Lünerin nahm nach Tod der Schwester die Neffen auf: Gesetze machen es Pflegeeltern schwer

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Als ihre Schwester mit 40 Jahren an Krebs starb, nahm Barbara Scheidereit ihre beiden Neffen bei sich auf. Sie kämpfte sich durch die Paragrafen der Sozialgesetze. Die findet sie ungerecht.

Lünen

, 29.09.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Barbara Scheidereit hat drei Kinder. Sie ist eine aktive Frau. „Wenn ich etwas ungerecht finde, dann muss ich etwas tun“, sagt sie. Der 64-Jährigen aus Lünen-Brambauer geht es dabei nicht ums Geld und auch nicht um ihre Familie, sondern ums Prinzip. Denn das mache es Pflegekindern und -eltern zusätzlich schwer.

Wie das ist, hat sie selbst erlebt. Kurz vor dem Tod ihrer Schwester holte sie vor fünf Jahren deren beiden Kinder in ihre Familie. Die Jungen hatten schon den Vater verloren, acht Jahre später dann auch die Mutter. In Lünen-Brambauer fanden sie ein liebevolles Zuhause. Das war für Barbara Scheidereit selbstverständlich. Die Kinder mussten schließlich den tragischen Schicksalsschlag, verbunden mit Schul- und Ortswechsel sowie der Suche nach neuen Freunden, verkraften: „Es war nicht einfach.“

Waisenrente und Kindergeld angerechnet

Ein langer Weg durch die Bürokratie begann. Den Vollwaisen steht eine Waisenrente zu. Die Genehmigung hat sechs Monate gedauert. Dann hieß es, Vollwaisenrente und anteilig Kindergeld werden auf das Pflegegeld angerechnet. Das sieht das Gesetz so vor. Barbara Scheidereit kann das nicht verstehen. Wären die beiden Kinder in ein Heim gekommen, wäre das deutlich teurer geworden.

Barbara Scheidereit betont, sie habe ein gutes Verhältnis zum Jugendamt der Stadt Lünen. Dort hätte man sie unterstützt, soweit es die Gesetze zuließen. Die Anrechnung ist gesetzlich verankert: „Wir haben die Verantwortung für die Jungen gern übernommen. Aber man wird allein gelassen und mit Gesetzesvorgaben abgespeist.“ Sie hätte das Geld gerne für die Zukunft ihrer Neffen angespart. Vollwaisen hätten schließlich keine Eltern, die ihnen finanziell zur Seite stehen können.

75 Prozent Abzug bei der Ausbildungsvergütung

Das gleiche Thema, als einer der Jungen eine Ausbildung zum Mechatroniker begann. 75 Prozent seiner Vergütung werden mit dem Pflegegeld verrechnet. „Wie soll ich ihm erklären, dass sich Arbeit lohnt“, fragt die 64-Jährige. Ein Gehalt habe auch etwas mit Wertschätzung und Motivation zu tun.

Als der Neffe den Führerschein machen wollte, habe es geheißen, das Geld dafür könne er sich von den 25 Prozent Ausbildungsgehalt zusammensparen.

Sie ist empört. Es werde Kindergeld ins Ausland gezahlt, für Kinder, die gar nicht hier leben, aber bei Pflegekindern werde es verrechnet.

Die Lünerin hat an Hannelore Kraft, Ministerpräsidenten Armin Laschet und an Bundesfamilienministerin Franziska Giffey geschrieben. Alle verweisen auf das Gesetz. Damit das geändert wird, will sie sich nun an den Petitionsausschuss wenden.

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