Mein letzter Besuch bei Maria’s Taverne (damals Hellas) liegt länger zurück, war wenig berauschend. Was das neue Wirtepaar jetzt servierte, war das genaue Gegenteil.

Werne

, 26.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Früher gut-bürgerlicher Heidekrug, danach das griechische Restaurant „Hellas - Zum Heidekrug“ und seit eineinhalb Jahren „Maria’s Taverne“ unter der Regie des Wirte-Ehepaares Georgios Stylianidis (59), Maria Aidonopoulos (48) sowie Sohn Stelios Stylianidis (26).

Wir statten dem mitten im Wohngebiet Stemmenkamp liegenden Lokal an einem regnerischen Dienstagabend einen Besuch ab. Vorne an der Theke einige Stammgäste, hinten auf der Kegelbahn eine Gesellschaft. Sonst niemand. Das macht uns stutzig.

Panorama-Foto vom großen Speisenraum:

Wir gehen in den hinteren Gastbereich, der aber bis auf zwei Teelichter komplett dunkel ist. Wirt Georgios Stylianidis (59) eilt aber sofort herbei, erklärt wortreich und sympathisch, dass die Kinder der Kegel-Gesellschaft mit dem Licht gespielt hätten, macht die Lampen an und lässt uns die freie Tisch-Wahl. Dann eilt er davon, muss das Essen auf der Kegelbahn servieren.

Wir setzen uns an einen Tisch mit Teelicht und fühlen uns etwas verloren, so ganz alleine. Aber Stylianidis ist flugs wieder da, bringt die Karten und nimmt die Getränke-Bestellung auf.

Meine Begleitung, wieder die studierte Ernährungs-Wissenschaftlerin und begnadete Köchin, blättert durch die Karte. Die bietet für ein griechisches Restaurant wenig Überraschungen.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Köchin Maria bereitet gerade die köstlichen Dolamadakia als Vorspeise zu. Die eingelegten Weinblätter erhält sie über Familienmitglieder in der griechischen Heimat. © Jörg Heckenkamp

Allerdings bei den Vorspeisen tauchen Fragen auf. Zum Beispiel, was kalt und was warm serviert wird. Kaum gefragt, läuft Georgios Stylianidis zu Hochform auf. Kommt an meine Seite, tippt auf die einzelnen Gerichte und erklärt ausführlich, dass seine Frau Maria Aidonopoulos (48) alles selbst macht, woher er die Zutaten bezieht, dass vieles aus Griechenland komm.

Seine Mutter schicke zum Beispiel die eingelegten Weinblätter für diese köstlichen Dolmadakia. Die Vorspeise Tiropita (Schafskäse in Blätterteig überbacken) sollten wir nicht bestellen, die gäb‘s als Gruß aus der Küche. Na, vielen Dank für den Tipp.

„Der brennt aber für seinen Job“, meint meine Begleitung, als er mit unserer Bestellung Richtung Küche verschwindet. Wir ordern als Vorspeise den so reichlich von ihm gepriesenen griechischen Feta-Käse („Schafsmilch, keine Kuhmilch“) und die familienproduzierten gefüllten Weinblätter (Dolmadakia). Hauptgerichte: Lammkoteletts mit Ofengemüse und der klassische Niki‘s Teller, unter anderem mit Leber.

Das Essen:

Nach passender Wartezeit serviert er die bestellten Vorspeisen. Plus den Gruß aus der Küche. Plus einen separaten Teller Zaziki, plus zwei gegrillte Spitzpaprika. Plus einen gemischten Bauernsalat. „Das haben wir aber nicht bestellt“, werfe ich ein. Doch er klärt uns auf: Die Paprika sowie der Salat seien bereits die Beilagen der später kommenden Hauptgerichte.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Aus der Vogelperspektive: Das sind wohlgemerkt nur die Vorspeisen. © Jörg Heckenkamp

