Lüner Fotograf hält Erinnerungen an den Bergbau in BiIdern fest

Stillgelegte Zechen

Ein gebürtiger Bayer ist fasziniert von Relikten der Bergbau-Ära. Fotograf Claus Marklseder hat sich eineinhalb Jahre lang von der Melancholie stillgelegter Zechen faszinieren lassen.

Lünen

, 24.10.2018, 12:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lüner Fotograf hält Erinnerungen an den Bergbau in BiIdern fest

Claus Marklseder war natürlich mit Helm auf den Geländen der stillgelegten Zechen unterwegs. © Marklseder

Neun stillgelegte Zechen im Ruhrgebiet hat sich Claus Marklseder für sein neues Projekt genauer angesehen. Eineinhalb Jahre lang war der Wahl-Lüner aus München im Ruhrgebiet unterwegs, durfte da fotografieren, wo sonst nur noch der Objektschutz hindarf. Daraus sind eine Ausstellung und ein Bildband entstanden. Was ihn dazu gebracht hat und wie er es geschafft hat, diese Motive vor die Linse zu bekommen, erzählt er im Interview.

Was war Ihre Intention, die alten Zechen zu fotografieren?

Ich wollte das Melancholische festhalten. Diese Orte sind wie Lost Places. Dort, wo früher Hunderte Menschen gearbeitet haben, ist jetzt alles leer. Dort, wo Menschen in den Kauen waren, wo die Maschinen liefen, ist jetzt Stillstand. Es waren für mich Bilder gegen das Vergessen. Und eine kleine Hommage an 250 Jahre Bergbau. Ich hab ja den Strukturwandel hautnah miterlebt, bin seit 1976 in Lünen und habe gesehen, wie die Stadt immer grüner wurde.

War es schwer, auf die früheren Zechengelände zu kommen?

Es war nicht leicht, ich musste mehrere Verantwortliche der RAG fragen. Man kennt diese Gebäude ja nur von außen, aber ich wollte gern dorthin. Schließlich hab ich die Erlaubnis bekommen und bin eineinhalb Jahre lang zu den verschiedenen Zechengeländen gefahren. Ich hatte immer einen Objektschützer der Montan Immobilien dabei, der sich auch gut auskennt. Das Problem war, dass zuvor schon Leute eingedrungen sind, die Kupferkabel oder Maschinenteile aus Eisen stehlen wollte. Da gab es auch schwere Unfälle. Deshalb war es gut, den Objektschützer dabei zu haben, der genau wusste, wo es gefährlich war.

Lüner Fotograf hält Erinnerungen an den Bergbau in BiIdern fest

Szenerie in der Zeche Heinrich Robert. © Claus Marklseder

Wie haben Sie die Motive fotografiert?

Natürlich aus meiner Sicht der Dinge, es ist auch eine Art Alleinstellungsmerkmal. Ich habe bewusst das vorhandene Licht genutzt, nicht geblitzt oder künstlich ausgeleuchtet. Die Bilder leben durch den spärlichen Lichteinfall. Wenn man reingeht in die Gebäude und die Tür fällt zu, ist man ganz allein. Man hört nichts außer vielleicht einer Taube, die sich im Gemäuer eingenistet hat. Diese Totenstille war so ähnlich wie beim Fotografieren im früheren Hertie-Haus.

Was wird mit den stillgelegten Zechen passieren?

Die Montan Immobilien haben die Gelände von der RAG übernommen. Diese Industriebrachen werden künftig neu bebaut, nachdem die Gebäude platt gemacht und die Böden aufbereitet werden. Es war eine tolle Gelegenheit, diese Gebäude zu fotografieren. Diese ganz unterschiedliche Architektur, mal von Holländern, mal von Franzosen gebaut.

Welche Zechen haben Ihnen besonders gut gefallen?

Am besten hat mir „Heinrich Robert“ in Hamm gefallen. Die imposanteste Zeche mit dem größten Wagenumlauf war Westerholt. Das war die gigantischste Zeche, die ich je gesehen habe. Aber auch die kleineren Zechen waren interessant. So wie die Zeche Lerche, wo Material und Menschen transportiert wurden. Oder ein Wetterschacht in Bochum.

Sie sind in Bayern aufgewachsen, gab es da auch Bezüge zum Bergbau?

Da gibt es Salzbergwerke, aber da war ich noch nie. Ich bin ja mit 19 Jahren nach Lünen gekommen und hab in einer Bergarbeiterfamilie gewohnt. Meine leibliche Mutter hatte einen Bergmann geheiratet. So kam ich aus dem Land mit dem „Grüß Gott“ ins Revier des „Glückauf.“ Dieser Gruß beinhaltet zwei Dinge, zum einen den Wunsch, neue Kohlevorräte zu finden und dann den Wunsch, dass die Bergleute gesund zu ihren Familien zurückkehren.

Lüner Fotograf hält Erinnerungen an den Bergbau in BiIdern fest

Das Bergwerk Lippe. © Claus Marklseder

Haben Sie schon mal eine Grubenfahrt unternommen?

Leider nicht. Hätte ich gerne gemacht, aus Neugier, wie es da so ist. Allerdings auch immer mit einem mulmigen Gefühl, 1000 Meter unter der Erde.

Wie präsentieren Sie Ihre Bilder?

Ich habe einen Bildband unter dem Titel „Stillgelegt“ zusammengestellt, 160 Seiten mit 150 Abbildungen, Vor- und Nachwort.

Sie wollten das Buch bei der Frankfurter Buchmesse vorstellen.

Ja, das werde ich auch noch tun. Allerdings erst bei der Buchmesse 2019, wegen anderer Projekte schaffe ich es dieses Jahr nicht.

Claus Marklseder hat schon viele Bauwrke fotografiert, bevor sie abgerissen wurden. Neben dem ehemaligen Hertie-Kaufhaus auch die früheren Schwimmbäder und Kleinschwimmhallen in Lünen. Aber auch das alte Lichtburg-Kino, die Fußgängerbrücke am Theater und die alte Brücke an der Graf-Adolf-Straße. Für sein Projekt über verwilderte Oldtimer ist er 3000 Kilometer quer durch Deutschland gereist, um vergessene Schätze auf vier Rädern zu fotografieren.
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