Aktionsplan gegen das Ertrinken: mehr Geld für Schwimmkurse

Angesichts gestiegener Zahlen von ertrunkenen Kindern und Jugendlichen soll der Schwimmunterricht verbessert werden. Und mehr Geld für Schwimmkurse in den Ferien gibt es auch.

24.06.2019, 13:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt Schüler in Nordrhein-Westfalen, die haben schreckliche Angst vor Wasser. „Das sind Kinder etwa aus Syrien. Durch die dramatische Flucht über das Wasser sind sie traumatisiert“, berichtet Grundschullehrerin Caroline Kollath in Düsseldorf. „Wir hatten in unserer Klasse anfangs sechs Nichtschwimmer.“ Für derart traumatisierte Kinder beginnt Schwimmunterricht auf ungewöhnliche Weise: Sie kippen sich einen Becher Wasser über den Kopf, oder drücken einen Schwamm aus. Sie müssen erst die Angst vor dem nassen Element überwinden.

Kürzlich hatte die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) Alarm geschlagen und gewarnt, Deutschland drohe, zu einem Land der Nichtschwimmer zu werden. Ein Grund ist laut DLRG die sinkende Zahl von Bädern. 20 bis 25 Prozent aller Grundschulen könnten inzwischen keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, weil ihnen kein Bad mehr zur Verfügung stehe. Rund 60 Prozent der Zehnjährigen sind nach einer von der DLRG 2017 in Auftrag gegebenen Umfrage keine sicheren Schwimmer.

Die Landesregierung bestätigte diese Zahlen am Montag nicht. Für die Nichtschwimmer-Quote lägen keine verlässlichen Zahlen vor. Und was die Zahl der Schwimmbäder angehe, stünden in NRW für den Unterricht ausreichend Bäder zur Verfügung.

Aber untätig will man dennoch nicht bleiben: Das Land erhöht nun den Zuschuss für Ferien-Schwimmkurse, die sich an Nichtschwimmer richten, von 250 auf 350 Euro pro Kurs. Der Eigenanteil bleibe aber mit zehn Euro unverändert, teilte die Landesregierung am Montag in Düsseldorf mit. Im vergangenen Jahr seien landesweit rund 550 dieser Kurse absolviert worden.

Außerdem soll für den Schwimmunterricht künftig ein anspruchsvolles Ziel gelten: Dass jedes Kind in der Regel zum Ende der vierten, spätestens aber zum Ende der sechsten Klasse sicher schwimmen kann. Gemeint sei damit: 200 Meter weit und 15 Minuten lang. Die Lehrpläne und die Lehrerausbildung sollen entsprechend überarbeitet werden.

Im Jahr 2022 werde dann erhoben, wie es mit den Schwimmleistungen der Schüler aussieht. Die Staatssekretäre für Sport und Schule, Andrea Milz und Mathias Richter, stellten die Maßnahmen im Düsseldorfer Schwimmbad „Düsselstrand“ vor.

Die Zahl der Schwimmbäder in Deutschland sank laut DLRG von 7800 im Jahr 2000 auf 6400 im vergangenen Jahr. 2019 schließen den Angaben zufolge voraussichtlich 70 weitere Bäder. Auch in NRW gehe das Schwimmbadsterben weiter.

Allein von Anfang 2016 bis Mitte 2018 wurden laut DLRG in NRW insgesamt 36 Schwimmbäder dichtgemacht. Weitere Bäder waren von einer Schließung bedroht. Grund sind meist Sparmaßnahmen von Kommunen. Die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren stieg nach DLRG-Angaben 2018 um 38 Prozent.

Cyrine (11) aus Syrien spricht inzwischen nicht nur sehr gut Deutsch, sie schwimmt in Düsseldorf auch schon sehr sicher durch das Becken. Aber auch deutsche Schüler haben Nachholbedarf: Lia (9) schwimmt noch hochkonzentriert mit Schwimmhilfen. „Meine Mama kann nicht schwimmen. Mein Vater schon, aber wir haben keine Zeit dazu“, sagt sie, als sie am Beckenrand eine kurze Pause einlegt.

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