Meine Begleitung hat ob der kulinarischen Fülle eine andere Erklärung: „Ob er uns als RN-Tester erkannt hat und uns etwas Gutes tun will?“ Der Verdacht schwebt im Raum, doch der 59-Jährige versichert später beim Fototermin, nichts von unserer Mission geahnt zu haben.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Den Schafskäse in Blätterteig (l.) Gab's als Gruß aus der Küche, die gegrillte Spitzpaprika als Vorgriff auf die Hauptgerichte. © Jörg Heckenkamp

Sei‘s drum. Selbst wenn unsere Tarnung auffliegt: Die Menge und vielleicht die Freundlichkeit könnten Wirte in so einem Falle kurzfristig ändern. Aber nicht die Qualität der Speisen. Und darauf kommt‘s schließlich an.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Von der Mama in der griechischen Heimat gemacht: die gefüllten Weinblätter, Dolmadakia. Dazu servierte man uns einen fluffigen Zaziki. © Jörg Heckenkamp

Wie war nun die Qualität der Vorspeisen? Super, klasse, toll, genial. Der Zaziki leicht, frisch und nicht zu stark knoblauchlastig. „Scheint aus griechischem Joghurt und nicht aus Quark zu sein“, mutmaßt meine kundige Tischnachbarin (die Mutmaßung stellte sich später im Gespräch als richtig heraus). Der Feta-Käse köstlich, so wie angepriesen.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Der Beilagen-Salat bestach durch Frische und Aroma. © Jörg Heckenkamp

Lediglich bei den Dolmadakia tut sich zwischen uns eine kleine geschmackliche Kluft auf. Unzweifelhaft köstlich-fein sind die Weinblätter an sich, die Füllung schmeckte mir aber nicht kräftig genug. „Genau richtig. Köstlich“, wischt die Dame gegenüber meinen Einwand vom Teller.

Besonders lecker auch die vorab servierten Beilagen. Vor allem der schlichte, aber fantastische Bauernsalat überzeugt mit Frische und Aroma. Note 1 für den ersten Gang.

Machen wir es nicht zu spannend: Auch die Hauptgerichte überzeugen auf ganzer Linie. Die fünf Lammkoteletts meiner Begleitung waren zart und perfekt gewürzt. Das Ofengemüse mit halbierten Drillingen aromatisch und auf den Punkt: „Nichts zu meckern“, lautet der Adelsschlag meiner Mit-Esserin für das Gericht.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Niki's Grillteller ließ keine Wünsche offen. Leber zart und aromatisch, ebenso Spieß, Lammkotelett und Hackbraten. © Jörg Heckenkamp

Mein Grillteller hielt ebenfalls eines der Lammkotellets, ein Stück Leber, einen Suflaki-Spieß sowie ein gut gewürztes Hacksteak (Suzuki). Eigentlich entweder mit Pommes oder Reise, war es aber kein Problem, von beidem etwas zu bestellen. Mein Fazit: „Nichts zu meckern.“ Was deutlich untertrieben ist.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Gut anzuschauen, noch besser zu essen: die fünf Lammkoteletts auf Ofengemüse. © Jörg Heckenkamp

Aber das i-Tüpfelchen wartet noch: der griechische Joghurt mit Honig und Mandeln. Sowie als Extra (Ob er uns als RN-Tester erkannt hat?) eine kandierte Bergamotte-Frucht (eine Zitrusfrucht): „Macht meine Mutter in Griechenland“, sagt Wirt Georgios Stylianidis mit Stolz. Und so schmeckte es auch: wie bei Muttern.

Die Getränke:

Das übliche Angebot mit relativ vielen offenen Weiß- und Rotweinen. Eine Cola 0,3l kostet 2,30 Euro, ein 0,3l-Krombacher 2,30, das 0,5l-Weizen 3,60 Euro. Kaffee 2 Euro und der - unbedingt zu empfehlende - griechische Mokka 2,20 Euro.

