Viele kennen den Außerhaus-Verkauf von Mama Leone. Weniger bekannt dürfte der schöne Speisenraum im hinteren Bereich des Lokales sein. Doch eine nette Umgebung reicht nicht aus.

Werne

, 02.11.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Pizzeria Mama Leone, einen Steinwurf von der Kirche Maria Frieden entfernt, weist eine etwas unglückliche Raumaufteilung auf. Erst muss der Gast eine Treppe erklimmen, dann gelangt er in einen wenig anheimelnden Theken- und Pizzaofen-Bereich.

Erst der Gang durch einen schmalen Flur, von dem die Toiletten abgehen, führt den hungrigen Gast in den schön gestalteten und gemütlichen hinteren Teil der Pizzeria. Auch ich habe diesen versteckt liegenden Bereich erst nach ein, zwei Pizza-Abholungen damals richtig bemerkt.

360-Grad-Panorama vom hinteren Gastbereich:

Nun also zum Testabend. In Begleitung der Dame meines Herzen, meiner Königin, besuche ich Mama Leone an einem Freitagabend. Vier Tische sind besetzt, wir haben noch die Auswahl und finden ein gemütliches Plätzchen. Wirt Antonio Iannone (55) kommt zügig, zündet die Kerzen an, im Hintergrund singt Eros Ramazotti – es geht gut los. Aber es bleibt nicht so.

Das Essen

Es ist gar nicht so leicht, sich bei Mama Leone zu entscheiden, da die Karte umfangreich ausfällt. Fisch-, Fleisch- und Pfannen-Karte, 27 Pasta-Gerichte und

32 Pizzen. Ungewöhnlich: Pizzen gibt’s nur in einer Größe, die vergleichsweise klein ausfällt. Zudem offeriert das Restaurant noch Tages- und Sondergerichte auf zwei separaten Blättern.

Schließlich haben wir gewählt: Meine Königin nimmt Mozzarella Caprese und als Sonderwunsch Makkaroni al Forno (Pluspunkt bei der Bestellung: Das sei kein Problem), ich habe Appetit auf Vitello Tonnato und die Pizza Paesana mit Käse, Champignons, Ei und Salami.

Mama Leone: Pizza und Desserts glänzen, ansonsten ist viel Luft nach oben

Unter die reichliche Portion frische Pizzabrötchen (hier nur noch die Hälfte) hat sich ein altes Stück geschmuggelt. © Jörg Heckenkamp

In der Wartezeit schauen wir uns um, entdecken einiges an Plastikblumen aber auch netter Deko. Dann serviert Wirtin Daniela Iannone (51) die Vorspeisen nebst einer riesigen Portion Pizzabrötchen: warm, kross und wohlschmeckend. Nur unten hat sich ein altbackenes Exemplar eingeschlichen. Sei’s drum.

Mama Leone: Pizza und Desserts glänzen, ansonsten ist viel Luft nach oben

Optisch und geschmacklich eher eintönig, preislich zu hoch: Mozzarella caprese für 6,50 Euro © Jörg Heckenkamp

Weniger nachsichtig sind wir mit dem Mozzarella auf Tomatenscheiben. Lieblos angemacht, einfach mit Öl übergossen, ein paar Basilikum-Blätter drauf. Die Tomaten schmecken fade. Für 6,50 Euro deutlich zu teuer. Minuspunkt.

Mama Leone: Pizza und Desserts glänzen, ansonsten ist viel Luft nach oben

Die Vorspeise Vitello Tonnato, dünne Kalbfleischscheiben unter Tunfischsoße, war vielleicht etwas zu säuerlich abgeschmeckt, aber sonst ok. 9 Euro sind allerdings ein stolzer Preis. © Jörg Heckenkamp

Besser punkten kann mein Vitello Tonnato. Die Kalbfleischscheiben sind zart, der Geschmack ok. Dafür schmeckte mir persönlich die Thunfischsoße etwas zu säuerlich. Ging noch in Ordnung, aber auch hier kann das Preis-Leistungsverhältnis bei 9 Euro nicht überzeugen.

Mama Leone: Pizza und Desserts glänzen, ansonsten ist viel Luft nach oben

Die Sonderbestellung überbackene Makkaroni mit Bolognese-Soße war keine Offenbarung. © Jörg Heckenkamp

Nach nur kurzer Wartezeit serviert die Chefin die Hauptspeisen. Hier tut sich eine Riesen-Kluft auf. Die Makkaroni enttäuschen. Die Röhrennudeln schmecken nach gar nichts, die Fleischsoße farblos. „Würde ich nicht noch mal bestellen“, meint meine enttäuschte Begleiterin.

