Lüner Arbeitskreis befürchtet massives Amselsterben - und sorgt sich um weitere Arten

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Noch vor vier Jahren war der kleine Schwarzgefiederte mit dem orangenen Schnabel Bewohner nahezu jedes Gartens. Heute ist er auch in Lüner Gärten kaum noch zu sehen - und zu hören.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 22.08.2019, 15:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Joachim Pflaume durch Lünens Felder und Wälder streift, macht ihn das besorgt: „Die Amsel ist gegenüber früher deutlich weniger geworden“, sagt Pflaume, Hobby-Onithologe und seit 40 Jahren Mitglied des Lüner Arbeitskreises für Umwelt und Heimat. Tote Vögel habe er zwar weder in diesem, noch im vergangenen Jahr gefunden - Aasfresser holten sich die kleinen Vögel immer schnell, sagt er. Und: „Ich beobachte weniger.“ Das sei ganz deutlich, betont er. Sein Vereinskamerad Manfred Scholz bestätigt: „Vor ein oder zwei Jahren fing es an, dass Nachbarn hier im Brusenkamp, wo ich wohne, kranke Vögel fanden. Und während früher die Amseln beim Morgenkonzert der Vögel noch laut mitsangen, sind sie jetzt kaum noch zu hören.“

Erste Usutu-Amsel in NRW 2012 in Siegen

Während 2015 während der „Stunde der Gartenvögel“, einer Nabu-initiierten alljährlichen Gartenvögelzählung, durchschnittlich 3,8 Amseln in jedem Garten gesichtet wurden, waren 2018 nur noch durchschnittlich drei in 96 Prozent der Gärten unterwegs. Bis 2019 verringerte sich ihre Zahl wiederum um 21 Prozent, so dass nur noch 2,5 in 93 Prozent der Gärten gezählt wurden.

Der Naturschutzbund (Nabu) ruft dazu auf, kranke oder tote Amseln mittels eines Formulars zu melden. Er bittet möglichst genaue Angaben zu Fundort, Funddatum und den näheren Fundumständen und zu den Symptomen der Vögel zu machen. Der NABU sammelt alle Daten, wertet sie aus und stellt sie Wissenschaftlern zur Verfügung. Damit könne man das Ausbruchsgeschehen verfolgen, geografisch eingrenzen und neue Ausbruchsregionen zu erkannt werden.

Nachdem das von Stechmücken übertragene Usutu-Viris 2010 erstmals nachgewiesen wurde, kam es in den darauffolgenden beiden Jahren zu einem ersten massiven Amselsterben. Damals waren zunächst lediglich Amseln im wärmeren Rheintal und am Untermain betroffen. In NRW wurde erstmals 2012 eine von Usutu infizierte Amsel in Siegen gefunden.

2016 gab es dann eine zweite Welle, das Virus breitete sich Richtung Norden aus. Im Hitzesommer 2018 waren schließlich alle Bundesländer betroffen. In NRW gab es vergangenes Jahr 13.500 Meldungen, 93 Prozent davon im August und September. Die bisher gemeldeten Fälle in diesem Jahr „liegen auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr, was für ein erneutes starkes Auftreten und für einen Verbreitungssprung des Virus spricht“, sagt Nabu-Sprecherin Birgit Königs. „Der warme Sommer dieses Jahres dürfte die Ausbreitung des ursprünglich tropischen Virus ebenfalls wieder begünstigen.“

Nicht nur die Amsel ist vom Vogelsterben betroffen

Auch wenn der Rückgang der Amsel besonders deutlich zu beobachten ist, macht sich Vogel-Freund Joachim Pflaume Sorgen um alle heimischen Vögel: „Der gesamte Bestand geht zurück“, sagt er. „Vor ein paar Jahren war der Grünfink besonders betroffen, und während wir vor 15 Jahren noch ungefähr 30 Kibitz-Paare in Lünen hatten, ist es dieses Jahr nur noch eines.“ Schuld daran seien Veränderungen in der Umwelt und die Intensivierung der Landwirtschaft.

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