Liga kritisiert lasche Umsetzung des Lüner Nachhaltigkeits-Versprechens

Ratsbeschluss von 2017

Vor 12 Jahren wurde die Lüner Initiative gegen globale Armut (Liga) gegründet. Nun stehen personelle Veränderungen an - vorher möchte man in Lünen noch mindestens ein Ausrufezeichen setzen.

Lünen

, 26.10.2018, 06:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Liga kritisiert lasche Umsetzung des Lüner Nachhaltigkeits-Versprechens

„Lünen kauft fair“ ist eine von vielen Veranstaltungen der Liga, die aus der Lippestadt eine ökologisch nachhaltige Kommune machen möchte. © Blaszczyk

Seit der Gründung ist Ulrich Weber quasi der Gesamtkoordinator der Lüner Initiative gegen globale Armut. Damit ist bald Schluss: „Ich höre zum Jahresende auf“, sagt das Gesicht der „Liga“. Gänzlich zurückziehen will er sich nicht: „Natürlich stehe ich im Hintergrund weiter zur Verfügung. Außerdem freue ich mich darauf, eigene Veranstaltungen zu organisieren.“

Doch bis es so weit ist, haben Weber und seine insgesamt 40 Mitstreiter in der Initiative noch einiges vor. Fünf Ratsbeschlüsse habe man in den vergangenen 12 Jahren herbeigeführt - für Weber ein Zeichen, dass die Liga durchaus als politische Größe zu verstehen ist. Die Themen drehen sich um Nachhaltigkeit und Ökologie, aber auch um gesellschaftliche Verantwortung: So setzte sich die Liga bereits 2015 dafür ein, dass sich die Stadt Lünen an der „Save me“-Kampagne beteiligt. Ziel von „Save me“ war es, Flüchtlingen eine sichere Aufnahme in den Kommunen zu garantieren - und das deutlich bevor es zu den großen Flüchtlingswellen kam.

Menschen erwarten Maßnahmen

Aktuell arbeitet die Initiative daran, dass die Verwaltung ihre Beschaffungen „an sozialen und ökologischen Maßstäben ausrichtet“. Der Ratsbeschluss dazu ist bereits 2017 gefasst worden. „Passiert ist seitdem nichts“, so Weber. Er hat sich deshalb mit einem Brief an Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns gewandt und konkret gefragt, was bisher von der Verwaltung unternommen worden sei, um diesen Beschluss umzusetzen.

Ideen gäbe es genug, wie laut Weber eine „nicht repräsentative Umfrage“ unter Besuchern der Liga-Veranstaltung beweist: „Die Befragten erwarten von der Stadtverwaltung Maßnahmen, die zum Beispiel umweltschonende Verkehrsmittel stärken oder einen weiteren Verbrauch von Freiflächen stoppen.“ Jeder Bürger selbst könne ebenfalls zu einer Verkleinerung des ökologischen Fußabdrucks beitragen, in dem er eben jene öffentlichen Verkehrsmittel nutzt oder bewusster einkauft.

Letzteres will nun auch die Stadt tun - zum Beispiel bei der Feuerwehr. „Hier haben wir einen ersten Ansatz“, freut sich Weber, der nach eigenem Bekunden bei Oberbrandrat Rainer Ashoff offene Türen eingerannt habe: „Wir fangen nicht gleich mit der kompletten Dienstkleidung an, aber grundsätzlich ist man bereit, Neuanschaffungen unter ökologischen Gesichtspunkten zu tätigen.“

Umfrageergebnisse sollen in Konzept einfließen

Womit die Verwaltung ihrem Versprechen nachkommen würde. Kleine-Frauns selbst lässt sich im aktuellen Flyer der Liga zitieren: „Die Beschaffung der Stadtverwaltung kann unter sozialen und ökologischen Kriterien erfolgen.“ Wenn die Stadt „Nachhaltigkeit“ zu ihrem Leitbild mache, verbessere sie auch die Lebensqualität der Bürger - zum Beispiel „durch die Schaffung zusätzlichen Wohnraums, weniger Umweltbelastungen, Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs und menschenwürdige Arbeitsverhältnisse“.

Worte, die Ulrich Weber und seine Mitstreiter gerne hören. Doch sie wollen auch Taten sehen - wenn möglich noch in diesem Jahr. Deshalb hat Weber den Bürgermeister gebeten, die Erkenntnisse der Liga-Umfrage in ein Konzept für eine nachhaltige städtische Entwicklung einfließen zu lassen.

Danach kann sich der Gesamtkoordinator zurückziehen - und sich auf die Zeit mit seinem ersten Enkel verbereiten.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Mit Video
Getötete Frau in Lünen: Sohn (21) ist Hauptverdächtiger, Hinweise auf Hintergründe der Tat
Hellweger Anzeiger Große Feier am Wochenende
Zehn Jahre „Bei Anna“ im Horstmarer Treff - Rauchverbot und Kneipensterben zum Trotz
Hellweger Anzeiger Industriefläche
Hagedorn kauft Kraftwerk: Steag spricht von einer „Zeitenwende“ in Lünen