Mehr Lehrer für Grundschulen: Oberstufenlehrer bleiben

Wer ist Schuld an der Lehrermisere an den NRW-Grundschulen? Regierung und Opposition zeigen gegenseitig mit dem Finger aufeinander. Die Schulministerin sucht derweil händeringend nach Lehrern - auch mit Lockangeboten.

14.11.2019, 00:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kampf gegen den Lehrkräftemangel an den Grundschulen will die Landesregierung übergangsweise eingestellte Oberstufenlehrer dort dauerhaft halten. Derzeit seien 391 Stellen an Grundschulen mit Oberstufenlehrkräften besetzt, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde des Landtags. Für sie sollten nun die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Verbleib an den Grundschulen geschaffen werden. Den Lehrern war zugesagt worden, nach zwei Jahren auf eine Stelle in der Sekundarstufe II wechseln zu können.

Die Oberstufenlehrer erhalten nicht das höhere A13-Gehalt, wenn sie an der Grundschule arbeiten. Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) sieht die geplante Gesetzesänderung zwar positiv. „Doch ohne die grundlegende Änderung bei der Bezahlung der Lehrkräfte wird dies nur eine kleine Wirkung haben“, sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau.

Für die ersten 43 Lehrkräfte endet nach Angaben des Schulministeriums im Februar 2020 die zweijährige Zeit an der Grundschule. Wie viele von ihnen bleiben wollen, sei noch nicht bekannt. Es häuften sich aber Anfragen von Lehrkräften, die an der Grundschule bleiben möchten, sofern ihnen ein Beamtenverhältnis ermöglicht werde.

In einer emotionalen Debatte gaben sich die rot-grüne Opposition und die schwarz-gelbe Koalition gegenseitig die Schuld für die Misere an den Grundschulen. Die SPD forderte von der Landesregierung konsequentere Maßnahmen. Allein 300 zusätzliche Studienplätze für das Grundschullehramt reichten nicht aus, um die Bildungsmisere zu stoppen, sagte der schulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Jochen Ott. 30 Prozent der Lehramtsstudenten kämen Statistiken zufolge ohnehin nie in den Schulen an. Die schwarz-gelbe Landesregierung habe auch kein Konzept für die Neuregelung des Ganztags und sende kein Signal für die lang geforderte höhere Besoldung der Lehrer.

Während für die Umstellung der Gymnasien auf den neunjährigen Bildungsgang „schnell mal 500 Millionen Euro locker gemacht“ würden, lasse der von Gebauer versprochene Masterplan Grundschule weiter auf sich warten, sagte die Grünen-Schulpolitikerin Sigrid Beer.

Gebauer warf der Opposition vor: „Sie spielen sich zum Robin Hood für die Grundschulen auf.“ Dabei habe die rot-grüne Vorgängerregierung jahrelang die Hilferufe der Grundschulen zwar vernommen, aber nicht gehandelt. Die „Fahrlässigkeit“ von Rot-Grün habe zu dem Missverhältnis von vorhandenen Stellen aber fehlenden Lehrkräften an Grundschulen geführt. Rot-Grün habe es versäumt, rechtzeitig Lehrerbedarfsprognosen aufzustellen, sagte Franziska Müller-Rech von der FDP. „Sie haben einfach die Augen zu gemacht.“

Am Mittwoch hatten die Landesregierung und Universitäten ein Konzept für den Ausbau der Studienplätze für das Lehramt vorgelegt. So sollen allein für das Grundschullehramt zum Wintersemester 2020/21 rund 300 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Insgesamt entstanden damit seit dem Amtsantritt von CDU und FDP 700 neue Plätze.

Beer warf der Landesregierung vor, zu ihrer Halbzeit weiterhin die Frage einer Angleichung der Lehrerbesoldung offen zu lassen. Die CDU-Politikerin Kirstin Korte sagte: „Durch höhere Besoldungsgruppen wird man nicht automatisch den Lehrermangel beheben.“ Für AfD-Politiker Helmut Seifen ist die größte Herausforderung nicht das Gehalt, sondern die hohe psychische Belastung der Lehrer. Auch bei einer besseren Besoldung würden sich seiner Ansicht nach nur wenige Lehrer für die Grundschule entscheiden.

Die Landesregierung will durch eine gesetzliche Änderung auch die Möglichkeiten für den Seiteneinstieg erweitern. Künftig werden für den berufsbegleitenden zweijährigen Seiteneinstieg auch Masterabsolventen von Fachhochschulen zugelassen. Bisher stand dieser Weg nur Absolventen von Universitäten offen. Außerdem soll die Anerkennung ausländischer Lehramtsbefähigungen aus Staaten außerhalb der EU erleichtert werden. Die schulrechtlichen Änderungen sollten am Donnerstag im Landtag eingebracht werden.

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