„Luisa“ ist nicht hier: Frauenforum bemängelt mäßige Beteiligung an Hilfangebot in Lünen

dzSexualisierte Gewalt

Ob es an der dünnen Kneipendichte, Desinteresse oder mangelnder Eigeninitiative liegt, lässt sich nicht sagen. Doch: die Beteiligung an „Luisa ist hier!“ ist in Lünen extrem gering.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 06.10.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vielleicht entpuppt sich die Verabredung plötzlich als übergriffig. Vielleicht belästigt ein Unbekannter betrunken fremde Frauen in der Kneipe. Vielleicht bedroht der eigene Partner seine Frau während eines gemeinsamen Restaurantbesuchs. Und vielleicht ist es Betroffenen unangenehm, sich in der Öffentlichkeit zu wehren oder sie haben Angst.

Für all diese Möglichkeiten hat der Frauen-Notruf Münster gemeinsam mit WDR-Frau-TV im Frühjahr 2017 die bundesweite Aktion „Luisa ist hier!“ gestartet. Auch einzelne Schweizer Städte beteiligen sich.

Frauen können sich in Notsituationen unauffällig und unkompliziert mit der Frage „Ist Luisa hier?“ an das Thekenpersonal wenden und bekommen ebenso unkompliziert Hilfe: Entweder die Mitarbeiter begleiten die Betroffene zu einem Taxi, lassen sie telefonieren oder gewähren ihnen hinter dem Tresen einen Schutzraum.

Kneipenbesitzer und Veranstalter sollen sich beteiligen

An der Aktion beteiligen können sich Kneipen, Gastronomiebetriebe oder Veranstalter. Während in anderen Städten im Kreis Unna jeweils mehrere Betriebe mitmachen, sieht es in Lünen mau aus.

Karin Gottwald, Leiterin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle des Frauenforums e.V., das die Koordination von Luisa für den Kreis Unna übernommen hat, sagt: „In Lünen ist es sehr, sehr schwierig Kooperationspartner zu finden.“ Ihre Kollegin Heike Bagusch ergänzt: „Wir haben alles, wirklich alles versucht, aber in Lünen klappt es mit Luisa einfach nicht. Irgendwo ist da eine Bremse.“

In Unna würden bereits 21 Kneipen teilnehmen. Darüber hinaus das Stadtmarketing bei Veranstaltungen wie dem Stadtfest. Auch aus Selm, Kamen, Schwerte oder Werne seien mehrere Rückmeldungen gekommen. „In mehreren Fällen sind unsere Anfragen in Lünen einfach im Sande verlaufen“, beklagt Gottwald.

Bei der Anfrage an das Stadtmarketing - nach einer Beteiligung an der Aktion während des Stadtfestes - sei man an die Firma Gefron verwiesen worden, die wiederum keinerlei Reaktion auf die Anfrage zeigte. Ebenso sei es im Falle des Kinofestes verlaufen. Die Firma Stolzenhoff habe konkret abgesagt.

Stadt Lünen weist Anschuldigung zurück

Bei der Stadtverwaltung und dem Kino weiß man jedoch nichts von einer Anfrage. „Von dem Projekt habe ich inhaltlich schon gehört“, sagt Max Bielas, Leiter der Cineworld. „Praktisch ist aber noch niemand auf mich zugekommen. Ich wüsste nicht, was dagegen sprechen sollte, sich an der Aktion zu beteiligen.“

Stadt-Sprecher Benedikt Spangardt findet ähnliche Worte: „Wir finden das Projekt gut und unterstützen es gerne im Rahmen unserer Möglichkeiten, allen voran das Stadtmarketing. Eine Anfrage haben wir jedoch nicht erhalten.“

Während sich die einen also beteiligen würden - wenn sie eine Anfrage erhalten würden - wissen andere trotz ausführlicher Berichterstattung in lokalen und regionalen Medien nichts von der Aktion: „Bis jetzt habe ich nichts davon mitbekommen“, sagt beispielsweise Alexander Ruscher, Inhaber des „Zum Kamin“.

Einziger teilnehmender Kneipenbesitzer wurde selbst aktiv

Eine einzige Lüner Kneipe beteiligt sich aktiv an dem Hilfsangebot „Luisa ist hier“ für Frauen: Das Greif im Lüner Nordosten. Kneipenwirt Bob Michaels hatte sich allerdings - bereits im März 2017 - von sich aus an das Frauenforum in Unna gewandt. „Bei uns ist zwar noch nie was passiert“, sagt er, „noch nicht einmal eine Pöbelei. Aber die Öffentlichkeit weiß zu diesem Thema viel zu wenig. Prävention hilft.“ Seiner Aussage nach besucht eine breit aufgestellte Zielgruppe das Greif. Die Besucher sind nach Micheals Angaben zwischen Anfang 20 und Mitte 60. „Eine solche Aktion am Alter fest zu machen wäre der falsche Ansatz. Außerdem geht es ja auch darum, den Bekanntheitsgrad zu steigern.“

HILFSANGEBOT FÜR FRAUEN

DIE KAMPAGNE „LUISA IST HIER!“

  • Die Kampagne „Luisa ist hier!“ ist ein Hilfsangebot für Frauen, die in der Partyszene aus einer unangenehmen oder gefährlichen Situation heraus möchten. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ können sich Frauen an geschultes Personal wenden und bekommen unmittelbar und diskret Hilfe.
  • Die Kampagne wurde von der Beratungsstelle Frauen-Notruf Münster e.V. entwickelt und im Dezember 2016 in Münster gestartet. Mittlerweile beteiligen sich bundesweit – und über die Landesgrenzen hinaus – über 63 Städte an der Kampagne.
  • Gegründet wurde die Koordinierungsstelle Luisa am 1. März 2017. Die zentralen Aufgaben der Koordinierungsstelle liegen in der Bearbeitung der Übernahmeanfragen und in der Betreuung der teilnehmenden Einrichtungen.
  • In den verschiedenen Städten und Kreisen kümmert sich jeweils eine lokale Frauen-Beratungsstelle um die Koordination. Für Lünen und den Kreis Unna ist das das Frauenforum e.V..
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