Maria’s Taverne: Die unerwartete Entdeckung der guten griechischen Küche

Der griechische Mokka war perfekter Abschluss eines perfekten Dinners. © Jörg Heckenkamp

Die Preise:

Für mich existiert eine Preiskluft zwischen den meiner Meinung nach sehr günstigen Vorspeisen und den „normalpreisigen“ Hauptgerichten. Der Schafskäse kostete 4,80, die Dolmadakia 4,90 Euro. Die Hauptgerichte dagegen 14,90 Euro (Niki‘s Grillteller), die Lammkoteletts 16,50 Uhr. Die Nachspeise war mit 3,50 Euro extrem günstig. Insgesamt höchst angemessen für die servierte Qualität.

Die Atmosphäre:

Man merkt schon beim ersten Schritt ins Lokal, dass Marias Taverne früher die gut-bürgerliche Kneipe Heidekrug war. Der vordere Theken-Bereich lädt kaum zum gemütlichen Essen ein. Der hintere Gastraum ist etwas gefälliger, aber weit von einem anheimelnden Ambiente für gutes Essen entfernt. Allerdings schraubt das Wirtepaar gerade an der Einrichtung: Fotos, zum Teil neue Tische und Stühle, Deko. Aber da er nur Pächter sei und der Besitzer keinen großen Umbau finanzieren wolle, könne er nur in kleinen Schritten vorankommen, sagt der Chef.

Panorama-Foto vom vorderen Speisenraum:

Der Service:

Erledigte bei uns Georgios Stylianidis zur vollsten Zufriedenheit. Seine Erläuterungen zu den Speisen, seine engagierte Art, seine Freundlichkeit haben uns beeindruckt. Die Wartezeiten waren genau passend, sein Hinweis auf den Gruß aus der Küche (siehe oben) ist nicht selbstverständlich. Wir haben uns, trotz der ausbaufähigen Atmosphäre, bestens aufgehoben gefühlt.

Kinderfreundlichkeit:

Die Karte weist vier offizielle Kinder-Gerichte auf. Davon drei griechische Spezialitäten (Gyros, Suflaki, Suzuki) im Preissegment von rund 6,50 Euro. Außerdem Hähnchennuggets mit Pommes für 6,80 Euro. Spaghetti oder Schnitzel bietet die Taverne bewusst nicht an: man sei ein griechisches Restaurant.

Angeschlossen an den kleinen Biergarten gibt’s einen Kinderspielbereich, unter anderem mit Fußballtor.

Barrierefreiheit:

Wer Maria’s Taverne besuchen will, muss zwei kleine Stufen vor dem Eingangsbereiche überwinden. Innen ist alles ebenerdig.

Mein Fazit:

Ein überraschend köstlicher Abend mit einem Wirt voller Leidenschaft. Dafür nehme ich gerne die etwas längere Anfahrt zu dem doch relativ versteckt liegenden Restaurant in Angriff. Ich komme wieder, versprochen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Restaurant-Check Marias Taverne

