eine Gefahr für den gesamten Wochenmarkt. Der verliere deutlich an Qualität, wenn die Stadt ihre Vorstellungen durchsetze.

Dass die Stadtführung die Belange der Gastronomen über die der Markthändler stelle, ohne vorher mal Rücksprache mit den Händlern gehalten zu haben, ärgert Markus Spanell und Frank Rest. Der ist sicher, dass Markthändler und Wirte gemeinsam einen Kompromiss hätten finden können. Jetzt müssen sich möglicherweise wieder einmal Juristen mit dem Schwerter Wochenmarkt befassen.

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