Lüner Ärztin rettet Jogger das Leben: „Wir brauchen mehr Erste-Hilfe-Schulungen“

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Eine Oberärztin des Marienhospitals hat an Silvester einem 60-jährigen Jogger das Leben gerettet. Zuvor hatten andere Läufer mit der Wiederbelebung begonnen - leider eher die Ausnahme.

Lünen

, 07.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mirta Krstic ist Oberärztin am Marienhospital in Lünen. Außerdem ist sie als Notärztin unterwegs - auch in ihrer Freizeit. Gemeinsam mit mehreren Feuerwehrkameraden aus Herne und Castrop rettete sie einem 60-jährigen Jogger beim Silvesterlauf in Herne das Leben.

Die Strecke dieses Laufs führt durch ein Waldstück. Dort ist der 60-Jährige wohl auch kollabiert. „Ich sah von weitem, dass dort jemand lag. Eine andere Läuferin war über ihn gebeugt - da war mir schon klar, dass es etwas Ernsteres sein muss.“

Die 44-jährige Oberärztin aus dem Lüner Marienhospital eilte zu der Stelle. „Ein weiterer Läufer war bereits dort und hat gemeinsam mit der Frau den Mann reanimiert“, so Mirta Krstic. „Obwohl das beides Laien waren, haben sie das sehr gut gemacht. Einer machte die Herzdruckmassage, der andere die Beamtmung.“

Defibrillator empfiehlt drei Schocks

Direkt hinter Mirta Krstic liefen einige Männer aus der Feuerwehr Herne, die gleichzeitig mit ihr bei dem Opfer ankamen. Gemeinsam starteten sie die Wiederbelebung des 60-Jährigen, bis Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes mit einem Defibrillator kamen. „Der Defi hat drei Schocks empfohlen. Daran konnte man schon sehen, dass die Lage sehr ernst war.“

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Am Ende war die Aktion erfolgreich, der 60-Jährige erholte sich. „Später im Krankenwagen konnte er schon wieder selbst atmen“, so die Ärztin. Sie hatte sich - genau wie die Feuerwehrmänner - entschieden, den Mann ins nah gelegene Krankenhaus zu begleiten. „Die Vorarbeit der beiden Läufer war sehr wichtig, wohl auch deshalb ging es dem Mann realtiv schnell wieder besser“, ist die Medizinerin überzeugt. Wie sich später herausstellen sollte, war der 60-Jährige Diabetiker und hatte zu hohe Blutzuckerwerte.

Keine Angst vorm Rippenbruch

Als Notärztin für das Marienhospital erlebt Mirta Krstic häufiger derartige Fälle. „Wir werden gerufen, und müssen dann vor Ort feststellen, dass niemand etwas getan hat“, schildert sie ihre Eindrücke. „Dabei hätten wir eine gute Chance, die Leute zu retten, wenn sofort mit der Wiederbelebung begonnen würde.“

Viele Menschen, die eine Notsituation beobachten, seien unsicher, was nun zu tun sei. „Dabei hat jeder in der Regel spätestens für den Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs mitgemacht“, sagt die Ärztin. Angst, dem Opfer bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung die Rippen zu brechen, müsse auch niemand haben: „Das sind Schmerzreize. Das Opfer wird sich schon deutlich wehren, wenn es weh tut.“

Und wenn diese Schmerzreize eben nicht mehr da sind und entsprechend keine Reaktion erfolgt, seien gebrochene Rippen im Zweifel das kleinere Übel: „Solche Menschen haben nur eine Chance, wenn ihnen umgehend geholfen wird.“

Krankenhaus trainiert regelmäßig

Mirta Krstic weiß, dass die Erinnerung an einen Erste-Hilfe-Kurs schnell verblassen kann. „Selbst wir im Krankenhaus müssen einmal im Jahr nachweisen, dass wir das gebübt und trainiert haben.“ Sie würde sich deshalb wünschen, dass es mehr Erste-Hilfe-Kurse für alle Menschen gäbe. „Warum fängt man damit nicht schon in der Schule an? Auch Kinder können lernen, Leben zu retten.“

In Lünen bieten das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter Erste-Hilfe-Kurse an.

Im September hatten die Johanniter die „Trau dich“-Kampagne gestartet, die mit Erklär-Videos über Wiederbelebungsmaßnahmen und Erste Hilfe informieren soll. Anlass war unter anderem, dass nur zehn Prozent der Teilnehmer an Erste-Hilfe-Kursen diese freiwillig absolvierten. Für die meisten wäre es hingegen eine Pflichtaufgabe, zum Beispiel für den Führerschein.

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