Lüner Theater Seitensprung feierte gelungene Premiere

dz„Play Mate des Jahres“

Eine Warm-Up-Phase brauchten die Zuschauer am Samstagabend im rappelvollen Heinz-Hilpert-Theater nicht. Sie waren gekommen, um sich zweieinhalb Stunden unterhalten zu lassen.

Lünen

, 12.11.2018, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zuschauer wollen so viel wie möglich lachen und dann vergnügt nach Hause gehen. Mit dem Stück „Play Mate des Jahres“ von Klaus Ahmann erfüllte das Lüner Amateurtheater Seitensprung genau diese Erwartungen.

Mittendrin in einer „häuslichen Idylle“

Kräftigen Applaus gab es schon bei der Begrüßung durch Dietmar Krumhus. Applaus ebenfalls für das Bühnenbild von Alexia Sliwinski, noch bevor auch nur einer der Akteure die Bühne betreten hat. Kurz darauf sind die Zuschauer mittendrin in der häuslichen Idylle der Ruhrgebietsfamilie Karpuschke. Vorruheständler Jupp tyrannisiert seine Ehefrau Elli, indem er lautstark „Hunger“ ruft und nach dem Frühstück verlangt. Die biedere Hausfrau, mit Lockenwicklern und Kittelschürze ausgestattet, will gerade die Gardinen waschen, resigniert aber vor seinen mit Vehemenz vertretenen chauvinistischen Forderungen.

Ewiger Kunststudent und Bloggerin

Zum Haushalt gehören auch Sohn Martin, mit 30 Jahren (25 ist er nur für die Kindergeldkasse) ewiger Kunststudent, und Tochter Anja, die sich als Bloggerin mit unzähligen Followern Cheyenne nennt. Für Wirbel in diesem Familiengefüge sorgt der Wochenendbesuch des Play Mates in der Kategorie Ü 50 Cloe Dupont, den Jupp mit seinem Freund Heinz bei einem Preisausschreiben gewonnen hat. Und als sich Cloe dann noch als Ellis Jugendfreundin Sigrid entpuppt, erreichen die Turbulenzen Orkanstärken, die erst beim überraschen Happy-End wieder abflauen.

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Premiere Theater Seitensprung

Premiere für die Akteure des Lüner Theaters Seitensprung. Mit dem Stück „Play Mate des Jahres“ von Klaus Ahmann erfüllte das Lüner Amateurtheater Seitensprung genau die Erwartungen ihres Publikums im ausverkauften Heinz-Hilpert-Theaters.
11.11.2018
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Das Ensemble empfängt den Schlussapplaus.© Foto Textoris
Häusliche Idylle bei Jupp (Klaus Ahmann) und Elli (Tabita Tegtmeier) Karpuschke.© Foto Textoris
Vater und Sohn Gespräch: "Sollte man nach 30 Semestern nicht langsam den Abschluss anstreben?" (Klaus Ahmann und Dirk Quernheim von li)© Foto Textoris
Gute Freunde kann niemand trennen: Heinz (Dietmar Krumhus) und Jupp (Klaus Ahmann von li.)© Foto Textoris
Wie sag ich's der Frau des Hauses (Tabitha Tegtmeier), dass am Wochenende ein Play Mate zu Gast sein wird? Heinz (Dietmar Krumhus) und Jupp (Klaus Ahmann von li.) haben da ihre Probleme.© Foto Textoris
Häuslicher Frieden. Elli (Tabitha Tegtmeier) hat sich wieder einmal von Jupps (Klaus Ahmann) Scheinargumenten einwickeln lassen.© Foto Textoris
Es ist nicht das, was es zu sein schein. Willy Kleiner (Mike Wiegrede) erläutert Frau Karpuschke (Tabitha Tegtmeier) die Funktion eines Luftbefeuchters.© Foto Textoris
Jupp (Klaus Ahmann li.) und Heinz (Dietmar Krumhus) sind hin und weg vom verführerischen Charme von Cloe Dupont (Susanne Westrup).© Foto Textoris
Ein Schnaps auf das Wiedersehen. (Tabitha Tegtmeier li. und Mike Wiegreve)© Foto Textoris
"Schnaps das war ihr letztes Wort".Tabitha Tegtmeier (li) als Elli und Susanne Westrup als Cloe.© Foto Textoris
Bei Ohnmacht hilft nur Mund-zu-Mund-Beatmung. doch wer ist dazu geeignet? Sidney Krumhus, Dirk Quernheim,
Susanne Westrup, Dietmar Krumhus, Klaus Ahmann (v.li)
und Tabitha Tegtmeier (liegend)© Foto Textoris
Susanne Westrup als Cloe, Tabitha Tegtmeier als Elli und Mike Wiegreve als Arzt. (v.li.)© Foto Textoris
Auch ein Tee kann aphrodisierende Wirkung haben. (Tabitha Tegtmeier und Mike Wiegreve)© Foto Textoris
Unter dem Einfluss seiner Muse ( Susanne Westrup) trifft der Künstler (Dirk Quernheim) in seinem Werk den Nagel auf den Kopf.© Foto Textoris
Der Opa ist immer dabei. (Thomas Köppeler re)© Foto Textoris
Außer Pause kommt kein Wort über seine Lippen. Publikumsliebling Thomas Köppeler als Opa.© Foto Textoris

