Landwirte aus der Region sind zurückhaltend bei Dürrebeihilfe von Land und Bund

dzExtremsommer

Seit November können Bauern wegen des sehr trockenen Sommers einen Antrag auf die Dürrebeihilfe stellen und so eine existenzielle Bedrohung abwenden. Große Euphorie ist nicht ausgebrochen.

von Mona Wellershoff

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 26.11.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die sogenannte Dürrebeihilfe ist ein Programm der Bundesregierung in Kooperation mit der jeweiligen Landesregierung, wie der Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb, auf Anfrage dieser Redaktion sagt. Bis auf Rheinland-Pfalz und das Saarland kooperieren dabei alle Bundesländer mit dem Bund. Die Beihilfe werde durch Steuergelder finanziert, zur Hälfte vom Bund, zur anderen von der jeweiligen Landesregierung.

710 Betriebe aus NRW sind bereits registriert

Seit dem 8. November können sich landwirtschaftliche Betriebe aus NRW nun registrieren und somit den ersten Schritt zur finanziellen Unterstützung gehen. Was danach kommt, sei allerdings ein „beachtlicher Verwaltungsaufwand“, so Rüb. Der Pressesprecher berichtet, dass sich bislang 710 nordrhein-westfälische Betriebe registriert hätten (Stand 13. November). Von diesen Betrieben werden allerdings eher wenige letztendlich auch die Dürrebeihilfe tatsächlich beanspruchen können. In Selm, Olfen und Nordkirchen ist die Reaktion auf das Angebot von Bund und Land daher auch verhalten, wie die drei Ortslandwirte auf Anfrage der Redaktion sagen.

Friedhelm May, Landwirt aus Selm, gibt zum Beispiel an, er habe zwar von der Dürrebeihilfe gelesen, er selbst nehme sie aber nicht in Anspruch, auch wenn er bei seinem Betrieb von einem fünfstelligen Verlust durch den Ausfall der Ernte auf seinem Betrieb spricht. May gibt an, dass es als Schweinebetrieb relativ leicht sei, zu reagieren. „Man füttert andere Sachen.“ Den restlichen Bedarf habe er nachgekauft.

„Probleme regional ganz unterschiedlich“

Beim Olfener Landwirt Bernhard Brüse sieht das ganz ähnlich aus. Er wisse auch von niemandem persönlich, der einen Antrag gestellt habe. Er gehe aber davon aus, dass der ein oder andere Landwirt aus der Region sicherlich einen Antrag stellen würde. Und Brüse nennt konkret Zahlen. Der Maisertrag sei in diesem Jahr eingebrochen. In diesem Jahr hätten die Landwirte nur rund die Hälfte früherer Jahre geerntet. Den Rest hätten die Landwirte deshalb zukaufen müssen. Durch den Transport sei das oft recht kostspielig gewesen. Zugleich räumt Brüse ein, dass die Einbrüche und Probleme je nach Wetterlage „regional ganz unterschiedlich“ gewesen.

In Nordkirchen ist die Stimmung bezüglich der Dürrebeihilfe nicht anders. Der landwirtschaftliche Betrieb Lütke Holz nimmt das Angebot auch nicht in Anspruch und berichtet davon, dass wohl im Kreis Coesfeld nur wenige Landwirte einen Antrag gestellt hätten. Lütke Holz habe allerdings schon bei den ersten Fragen festgestellt, dass der Betrieb nicht die Bedingungen für die finanzielle Unterstützung erfülle. „Die Dürrebeihilfe ist wirklich nur für Landwirte, die sonst in ihrer Existenz grundlegend gefährdet wären“, stellt Konrad Lütke Holz klar. Aber das sei ja auch gut so, da es sich schließlich um Steuergelder handle.

Wer Unterstützung will, muss strenge Kriterien erfüllen

Grund dafür seien die Kriterien für eine Antragsstellung. Dazu zähle unter anderem der mindestens 30-prozentige Ertragsrückgang durch die anhaltende Hitzewelle diesen Sommer. Zudem dürfe das Privatvermögen nicht zu hoch sein und der betriebswirtschaftliche Gewinn dürfe keine festgelegte Grenze überschreiten, berichtet Verena Kämmerling vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV). „Wer diese Bedingungen nicht erfüllt, wird auch keinen Antrag stellen“, so Kämmerling.

Maximal eine halbe Million wird ausgezahlt

Berhard Rüb erklärt, dass es kompliziert sei, einen Antrag zu stellen. Die Landwirte müssen alles genau nachweisen müsse. Dazu müssten „umfangreiche Unterlage“ vorhanden sein. Wird der Antrag allerdings angenommen, wird dem Betrieb die Hälfte des Schadens ausgezahlt, ohne, dass er zurückzahlen müsse. „Kann ein Bauer also beispielsweise 30.000 Euro Verlust nachweisen, bekommt er 15.000 als Dürrebeihilfe“, erklärt Rüb. Minimal müsse der Schaden 5000 Euro betragen, maximal werde eine Summe von einer halbe Million Euro ausgezahlt. Das sei allerdings so gut wie gar nicht denkbar, so Rüb. Die Dürrebeihilfe richtet sich an Betriebe, die durch die extremen Wetterbedingungen vor dem Ruin stehen.

Der Pressesprecher sieht den Bedarf für finanzielle Unterstützung vor allem im westlichen Münsterland und am Niederrhein. Auch Biobetrieben hätte die Hitzeperiode besonders zugesetzt, so Rüb.

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