Lüner Schüler warteten vergeblich auf Abschluss-Shirts - Mutter vor Gericht

Unterschlagung

Mit T-Shirts wollten Schüler aus Lünen ihren Abschluss feiern. Doch daraus wurde nichts: Eine Mutter gab das Geld für sich aus und musste sich nun vor Gericht verantworten.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 25.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lüner Schüler warteten vergeblich auf Abschluss-Shirts - Mutter vor Gericht

Das Amtsgericht Lünen gibt einer Mutter, die Geld für die Schulabschluss-Shirts unterschlagen hat, eine zweite Chance. © dpa

Besondere Shirts sollten der krönende Abschluss der Schullaufbahn sein. Das Ganze endete allerdings für Mädchen und Jungen einer Lüner Schule mit einer herben Enttäuschung - und für die Mutter mit einem Verfahren wegen Unterschlagung vor dem Amtsgericht.

Für einheitliche T-Shirts hatten sich die Schüler selbst entschieden. Selbst ihre Lehrer sollten dabei nicht ausgespart werden. Eine Mutter erklärte sich bereit, die 25 Euro pro Kopf zu kassieren und für die Beschaffung der Kleidung zu sorgen. 800 Euro landeten daraufhin bei der 48-Jährigen.

Doch mit dem Geld finanzierte sie nicht wie geplant den Kauf der T-Shirts, es diente zum Lebensunterhalt. Die Schüler gingen leer aus, und als sich das offenbarte, wurde Anzeige gegen die Mutter erstattet.

Mutter zeigt Einsicht

Sichtlich verlegen und im Angesicht mehrerer Schülerinnen, die im Zuschauerraum waren, saß die bis dato vollkommen unbescholtene Frau nun am Mittwochmorgen auf der Anklagebank und legte die Karten sofort auf den Tisch. „Die Absicht, das gleich von Anfang an in meine Tasche zu stecken, hatte ich nicht.“ Zumal sie sich doch über Jahre an der Schule engagiert habe.

Aber tatsächlich sei das Geld der Schüler und Lehrer „im Haushalt untergegangen“. Eine Kontopfändung habe dafür gesorgt, dass sie nichts mehr habe zahlen können. So sei es dazu gekommen, dass sie das Geld für sich behalten hätte. Und sie wisse auch, dass das falsch gewesen sei. In der Zwischenzeit habe sie bereits sieben Schülern die 25 Euro zurückgezahlt, und das wolle sie auch gerne bei den anderen machen.

Enttäuschung für Schüler

Richter Ulrich Oehrle zeigte sich fassungslos. Sicherlich sei das alles verständlich. „Aber warum, in Gottes Namen, haben Sie sich nicht an die Lehrer gewandt?“ Die Schüler hätten nicht gewusst, woran sie gewesen seien, und hätten einfach nur ihre Shirts haben wollen. Ganz von den Folgen für ihr eigenes Kind abgesehen: Das sei bestimmt ein wahrer Spießrutenlauf gewesen. „Es hat sich sicherlich auf keiner Abschlussfeier blicken lassen können.“ Ebenfalls verwies Oehrle auf das bis dahin leere Strafregister der 48-jährigen Lünerin.

Geld muss zurückgezahlt werden

Die Angeklagte betonte erneut, den angerichteten Schaden komplett wieder gutmachen zu wollen. „Ich will das alles zurückzahlen“, beteuerte sie und fügte hinzu: „Geben Sie mir bis zum 1. September Zeit, und alle Kinder haben ihr Geld zurück.“

Sie erhielt tatsächlich eine Chance. Ihr Verfahren wurde vorläufig eingestellt. Auflage: Bis Ende Oktober müssen alle Betroffenen das Geld erhalten. Außerdem soll sie 200 Euro Geldbuße an die Staatskasse zahlen.

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