Es sind die Situationskomik, die überraschenden Wendungen, die Wortspiele, die immer wieder bewusst überzeichneten Rollenklischees und die manchmal ans Absurde grenzenden Verhaltensweisen der Protagonisten, die die Zuschauer nahezu pausenlos zum Lachen bringen und selbst noch Nachwirkungen zeigen, wenn der Vorhang gerade geschlossen ist.

Temporeiche Inszenierung

Dazu kommt die temporeiche Inszenierung von Mike Wiegreve und die Rollenbesetzung nach den Stärken der Akteure. Sidney Krumhus verkörpert treffend die handyinfizierte „Generation Blöd“ in Sprache und Weltansicht, Dirk Quernheim ist der entrückte Künstler, der seiner Muse Cloe begegnet, die von Susanne Westrup mit allen Facetten dargestellt wird. Dietmar Krumhus ist der treue Freund Heinz, der zwischen der durch Globuli und Viagra-Tee verstärkten Hörigkeit zu seiner von Martina Sommer dargestellten Frau Ute und den Liebreizen von Cloe Dupont schwankt.

Abstruse Ansichten

Und da sind die beiden tragenden Säulen der Familienstruktur. Klaus Ahmann spielt den chauvinistischen Ehemann voll aus und sorgt mit dessen abstrusen Ansichten immer wieder für Heiterkeitserfolge, so, wenn er meint, dass jeder Mann mit einer natürlichen Grundschönheit ausgestattet ist und dass Denken die Frau nur von der Hausarbeit ablenkt. Er spielt seine Rolle mit vollem Körpereinsatz und unterstreicht den mit einem Mienenspiel, das an den unvergessenen Louis de Funès erinnert. Im Grimassenschneiden ist auch Tabitha Koch Meisterin.

Schauspielerische Herausforderung gemeistert

Sie schafft die schauspielerische Herausforderung, Ellis Wandel vom biederen Hausmütterchen zur emanzipierten, attraktiven Frau überzeugend darzustellen. Und da ist noch Thomas Köppeler als Opa, der immer wieder als Running Gag mit seinem Rollator halsbrecherisch über die Bühne pest und ohne ein Wort zu sagen zum Publikumsliebling wird.

Reaktionen der Zuschauer

Friedhelm Steege, der mit Freunden aus Bodelschwingh angereist war, urteilte: „Wir haben ohne Ende gelacht. Wir stauen über die erstaunliche Leistung dieses Amateurtheaters.“ Und Fan Roland F. schrieb am Sonntagmorgen ins Gästebuch des Ensembles: „Wir waren jetzt zum 8. Mal bei euch und ihr ward wieder echt toll. Wir freuen uns jetzt schon auf nächstes Jahr.“

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