Wahrscheinlich haben Sie davon gehört, dass wir Volontäre unstete Wesen sind. Kaum angekommen, ziehen wir schon wieder weiter. Weil meine Zeit in Lünen endet, möchte ich jetzt abrechnen.

Lünen

, 28.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Liebes Lünen, nicht nur das Ende des Jahres rückt immer näher. Auch meine Arbeit in der Lokalredaktion hat bald ein Ende. Denn als Volontärin bin ich auf ständiger Durchreise zur nächsten Volo-Station.

Und damit das Jahr und auch meine Zeit in Lünen mit einem großem Knall endet, wird jetzt abgerechnet. Knallhart und ohne ein Blatt vor dem Mund. Aber womit wird eigentlich abgerechnet? Vielleicht damit, dass mich die Redaktion für eine Geschichte mit einem Segelflugzeug in die Luft geschossen hat. Oder damit, dass ich in den sechs Monaten bestimmt sechs Kilo zugenommen habe, weil hier ständig Schokolade, Kekse und im Sommer Eis griffbereit standen. Oder damit, dass ich in den vergangenen Monaten unglaublich viel von meinen Kollegen und den Bewohnern der Stadt lernen durfte? Diese Abrechnung mit der Stadt und der Redaktion wird kein Schlag ins Gesicht, vielmehr ein sanftes Streicheln. Ich möchte mit einem Knall gehen. Ein kuscheliger Knall.

Ich habe euch ins Herz geschlossen

In den sieben Monaten hier in der Lüner Redaktion habe ich die Stadt schon ein Bisschen ins Herz geschlossen. Zugegeben, daran war anfangs gar nicht zu denken. Denn mein erster Eindruck der Stadt fiel bescheiden aus. Angekommen an dem Hauptbahnhof mit dem ewig defekten Fahrstuhl, der in den ersten Tagen mit einem unangenehmen Piepen zusätzlich demonstrierte, dass er nicht ganz rund läuft. Raus aus dem Piepen, rein in das Treiben am ZOB. Auch nicht das schönste Aushängeschild für Lünen. Besonders, wenn man durch dicken Zigaretten-Qualm - oder noch schlimmer durch noch dickeren E-Zigaretten-Qualm - durch muss. Und das hat mich sogar gestört, als ich selbst noch geraucht habe.

Als ich dann aber das Piepen und den Qualm überwunden habe, erreichte ich den Stadtkern von Lünen. Und war positiv überrascht. „Ist ja eigentlich ganz nett hier“, dachte ich. Im selben Moment wurde ich auf der Lippe-Brücke fast von einem Fahrradfahrer überrollt. „Ist ja fast so schlimm wie in Münster“, war mein nächster Gedanke.

Shoppen in Lünen ist ungefährlich

Aber abgesehen von lebensbedrohenden Radfahrern und der dicken Wolke überm ZOB gefällt mir Lünen wirklich gut. Nicht nur mir. Kürzlich erzählte mir eine Dortmunderin, dass sie ihre Weihnachtsgeschenke in Lünen geshoppt hat. „In Dortmund ist es viel zu voll“, sagt sie mir und ich habe ihr zugestimmt.

Zwar lebe ich gerne in großen Städten und liebe das gastronomische und kulturelle Angebot. Aber ab und zu in einer Fußgängerzone zu schlendern, ohne Kinderwagen, Regenschirmen und Ellenbogen ausweichen zu müssen, ist auch mal ganz schön. Auch ich habe hier in meinen Mittagspausen Weihnachtsgeschenke eingekauft. Natürlich weil es praktisch war, aber auch weil es hier doch etwas entspannter zugeht als in Dortmund.

Ich bin schlauer wiedergekommen

Aber nicht nur das dezente Treiben in der City, auch die Menschen darin haben es mir angetan. Ich durfte in Lünen mit vielen verschiedenen Menschen über viele verschiedene Dinge sprechen. Und ich bin immer etwas schlauer zurück in die Redaktion gekommen. Ich weiß jetzt, wie Segelflugzeuge fliegen, welche verschiedenen Arten der Ernährung es gibt, wie der Job einer Tagesmutter aussieht und was Crossfit eigentlich ist. Und das ist nur ein kleiner Auszug von dem, was mir die Lüner anvertraut und erklärt haben. Dafür schon mal vielen Dank! Alle Termine mit Ihnen waren immer sehr interessant und schön. Und Sie waren immer geduldig mit mir, auch wenn ich Fragen zwei oder dreimal gestellt habe.

Apropos Fragen: Auch alle Redaktionsmitglieder waren immer sehr geduldig mit mir, wenn meine Texte nicht ganz rund waren oder wenn mich verschiedene Computerprogramm mal wieder in den Wahnsinn getrieben haben. Ich konnte mich mit meinen Fragen immer an die Kolleginnen und Kollegen wenden, egal wie stressig es war. Die Menschen, die hier in Lünen die Tageszeitung produzieren, haben mir den journalistischen Weg geebnet. Mein Start war in Lünen und daran werde ich immer denken, egal wo ich mal landen werde. Vielen Dank.

Subjektiv, wertend oder politisch unkorrekt – RN-Redakteure sprechen freitags einmal „ganz unter uns“ über Themen, die sie und Lünen bewegen.
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