„Landwirtschaftliche Katastrophe“: So verändert der Klimawandel die Arbeit auf Obsthöfen

dzHof Bleckmann

Der Sommer 2019 war hart für Hubertus Bleckmanns Obst- und Gemüsehof - sogar noch härter als es der vergangene schon war. Mit verschiedenen Mitteln kämpft er gegen die steigende Hitze.

Bork

, 28.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte Oktober wurden auf dem Obst- und Gemüsehof Bleckmann die letzten Äpfel geerntet. Dabei war der Sommer nicht einfach für die Früchte von Hubertus Bleckmann. Die diesjährige Ernte findet er aber trotzdem „noch in Ordnung“. Geholfen hat ihm dabei auch eine besondere Bewässerungsmethode - und ein genauer Blick auf die Apfelbäume.

„Die letzten zwei Jahre waren landwirtschaftlich allgemein eine Katastrophe“, sagt Hubertus Bleckmann. In den vergangenen zwei Sommern gab es Temperaturen von bis zu 40 Grad. „Da haben wir dann ein Problem“, gesteht er.

25 Prozent weniger Ertrag bei manchen Apfelsorten

Alles über 30 Grad sei schon schwierig für die Obst- und Gemüsesorten, die er anpflanzt. Besonders zwei Apfelsorten hätten in diesem Sommer stark unter der Hitze gelitten.

Von den Sorten Elstar und Jugala „waren circa 25 Prozent durch Sonnenbrand verdorben“, erklärt er. So trockene und heiße Phasen wie in den vergangenen zwei Sommern habe es früher nicht gegeben, sagt er: „Das ist absolut neu für uns.“

2018 habe es durch die hohen Temperaturen zwar auch viele Äpfel gegeben, die sich nicht mehr für den Verkauf eigneten, doch damals „waren die noch für Most zu verwerten“, sagt Bleckmann. Das sei in diesem Jahr nicht mehr möglich gewesen. „Das war ärgerlich.“

Die Apfelbäume werden maximal zweimal pro Jahr geschnitten

Schuld daran ist der Sonnenbrand, den die Äpfel durch die Hitze und die starke Sonneneinstrahlung erlitten haben. Eine Möglichkeit, einen solchen Sonnenbrand zumindest teilweise zu vermeiden, sei „eine gute Belaubung“.

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Doch wenn die Apfelbäume zu viel Laub haben, können die Äpfel auch schnell zu wenig Sonne bekommen, wodurch sie schlechter ausfärben würden. Es ist also ein schmaler Grat zwischen zu wenig und zu viel Sonne.

Im Winter setze der Obstbauer dafür einen „vorsichtigen Schnitt“ an, sagt Bleckmann. Und wenn es im Sommer dann zu viel Laub gibt, werde noch ein kleiner Sommerschnitt gemacht. Dabei müsse aber immer „von Baum zu Baum“ entschieden werden, ob das nötig ist oder nicht.

Tropfberegnung ist deutlich effektiver als eine Bewässerung von oben

Generell sei im Sommer auch die richtige Bewässerung wichtig. „Ohne Wasser wäre es dieses Jahr ein Problem geworden“, erklärt er. Dabei werden die Obstbäume nicht von oben bewässert, sondern mit einer Tropfberegnung, also einem Schlauch, der direkt an der Wurzel liegt.

Diese Äpfel vom Hof Bleckmann sind auch für Allergiker verträglich

  • Die „sehr alte Sorte“ Rubinette ist für Allergiker gut verträglich, sagt Hubertus Bleckmann.
  • Auch mit der Sorte Wellant „kommen Allergiker sehr gut zurecht“.
  • Als dritte Sorte nennt er die aus Tschechien stammende Sorte Topaz.
  • Generell rät Bleckmann aber, „sich trotzdem vorsichtig anzutasten“, um auf Nummer sicher zu gehen.

„Damit betropfen wir den Baum“, so Hubertus Bleckmann. Dadurch würde er nur ein Viertel der Wassermenge brauchen, die benötigt werden würde, wenn die Bäume von oben bewässert werden würden. „Das ist eine gute Sache.“ Allgemein „sollte man keinen Obstbaum haben, wenn keine Bewässerung vorhanden ist“.

Die ideale Temperatur für die Äpfel schätzt er auf maximal 25 Grad - aber im Schatten. Bei über 25 Grad Schattentemperatur „kriegen unsere Pflanzen allgemein Probleme, das ist für Obst und Gemüse nicht gerade toll“. Denn in der prallen Sonne seien es dann etwa 37 bis 39 Grad.

Besondere Kühlkammern entziehen der Luft den Sauerstoff

Vor allem Beerenobst und einige Gemüsesorten seien bei Temperaturen über 25 Grad im Schatten „eine Katastrophe“. Um die Früchte, die den Sommer gut überstanden haben, noch lange verkaufen zu können, werden auf dem Hof von Hubertus Bleckmann verschiedene Kühlungen eingesetzt.

Zum einen gibt es die normalen Kühlräume. „Da gehen wir täglich rein“, um Äpfel für den Verkauf rauszunehmen“, sagt Hubertus Bleckmann. Darüber hinaus gibt es auf dem Hof auch noch sogenannte CA-Kühlkammern.

In diesen Kammern „wird das Klima kontrolliert“. Der Sauerstoffgehalt in der Luft wird auf 1,5 Prozent gesenkt - normal wären etwa 21 Prozent. Dadurch „werden die Äpfel schlafengelegt“, erklärt er. Dadurch könne er manche Apfelsorten bis zu zehn Monate lang lagern.

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