Mann aus Selm lebte über seine Verhältnisse und muss dafür jetzt bezahlen

dzAmtsgericht

Ausgerechnet das Entlassgeld aus dem Gefängnis bringt einen 29-jährigen Selmer erneut auf die schiefe Bahn. Dabei wollte er sich eigentlich nur etwas gönnen.

von Sylvia Mönnig

Selm

, 29.11.2019, 15:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der irrigen Annahme, die Rechnungen schon irgendwie begleichen zu können, leistete sich ein Selmer (29) Luxus, ohne zahlen zu können. Das ging eibne ganze Zeit lang gut.

Gerade aus der Haft entlassen, spekulierte der Selmer im April und Mai vergangenen Jahres darauf, dass er mit den 2000 Euro Entlass-Geld jede Menge bewegen könne. Eine stationäre Drogentherapie stand an und die wollte er sich möglichst angenehm gestalten

Also orderte er zunächst eine Musikanlage für rund 300 Euro und keine zwei Wochen später einen Kaffeevollautomaten im Wert von knapp 500 Euro. Auf den Eingang des Geldes wartete der Lieferant dann jedoch vergeblich. Das betroffene Unternehmen erstattete Strafanzeige.

Geschädigte Unternehmen hatten Ratenzahlung vereinbart

Im Prozess vor dem Lüner Amtsgericht legte der 29-Jährige die Karten nun sofort auf den Tisch: „Ich habe ein bisschen über meine Verhältnisse gelebt.“ Zu der Zeit habe er einiges bestellt und gedacht, alles mit dem Entlass-Geld finanzieren zu können. Dabei habe er den Überblick verloren.

In der Zwischenzeit habe er mit den Anwälten der geschädigten Firma allerdings vereinbart, den angerichteten Schaden in Raten à 25 Euro abzuzahlen – und genau das tue er.

Mann schafft Therapie und Führerschein

Und es gab weitere positive Entwicklungen: So stand der 29-Jährige die Therapie mit Erfolg durch und es gelang ihm, einen Führerschein zu erhalten. Damit erhoffe er sich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das, was er da getan habe, tue ihm leid. „Ich bin einsichtig“, versicherte er und fügte hinzu: „Ich zahle das auch weiter ab.“

Die Bewährungshelferin hatte ebenfalls durchaus Gutes zu berichten. Die Bewährung verlaufe positiv, der Selmer halte den Kontakt, er bemühe sich tatsächlich um einen Job und sei in seiner Familie fest integriert.

Anzeichen für erneuten Drogenkonsum gebe es nicht. Auch sei ihr nicht bekannt, dass es nach den Vorfällen im Jahr 2018 noch weitere Straftaten gegeben habe.

Positive Wende hat begonnen

Seine Bemühungen, der Sucht zu entkommen und wieder Fuß im Leben zu fassen, wussten Anklage und Gericht zu würdigen. Für den angeklagten Selmer sprach zudem, dass er bereits begann, Gutmachung zu leisten. Die Richterin brachte es auf den Punkt: „Da ist in der Zwischenzeit etwas passiert.“

Die positive Wende sorgte dafür, dass der einschlägig vorbestrafte 29-Jährige eine vielleicht allerletzte Chance erhielt: Er wurde letztlich zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Zweifel ließ die Richterin allerdings nicht aufkommen: „Das geht so nicht.“ Der Selmer verstand. Er akzeptierte seine Strafe umgehend.

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