Seit 18 Monaten schwingt ein neues Wirte-Ehepaar den Kochlöffel im ehemaligen Heidekrug an der Lohstraße. Die Küche von "Maria's Taverne" ist eine Offenbarung.
26.10.2018
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Schwingen seit 18 Monaten das Zepter in Maria's Taverne, dem ehemaligen Heidekrug an der Lohstraße. (v.l.) Sohn Stelios Stylianidis (26), Vater Georgios Stylianidis (59) und Mutter und Namensgeberin Maria Aidonopoulos (48).© Jörg Heckenkamp
Niki's Grillteller ließ keine Wünsche offen. Leber zart und aromatisch, ebenso Spieß, Lammkotelett und Hackbraten.© Jörg Heckenkamp
Köchin Maria bereitet gerade die köstlichen Dolamadakia als Vorspeise zu. Die eingelegten Weinblätter erhält sie über Familienmitglieder in der griechischen Heimat.© Jörg Heckenkamp
Georgios Stylianidis mit einem neuen Bild, das aber noch nicht 100-prozentig seinen Anforderungen entspricht.© Jörg Heckenkamp
Blick auf den Thekenbereich der Taverne.© Jörg Heckenkamp
Zwischen Kegelbahn-Bereich und großem Gastraum lässt sich eine Falttür öffnen, um großen Gesellschaften mehr Raum zu bieten.© Jörg Heckenkamp
Gut anzuschauen, noch besser zu essen: die fünf Lammkoteletts auf Ofengemüse.© Jörg Heckenkamp
Blick in den Kegelbahn-Bereich. Hierfür hat Georgios Stylianidis bereits einige neue Stühle geordert und baut eine kleine Zwischenwand ein.© Jörg Heckenkamp
Köchin Maria bereitet gerade die köstlichen Dolamadakia als Vorspeise zu. Die eingelegten Weinblätter erhält sie über Familienmitglieder in der griechischen Heimat.© Jörg Heckenkamp
Der Haupt-Speisenraum im hinteren Bereich mit Zugang zum Biergarten.© Jörg Heckenkamp
Der vordere Gastraum, gegenüber der Theke.© Jörg Heckenkamp
Herr am Zapfhahn und im Service: Chef Georgios Stylianidis.© Jörg Heckenkamp
Seit dem Pächterwechsel gibt es hinter der Taverne einen kleinen Biergartenbereich mit Spielplatz. Für den Sommer planen die Wirte eine Vergrößerung der Terrasse.© Jörg Heckenkamp
Gut anzuschauen, noch besser zu essen: die fünf Lammkoteletts auf Ofengemüse.© Jörg Heckenkamp
Der griechische Mokka war perfekter Abschluss eines Perfekten Dinners.© Jörg Heckenkamp
Krönender Abschluss des Mahls: der griechische Joghurt mit Honig, Mandeln und einer kandiereten Bergamotte.© Jörg Heckenkamp
Von der Mama in der griechischen Heimat gemacht: die gefüllten Weinblätter, Dolmadakia. Dazu servierte man uns einen fluffigen Zaziki.© Jörg Heckenkamp
Den Schafskäse in Blätterteig (l.) gab's als Gruß aus der Küche, die gegrillte Spitzpaprika einfach so vom Hause.© Jörg Heckenkamp
Der zusätzlich servierte Salat bestach durch Frische und Aroma.© Jörg Heckenkamp
Aus der Vogelperspektive: das sind wohlgemerkt nur die Vorspeisen.© Jörg Heckenkamp
Schwingen seit 18 Monaten das Zepter in Maria's Taverne, dem ehemaligen Heidekrug an der Lohstraße. (v.l.) Sohn Stelios Stylianidis (26), Vater Georgios Stylianidis (59) und Mutter und Namensgeberin Maria Aidonopoulos (48).© Jörg Heckenkamp

Anfahrt/Parken:

Maria’s Taverne liegt im Wohngebiet Stemmenkamp und verfügt nur über wenige eigene Parkplätze. Wenn es voll ist, muss sich der Gast einen Parkplatz in der Umgebung suchen.

Was sagt das Netz zu Marias Taverne?

55 Google-Rezensionen geben 4,7 von 5 Sternen. Viele loben das Essen und den Service, Kritik entzündet sich an der überkommenen Einrichtung.

Bei Tripadvisor sind drei Bewertungen gelistet: zwei Mal die Top-Note ausgezeichnet, einmal befriedigend.

Restaurant-Infos:

Maria’s Taverne, Lohstraße 30, 59368 Werne, Tel. (02389) 990 13 76,

Dienstag bis Samstag 17 bis 23 Uhr, Sonntag 11.30 bis 14 und 17 bis 22.30 Uhr, Montag Ruhetag.

Keine eigene Website, dafür eine Facebook-Seite, allerdings mit dem jüngsten Eintrag vom 14. Juli 2018 (Stand 25. Oktober 2018).

Alle Werner Restaurant-Checks finden Sie hier:

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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