Mama Leone: Pizza und Desserts glänzen, ansonsten ist viel Luft nach oben

Höhepunkt von Vor- und Hauptspeisen: Die Pizza Paesana mit frischen Champignons, Ei und Salami. Teig klasse, Belag gut. © Jörg Heckenkamp

Dagegen bin ich – fast – begeistert von meiner Pizza. Der Teig knusprig und delikat. Die frischen Champignons prima, hervorragend geschmolzener Käse. In Verbindung mit den Eier-Scheiben und der Salami ein runder Wohlgeschmack. Kleine optische Einschränkung: Die Champignons haben im Ofen viel Wasser ausgeschwitzt, das auf der Pizza herumsuppt. Sieht nicht so toll aus, aber darin steckt nun mal auch Geschmack.

Mama Leone: Pizza und Desserts glänzen, ansonsten ist viel Luft nach oben

Das selbst gemachte Dessert, Panna Cotta für 5 Euro, gefiel durch Optik und Geschmack. © Jörg Heckenkamp

Da die Königin einen süßen Zahn hat, wagen wir uns jeder noch an eine Nachspeise. Hier ein doppelter optischer Höhepunkt: Sowohl Panna Cotta als auch das Cassata-Eis waren appetitlich angerichtet und mundeten uns bestens. Bis auf Cassata stammten die italienischen Desserts aus eigener Herstellung, versichert das Wirtepaar. Das Dessert machte wieder etwas Boden gut.

Mama Leone: Pizza und Desserts glänzen, ansonsten ist viel Luft nach oben

Schön fürs Auge und für die Zunge: die italienische Eis-Spezialiltät Cassata mit kandierten Früchten. Die große Portion war für 4 Euro preiswert. © Jörg Heckenkamp

Die Getränke:

Im Gegensatz zu den Speisen hält sich die Getränkeauswahl in Grenzen. Aber die wichtigsten Posten sind auf der Karte aufgeführt, so auch eine Auswahl an Rot- und Weißweinen, von 0,25 über 0,5 bis zu einem Liter. Ein Warsteiner 0,3l kostet 2,50, eine Cola 0,3l 2,50, ein Weizenbier 0,5l 4 Euro. Die Tasse Kaffee schlägt mit 2 Euro zu Buche.

Die Preise:

Die Preisgestaltung macht mich bei Mama Leone stutzig. Während Pizzen um 7 und Pasta um 8 Euro rangieren, schlagen die Vorspeise zum Teil mit 10 bis 12 Euro zu Buche. Unsere Vorspeisen stehen 6,50 Euro für das schlichte Mozzarella-Gericht und 9 Euro fürs Vitello Tonnato in der Karte. Die Pizza Paesana kostet 7,50 Euro, die Makkaroni al Forno 8 Euro. Panna Cotta 5, Cassata 4 Euro. Fischgerichte bewegen sich um 16 Euro.

360-Grad-Panorama vom vorderen Bereich:

Die Atmosphäre:

Wie eingangs beschrieben, kann sich der Kunde im hinteren Gastraum sehr wohl fühlen. Nicht zu kitschig, in warmen Brauntönen gehalten. Selbst der alte Kneipen-Fliesenboden stört da nicht allzu sehr. Im kommenden Jahr möchte das Paar den vorderen Bereich renovieren. Für die kleine Außengastronomie vor dem Restaurant ist fürs kommende Jahr eine neue Ausrüstung geplant.

Der Service:

Funktionierte reibungslos durch das Wirtepaar (Antonio Iannone: „Ich bin Mädchen für alles, mal an der Theke, mal im Service, mal in der Küche.“), bis auf das etwas schnelle Servieren des Hauptganges nach den Vorspeisen. Der Sonderwunsch bei den Makkaroni wurde ohne Probleme erfüllt. Pluspunkt: Unaufgefordert legte Daniela Iannone neues Besteck für den Hauptgang hin.

Kinderfreundlichkeit:

Eine eigene Kinderkarte gibt es nicht. Alle Gerichte sind laut Auskunft von Wirt Antonio Iannone als preisreduzierte Kinderversion zu bestellen.

Barrierefreiheit:

Nicht gegeben. Mama Leone liegt im Hochparterre. Der Gast muss fünf Stufen überwinden.

