Ein großes Wohn- und Geschäftshaus an Kreisstraße steht aktuell zum Verkauf. Andere sind dem Abriss geweiht. Leerstände gibt es hier wie da - aber auch Aufbruchstimmung.

Selm

, 11.12.2019, 15:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die BBE Handelsberatung erarbeitet für die Stadt Selm gerade ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Laut einer Online-Umfrage unter Selmern dazu gibt es in Selm ein deutliches Zentrum in Sachen Einkaufen: die Kreisstraße. Das hatte Jörg Lehnerdt von der BBE im Oktober während des IHK-Wirtschaftsgespräches in Cappenberg ausgeführt.

Und diese Kreisstraße, so hat es die Stadtspitze in den vergangenen Jahren stets verkündet, soll eine andere Aufenthaltsqualität bekommen.

Der Umbau der B 236 im Selmer Zentrum - eben jene Kreisstraße - hat das einstige Aschenputtel verwandelt. Jedenfalls ist die Straße jetzt schöner als vorher: erweiterte Bereiche für Fußgänger und Radfahrer, schmalere Fahrbahn. Und nun sollen auch attraktive Geschäfte angesiedelt werden. So war jedenfalls der Plan.

Einige Neuansiedlungen

Und es hat sich ja auch schon was getan, was die Geschäftswelt betrifft. Ein Friseur und ein Geschäft mit polnischen Spezialitäten haben sich zum Beispiel schon niedergelassen. Aber es gibt noch den einen oder anderen Leerstand.

Leerstände auf Kreisstraße: Stillstand und Aufbruchstimmung an der Einkaufsstraße von Selm

Das Haus mit der Nummer 54 an der Kreisstraße wird von Seko-Immobilien vermarktet. Laut Aushang ist es 888 Quadratmeter groß. © Arndt Brede

Leerstände auf Kreisstraße: Stillstand und Aufbruchstimmung an der Einkaufsstraße von Selm

Im heute leeren Ladenlokal an der Kreisstraße 54 hatte die Arbeiterwohlfahrt auch schon mal einen Standort eines Secondhand-Kaufhauses. © Screenshot Brede

Die Kreisstraße 54. Das Möbelhaus Schulte hatte hier mal sein Geschäft. 2004 eröffnete die Arbeiterwohlfahrt dort ihren Krempeltempel, ein Secondhand-Kaufhaus. Nun steht das Ladenlokal mit den drei markanten Fenstern schon lange leer. Wie lange noch, ist noch nicht klar. Aber die Seko-Immobilien OHG aus Duisburg ist an der Vermarktung des Gebäudes dran. Das „sanierungswürdige Mehrfamilienhaus“, wie es in der Anzeige beschrieben wird, soll 350.000 Euro kosten.

Leerstände auf Kreisstraße: Stillstand und Aufbruchstimmung an der Einkaufsstraße von Selm

Ein kleiner, aber immerhin präsenter Leerstand an der Kreisstraße 62. © Arndt Brede

Nur wenige Meter weiter, an der Kreisstraße 62: ein kleiner, aber sichtbarer Leerstand. Ein kleines Ladenlokal mit abgehängten Fenstern.

Leerstände auf Kreisstraße: Stillstand und Aufbruchstimmung an der Einkaufsstraße von Selm

Die lange Fensterfront der ehemaligen Spielhalle wäre prädestiniert für Auslagen jeglicher Art. © Arndt Brede

Wieder einige Meter rauf Richtung Süden befindet sich der wohl markanteste Leerstand an der Kreisstraße. Nämlich im Gebäude mit der Hausnummer 74. Dort, wo einst eine Spielhalle war, herrscht in den Räumen gähnende Leere. Die gläserne Fensterfront wäre prädestiniert für Auslagen jeglicher Art. Fehlanzeige.

Gesamter Bereich um die Spielhalle wird überplant

Kurzfristig wird sich daran wohl nichts ändern. Denn Stadtsprecher Malte Woesmann sagt auf Anfrage der Redaktion: „Für das Lokal der ehemaligen Spielhalle soll kein neuer Mieter gefunden werden, da mittelfristig der gesamte Bereich überplant werden soll.“

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Ansonsten seien in den Häusern, die der Stadt gehören, keine Leerstände zu verzeichnen. Ausnahme: die ehemalige Spielhalle an der Kreisstraße 74.

Leerstände auf Kreisstraße: Stillstand und Aufbruchstimmung an der Einkaufsstraße von Selm

Der Barber Shop hat sich an der Kreisstraße angesiedelt. © Arndt Brede

An anderer Stelle gibt es schon Neues. Etwa mit dem Barber Shop.

Leerstände auf Kreisstraße: Stillstand und Aufbruchstimmung an der Einkaufsstraße von Selm

Das Geschäft mit polnischen Spezialitäten feierte jüngst Eröffnung. © Arndt Brede

Oder etwas weiter südlich mit dem neuen Geschäft „Polskie Smaki“ mit polnischen Spezialitäten.

Das sind Beispiele dafür, dass sich etwas tut an der Kreisstraße. Das war auch die Hoffnung der Stadtspitze, aber auch der Kaufleute. Denn durch den rund zweijährigen Umbau der Kreisstraße hatten sie nicht nur Umsatzeinbußen. Es ist auch das eine oder andere Geschäft wegen der Baustelle nicht mehr in Betrieb.

Leerstände auf Kreisstraße: Stillstand und Aufbruchstimmung an der Einkaufsstraße von Selm

Ein Teil dieses Häuserkomplexes an der südlichen Kreisstraße könnte bald ganz anders aussehen. © Arndt Brede

Regelmäßiger Austausch mit möglichen Investoren

Den Neuansiedlungen sollen noch weitere Unternehmen an die Kreisstraße folgen. So lautet der städtische Plan. Zumindest soll sich das Gesicht vor allem der südlichen Kreisstraße verändern. Dazu hatte die Stadt 2018 Häuser eines Komplexes gekauft: eine umstrittene Investition.

4,2 Millionen Euro hatte die Stadt Selm ausgegeben, um 40 Wohnungen und zwölf Ladenlokale zu erwerben: die Häuser 84 bis 68 an der Kreisstraße - rund 100 Jahre alte Gebäude. An die Stelle der alten Häuser sollen mittelfristig zeitgemäße Wohn- und Geschäftshäuser treten, wie Bürgermeister Mario Löhr zum Zeitpunkt des Kaufs sagte.

Wie läuft es inzwischen bei den Verhandlungen mit potenziellen Investoren? Stadtsprecher Malte Woesmann antwortet auf diese Frage der Redaktion so: „Die Stadt befindet sich im regelmäßigen Austausch mit möglichen Investoren, die eine Gesamtüberplanung vornehmen würden. Verträge sind noch nicht geschlossen. Wann dies erfolgt, steht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest.“

Leerstandsportal geschlossen

Es gab ja mal das städtische Leerstandsportal „Kommunaler Immo-Scout-Selm“ (KISS), quasi eine digitale Börse in Sachen leere Immobilien. Gibt es das noch? Malte Woesmann sagt auf Anfrage: „Das Leerstandsportal ist geschlossen worden, da die Aktualität der Angaben nicht gewährleistet war. Leerstände waren teilweise behoben, aber von den Eigentümern nicht gemeldet worden. Da es andere gewerbliche Angebote am Markt gibt, hat die Stadt das Leerstandsportal geschlossen.“

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