Männerchöre liegen nicht mehr im Trend der Zeit

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Singen ist in, gerne auch mit Gleichgesinnten. Trotzdem sinkt die Zahl der Männerchöre weiter. Der Trend ist auch in Lünen zu beobachten. Wer singt, will sich zeitlich nicht mehr festlegen.

Lünen

, 16.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Noch leitet Gisbert Gössing zwei Männerchöre – den MGV Harmonie Zeche Victoria und die Sängervereinigung Oberaden-Beckinghausen. Ende Januar wird es nur noch ein Chor sein. Denn nach 136 Jahren wird sich die Sängervereinigung auflösen. Der Altersdurchschnitt ist zu hoch, neue, jüngere Sänger sind nicht in Sicht. Am Ende sind es derzeit zwölf Aktive. „Die sieben Sänger, die noch gut bei Stimme sind, Zeit uns Lust zum Singen haben, gehen mit rüber zum MGV“, so Gössing. Der MGV Harmonie Zeche Victoria wird dadurch stärker, von jetzt 25 Aktiven steigt die Zahl ab Januar auf 32.

Gemeinsame Auftritte beider Chöre

In letzter Zeit sind beide Chöre immer gemeinsam aufgetreten. Auch bei den tatsächlich gut 25 Terminen zwischen September und Dezember. „Wir sind oft angefragt worden für Termine, die mit dem Ende des Steinkohlebergbaus zu tun hatten“, erzählt der Chorleiter.

Auch beim MGV ist die Altersstruktur ähnlich – die meisten Sänger sind zwischen 70 und 80 Jahren alt, Nachwuchs fehlt. Dass die Chorlandschaft sich verändert, sieht auch Gisbert Gössing so: „Jüngere Chöre boomen und auch Projektchöre, für die sich die Menschen nicht mehr langfristig an Termine binden müssen.“ Und Männerchöre? „Die traditionellen Männerchöre im alten Stil wird es irgendwann nicht mehr geben. Was da gut läuft, sind kleinere junge Ensembles, die meist a capella singen.“

Männerchöre liegen nicht mehr im Trend der Zeit

Gisbert Gössing muss sich Ende Januar von einem seiner beiden Männerchöre verabschieden, weil dieser sich auflöst. © Rottgardt

Für den begeisterten Lüner Musiker haben Männerchöre immer eine große Faszination besessen. Als die Zahl der Sänger immer weiter sank, suchte er bewusst Literatur aus, die seine beiden Chöre gemeinsam singen konnten. Aber er hat noch seit über 40 Jahren einen weiteren Chor – den Kirchenchor St. Barbara in Brambauer.

Hermann Josef Israel stellte Kontakte her

„Dazu bin ich durch den kürzlich verstorbenen Hermann Josef Israel gekommen, der mein Orgellehrer war und mich zum Orgelspiel nach St. Barbara vermittelte und dann auch zur Gründung des Kirchenchores, den ich seitdem leite.“ Diese gewachsenen Gemeinschaften sind für Gössing wichtig: „Ich möchte das auch noch so lange es gesundheitlich ausleben, ohne Musik und ohne Singen – das wäre nichts für mich.“

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Und deshalb mischt sich durchaus Wehmut in die Vorstellung, dass die Sängervereinigung Oberaden-Beckinghausen Ende Januar bei ihrer dann letzten Jahreshauptversammlung ihr Ende beschließen wird. Für seinen MGV Harmonie Zeche Victoria wünscht sich der Chorleiter weitere „neue Sänger“.

Tendenz geht mehr zu Projektchören

Er sieht aber eben auch die Tendenz zu den Projektchören, in denen sich Sangesfreudige für eine gewisse absehbare Zeit zu Proben treffen und dann einen gemeinsamen Auftritt haben. „So einen Projektchor haben wir ja auch im Chorverband Lünen-Lüdinghausen und das läuft richtig gut.“

Richtig voll war in diesem Herbst der Terminkalender der noch zwei Männerchöre von Gisbert Gössing. Es fing an mit der Lünschen Mess im September und dann folgten viele Termine aufgrund des Bergbau-Endes. Zwei mal gab es Auftritte im Dortmunder U, drei Tage sang man im Hammer Allee-Center, dann bei der Fotoausstellung von Claus Marklseder in Kamen und beim Weihnachtskonzert der Chöre im Hilpert-Theater. Am Donnerstag waren die Sänger dann bei einer Weihnachtsfeier im Seniorenhaus Wethmar Mark engagiert.

Männerchöre liegen nicht mehr im Trend der Zeit

Das offene Singen in der Stadtkirche St. Georg fand viel Resonanz. © Goebel

Wie wichtig Singen für Menschen ist, die die Diagnose Demenz bekommen haben, weiß Jürgen Kleinschmidt, der in Dortmund einen Chor mit Betroffenen leitet. Zwei Mal war der erfahrene Musiker mittlerweile auch in Lünen und leitete ein Offenes Singen. Das zweite dieser Art war erst kürzlich in der Stadtkirche St. Georg, da wurden vor allem Advents- und Weihnachtslieder gesungen.

Musik ist ein Türöffner bei Menschen mit Demenz

„Singen ist ein wirklich verbindendes Element“, hat Annette Goebel erfahren. Die Koordinatorin für Altenarbeit organisierte das offene Singen zusammen mit dem Netzwerk Demenz. „Musik ist ein Türöffner, denn bekannte Lieder aus ihrer Jugend bleiben bei Demenzkranken im Gedächtnis“, so Annette Goebel. Jürgen Kleinschmidt und seinem Pianisten Tobias Schneider hat die Veranstaltung in Lünen so gut gefallen, dass sie gerne wiederkommen wollen. Und auch das Netzwerk Altenarbeit kann sich gut eine Wiederholung des offenen Singens für Menschen mit und ohne Demenz im nächsten Jahr vorstellen.

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