Lioba Albus blickt vor dem Silvesterball zurück: „Entweder man lacht oder geht zugrunde“

dzKaberettistin im Interview

Kabarett zwischen fein und gemein – so beschreibt Lioba Albus ihre Auftritte. Was sie genau damit meint, zeigt die 60-Jährige beim Theaterball am Silvesterabend im Kolpingsaal Werne.

Werne

, 27.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Vor dem Silvesterball sprach Lioba Albus mit Redakteurin Andrea Wellerdiek über Humor aus dem Sauerland und Münsterland, Friedrich Merz, schlüpfrige Angelegenheiten und besondere Schätzchen.

Sie moderieren den Silvesterball in Werne. Zum Jahreswechsel steht auch immer ein Rückblick auf das Jahr an. Es gab viele Geschichten zum Kopfschütteln. Welche Geschichte war in diesem Jahr die perfekte Steilvorlage für eine Kabarett-Nummer?

Auf der politischen Ebene hat mich in diesem Jahr besonders Friedrich Merz amüsiert. Wie dieses zu kurz gestillte, ausgehungerte Totenkopfäffchen aus dem Sauerland versucht hat, sich an Mutti zu rächen und dass er damit gescheitert ist – das hat mich sehr gefreut. Mein Fazit für dieses Jahr ist deshalb: Entweder man lacht oder man geht zugrunde. Deshalb sollten wir versuchen, humoristisch ins neue Jahr zu kommen.

Aber es gab auch traurige Momente. Wie gehen Sie als Kabarettistin auf diese ein?

Über diese Ausschreitungen von Rechtsradikalen kann man nur den Kopf schütteln. Da kann ich es nur halten wie Mia Mittelkötter, die Folgendes vorgeschlagen hat: Die, die schreien „Ausländer raus“, sollten die freigewordenen Kapazitäten unter Tage im Ruhrgebiet für eine ausländerfreie Zone nutzen – wer unterirdisch denkt, kann auch unterirdisch leben. Diese Themen greife ich bewusst auf, weil wir nicht in Schwermut oder Trauer verfallen sollten. Humor ist das Einzige, was überlebt.

Woran denken Sie persönlich besonders gern zurück?

Auf der privaten Ebene habe ich mich sehr darüber gefreut, als mein fünfjähriger Enkelsohn gesagt hat, dass er bei mir immer so viel lachen kann. Auf der beruflichen Ebene ist wohl das Lustigste in einer meiner letzten Vorstellungen in Dortmund passiert. Da flog plötzlich ein Riesenschlüpfer für Mia Mittelkötter auf die Bühne. Das war ein geräumiger Schlüpfer mit einem Herz und dem Namen Mia drauf.

Hat der Schlüpfer einen besonderen Platz bei Ihnen daheim eingenommen?

Oh ja. Das ist meine weiße Fahne, die ich über Weihnachten hissen werde für den Weltfrieden.

Woran denken Sie nicht so gern zurück?

An den überlangen und zu heißen Sommer, der in meinen Augen ein Zeichen dafür ist, wie angegriffen das Klima ist. Das kann nicht so weitergehen. Da hat mich vor allem die Rede der 15-jährigen Schwedin Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel gerührt. Ich hatte Tränen in den Augen, als sie sagte: Selbst diese Bürde überlasst ihr uns Kindern. Ich finde, jeder Einzelne sollte gucken, was er für unser Klima tun kann. Wenn Jeder nur ein bisschen ändern würde, könnte das schon etwas bewirken.

Ihre Moderation werden Sie sicherlich sehr humorvoll gestalten. Sie kommen selbst aus dem Sauerland. Wie würden Sie den Humor der Menschen dort beschreiben und den des Münsterländers?

Es gibt auf jeden Fall Parallelen. Der Humor ist scheinbar schwerfällig, dafür aber sehr hintergründig. Er nimmt erst richtig Anlauf.

Was erwartet die Besucher des Silvesterballs in Werne?

