58 Jahre ist es jetzt her, dass Willy Brandt bei der Einweihung des Lüner Rathauses zu Gast war. Die Stadt ließ damals zu diesem Anlass extra einen Film anfertigen. Am Ergebnis gab‘s Kritik.

Lünen

, 02.12.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Dieses neue Lünener Rathaus aber zieht trotz seiner monumentalen Wucht den Blick sogleich an und trägt Anmut und Eleganz zur Schau.“ So kommentiert Sylvester Schmidt, damals Schauspieler am Theater Bochum, im 1960 produzierten und rund neun Minuten langen Film „Mut zur Tat“ den Anblick des gerade fertiggestellten Gebäudes.

Der Film, das geht aus den Unterlagen des Stadtarchivs hervor, ist auch anlässlich dieses Neubaus entstanden. Die Einweihung im Oktober 1960 war sogar der Hauptanlass für den Film - auch wenn das aus dem Filmaufbau nicht ganz hervorgeht. Los geht es nämlich erst einmal mit grasenden Pferden in den Lippeauen, erst später geht es bildlich überhaupt ums Rathaus. Dafür musste Hans Gregor, Produzent des Films, damals auch schon Kritik einstecken. Die Westfälische Rundschau konstatierte 1963 einen „Mangel an Konzeption“. Offenbar hatte sich erst während der Filmarbeiten herausgestellt, dass die Einweihung des Rathauses als Ereignis allein nicht ausreichte, um die angeforderten Filmminuten zu füllen.

Lünen 1960: Café unterm Rathaus-Dach, Autos in der Langen Straße und Willy Brandt zu Gast

So sah es aus, als der Film zuvor dem Lüner Rat gezeigt wurde. © Stadtarchiv

Noch irritierender als der Inhalt ist aber womöglich der Ton. Die passende Vertonung hatte die Stadt extra bei einem Musiker namens Heinz Hegehofer bestellt. Ob dieser „die richtigen Töne gefunden hat, ist sicherlich eine Geschmacksfrage“, schrieb die Rundschau.

Kritik hat es daran jedenfalls schon kurz danach gegeben. Genau so wie an technischen Mängeln, dass Sprachaufnahmen übersteuert und nicht synchron mit den Bildern waren. Das Fazit der Rundschau: „Dieser Film, der keinen echten Einblick in das Leben einer aufstrebenden Industriestadt gibt, kann allenfalls Repräsentationszwecken dienen. Aber auch hier sollte man mit dem Streifen sehr vorsichtig umgehen.“

Gezeigt wurde er aber trotzdem in der damals noch vielfältigen Kinolandschaft der Lippestadt, nämlich „als Beiprogramm im Palast, im Deli-Süd und im Apollo Brambauer“. Der Film hat die Stadt rund 8000 Mark gekostet.

Das ist im Film zu sehen:

  • Der Bergbau in der Stadt
  • Das Aluminiumwerk (heute befindet sich dort das Lippewerk von Remondis)
  • Das Steag-Kraftwerk
  • Der Alte Markt und das Alte Rathaus an der Langen Straße
  • Die Stadtkirche St. Georg
  • Die alte Polizeiwache im damaligen Stadthaus
  • Der Lippe-Seseke-Winkel
  • Das neue Rathaus
  • Das Freibad in der Stadtmitte
  • Der Brunnen vor dem Rathaus
  • Das Café, das es damals in der 14. Etage des Rathauses gab
  • Die Lippe mit den Gebäuden der Firma Quittmann
  • Die Ankunft von Willy Brandt, damals noch Berliner Oberbürgermeister
  • Die Ansprache des Architekten Werner Rausch
  • Die Schlüsselübergabe
  • Die Ansprache von Willy Brandt
  • Die Gedenkausstellung „Berlin“ im Rathaus
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