Mein Fazit:

Als Pizza-Dienst ist Mama Leone sicherlich erste Wahl. Beim Restaurant-Besuch war ich zwiegespalten. Eine gute Pizza und leckere Desserts reichen nicht aus. Den Preisabstand zwischen Vor- und Hauptgerichten kann ich mir nicht erklären.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Restaurant-Check Mama Leone

Im Restaurant-Check Werne haben wir die Pizzeria Mama Leone auf Herz und Nieren getestet.
02.11.2018
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Arbeiten nach 30 Jahren Restaurant-Leitung Hand in Hand: Daniela (51) und Antonio (55) Jannone.© Jörg Heckenkamp
Höhepunkt von Vor- und Hauptspeisen: Die Pizza Paesana mit frischen Champignons, Ei und Salami. Teig klasse, Belag gut.© Jörg Heckenkamp
Der vordere Bereich wartet noch auf seine Renovierung.© Jörg Heckenkamp
Blick auf den Tresen der ehemaligen gut-bürgerlichen Kneipe Zum Dreieck, heute Mama Leone.© Jörg Heckenkamp
Optisch und geschmacklich eher eintönig, preislich zu hoch: Mozzarella caprese für 6,50 Euro© Jörg Heckenkamp
Der schön gestaltete hintere Bereich des Restaurants.© Jörg Heckenkamp
Sonnige Aussichten im schön gestalteten großen Speisenraum von Mama Leone.© Jörg Heckenkamp
Der schön gestaltete hintere Bereich des Restaurants.© Jörg Heckenkamp
Der schön gestaltete hintere Bereich des Restaurants.© Jörg Heckenkamp
Viele Kunden lassen sich von Mama Leone Pizza und Pasta liefern.© Jörg Heckenkamp
Die Sonderbestellung überbackene Makkaroni mit Bolognese-Soße war keine Offenbarung.© Jörg Heckenkamp
Fünf Stufen führen ins Restaurant Mama Leone.© Jörg Heckenkamp
Italienisches Restaurant-Idylle.© Jörg Heckenkamp
Die Pizzeria Mama Leone an der Hermann-Löns-Straße 1 war früher die Kneipe Zum Dreieck.© Jörg Heckenkamp
Blick auf den Tresen der ehemaligen gut-bürgerlichen Kneipe Zum Dreieck, heute Mama Leone.© Jörg Heckenkamp
Links vom Tresen, neben dem Durchgang zum großen Speisenraum, findet sich der Bereich für den Pizza-Ofen.© Jörg Heckenkamp
Daniela (51) und Antonio (55) Jannone sind seit 33 Jahren verheiratet und führen seit März 1988 die Pizzeria Mama Leone.© Jörg Heckenkamp
Schön fürs Auge und für die Zunge: die italienische Eis-Spezialiltät Cassata mit kandierten Früchten. Für 4 Euro preiswert.© Jörg Heckenkamp
Auch das zweite Dessert, Panna Cotta für 5 Euro, gefiel durch Optik und Geschmack.© Jörg Heckenkamp
Unter die reichliche Portion frische Pizzabrötchen hat sich ein altes Stück geschmuggelt.© Jörg Heckenkamp
Die Vorspeise Vitello tonnato, dünne Kalbfleischscheiben unter Tunfischsoße, war vielleicht etwas zu säuerlich abgeschmeckt, aber sonst ok. 9 Euro sind allerdings ein stolzer Preis.© Jörg Heckenkamp

Anfahrt/Parken:

Die Pizzeria liegt nahe der großen Kreuzung Ovelgönne/Goetheweg. Einige eigene Parkplätze direkt vor dem Haus, ansonsten gibt es Stellplätze in der Umgebung; einige Schritte entfernt etwa der große Parkplatz der Kirche Maria Frieden.

Was sagt das Netz zu Mama Leone?

71 Google-Bewertungen summieren sich auf 4,4 von 5 Sternen. Der jüngste Eintrag stammt von Anfang Oktober 2018 und lautet „Freundliche Bedienung und die Pizza war sehr lecker.“

Bei Yelp finden sich vier Beiträge, drei sehr positive, ein vernichtender.

Restaurant-Infos:

Pizzeria Mama Leone, Hermann-Löns-Straße 1, 59368 Werne, Tel. (02389) 2404

Montag 17.30 bis 23.30, Dienstag bis Sonntag 12 bis 14.30, 17.30 bis 23.30 Uhr.

Internet

Alle Werner Restaurant-Checks:

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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