Lüner (65) stahl Handy und verlangte danach vom Besitzer Finderlohn

dzAmtsgericht

Das Verschwinden und Wiederauftauchen eines Handys und die skurrilen Umstände bescherten einem 65-jährigen Lüner nun ein Verfahren wegen versuchten Betrugs.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 03.12.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine skurrile Geschichte, mit der sich das Lüner Amtsgericht beschäftigen musste. Ein 65-Jähriger aus Lünen sollte ein Handy genommen haben, um Finderlohn zu kassieren.

Polizisten das Handy übergeben

Die Videokamera in einem Lüner Imbiss zeichnete am Vormittag des 29. März auf, wie der Rentner das fremde Smartphone in seinen Rucksack steckte. Doch damit begann die Sache erst: Wenig später erschien der Lüner auf der Polizeiwache und übergab einem Beamten das Handy. Das habe er im Bereich der Luisenstraße gefunden, erklärte er und gab auf Nachfrage an, dass er Finderlohn annehmen würde. Am nächsten Tag erschien das Paar, das den Imbiss betreibt, um Anzeige zu erstatten. Die Eheleute, die den Film auf einem USB-Stick dabei hatten, gerieten zufälligerweise an den gleichen Beamten und der kombinierte richtig. So gelangte das vermeintliche Fundstück wieder in den Besitz des Eigentümers und der Lüner geriet in Verdacht, zugegriffen zu haben, um sich durch den Finderlohn zu bereichern.

Version des Angeklagten klang etwas anders

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht schilderte er nun seine Version des Vorfalls und die klang „etwas“ anders. Demnach fand er das Handy nach dem Besuch im Imbiss plötzlich in seiner Tasche. Er müsse es versehentlich eingesteckt haben. „Ich dachte, mir hätte Jemand einen Streich gespielt.“ Ihm sei gar nicht bewusst gewesen, dass er etwas mitgenommen habe. In der Situation sei er dann auf die Idee gekommen, zur Polizei zu gehen. Allerdings habe er dort die Geschichte mit dem Fund im Bereich der Luisenstraße erzählt. Der Grund: „Wenn ich gesagt hätte, dass ich ein Handy in meiner Tasche gefunden hätte, hätte der mich doch für bekloppt erklärt.“

Angeklagter kämpft gegen seine Drogensucht

Richter Ulrich Oehrle redete Tacheles: Die Geschichte des Angeklagten haue ihn „nicht ganz doll vom Hocker“. Auf der anderen Seite sei es aber auch lebensfern, ein Handy zu nehmen und von denen, denen man es geklaut habe, Finderlohn zu fordern. Hinzu kam, dass der bis dato völlig unbescholtene Lüner seit Jahrzehnten gegen seine Drogensucht ankämpft, substituiert wird und die Nebenwirkungen seiner Medikamente für eine gewisse Verwirrung sorgen könnten. Eine verminderte, vielleicht sogar aufgehobene Schuldfähigkeit, so Richter Oehrle, könnte in Betracht kommen. Um das zu klären, müsse aber ein kostspieliges Gutachten eingeholt werden. Außerdem habe die Verhandlung ihre Wirkung auf den angeklagten Lüner nicht verfehlt. Aus diesen Gründen wurde das Verfahren letztlich ohne Auflagen eingestellt. „Wenn sich das nicht wiederholt, glaube ich, könnte die Rechtsordnung das verkraften“, begründete Oehrle das Prozessende ohne Urteil.

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