So viel kann ich schon verraten: Mia Mittelkötter kommt in einem sensationellen Ballkleid. Sie zeigt dabei alles, was der sauerländische Geschmack so hergibt.

Schlüpfen Sie in eine andere Rolle?

Nein. Mit Mia Mittelkötter kann ich am schnellsten aus einer ernsten in eine lustige Lage wechseln.

Was bedeutet es für Sie, in verschiedenen Rollen auf der Bühne stehen zu dürfen?

Es ist schön, dass ich mit den Rollen ein Ventil habe, sodass ich Themen ansprechen kann, die ich sonst vielleicht nicht in dieser Form ansprechen könnte. Mit Mia Mittelkötter habe ich eine Vorzeigefigur geschaffen, die es schafft, von jeder Opfer- in eine Tätersituation zu schlüpfen. Sie lässt sich nicht unterkriegen. Mia Mittelkötter gibt es schon seit knapp 27 Jahren auf der Bühne. Sie hat schon einiges auf dem Tacho.

Warum wollten Sie gern als Kabarettistin arbeiten?

Ich habe lange für das Fernsehen und am Theater gearbeitet. Für das Theater bin ich aber zu eigenwillig. Ich ordne mich nicht gern unter, wenn es nicht kreativ ist. Ich möchte gern mein eigenes Ding machen.

Wie würden Sie die ersten Schritte als Solo-Künstlerin beschreiben? Und wie würden Sie die Entwicklung, die Sie seit 1991 gemacht haben, beschreiben?

Ich stand schon vorher viel auf der Bühne, aber dass mein Solo-Programm von Anfang an so gut laufen würde, hätte ich nicht gedacht. Dafür bin ich sehr dankbar. Mia Mittelkötter hat sich seitdem auch weiterentwickelt. Sie ist heute viel weniger streng, viel augenzwinkernder geworden. Da ist jetzt mal der ein oder andere Flirt mit jemandem aus dem Publikum möglich. Sie ist viel geschmeidiger geworden und lockerer in den Beinen. Das hat wohl auch mit der Altersmilde zu tun.

Woher nehmen Sie im Allgemeinen Ihre Ideen für Ihre Programme?

Die Ideen stammen vor allem aus Alltagssituationen. Ich habe einen sehr humoristischen Blick auf das Leben. Das ist schon fast eine Berufskrankheit. Es ist aber eine sehr schöne Berufskrankheit. Auch in der Familie lachen wir viel. Wenn es eine Niederlage gibt, dann wird getröstet, aber später vor allem drüber gelacht.

Sie waren schon häufiger in Werne. Was halten Sie von der Stadt?

Ich finde Werne richtig zuckersüß mit der historischen Altstadt. Für solche Schätzchen muss man sonst weit fahren. Als ich in Waltrop gewohnt habe, war ich immer mal wieder gern in Werne.

Wie verbringen Sie Silvester, wenn Sie nicht auf der Bühne stehen?

Ich bin jemand, der über die Feiertage immer in die Familie krabbelt. Ich genieße die Zeit mit meinem Mann, mit meinen Töchtern und Enkelkindern. Mein Mann ist beim Silvesterball in Werne mit dabei. Ich freue mich sehr, gemeinsam mit ihm die letzten Stunden des Jahres zu erleben.

  • Lioba Albus wurde als siebtes Kind ihrer Eltern am 27. September 1958 in Attendorn geboren. Sie besuchte die private Schauspielschule Zinner. Ab 1983 arbeitete sie am Dortmunder Kinder- und Jugendtheater. Seit 1991 tritt sie mit Solo-Programmen als Kabarettistin auf. Sie arbeitete zudem unter anderem beim WDR – für die Radiosendung „Unterhaltung am Wochenende“. Sie lebt in Dortmund.
  • Karten für den Theaterball an Silvester zum Preis von 95 Euro (Büfett und Getränke inklusive) gibt es im Kulturbüro der Stadt Werne, Bahnhofstraße 8, oder unter Tel. (02389) 7 15 35 oder -7 15 60.
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