Lahmender Vorreiter

dzKommentar der Redaktion

Unna

, 23.10.2018, 15:02 Uhr / Lesedauer: 1 min

Pioniergeist war in Unna einmal typisch: Eine autofreie Innenstadt, Gratiskultur im Stadtgarten, das Bürgeramt in Rathaus und Stadtteilen, Computereinsatz in den Schulen und eben auch der Stellenwert des Fahrrades – die Liste dessen, was Unna einmal anderen Städten voraushatte, ließe sich noch weiter fortsetzen. Doch der Ruf des Vorreiters hat gelitten. Das meiste von dem, was Unna einmal erfunden hat, ist von anderen Städten längst kopiert worden. Und um das Original ist es nicht gut bestellt: Dass Unnas Fußgängerzone zerbröselt, Stadtteilämter geschlossen werden und die Kulturarbeit der Stadt vor allem aus der Fortsetzung alter Konzepte besteht, macht sichtbar, dass es der Stadt an Geld und Innovationskraft fehlt.

Das Motto darf nicht „Besser Stillstand als Rückschritt“ sein

Den Radfahrern ließe sich ein zynischer Trost zurufen, wenn ihr Problem nur darin besteht, dass die Dinge nicht besser werden. Dass Stillstand immer noch besser als Rückschritt ist, darf einer Stadt wie Unna aber nicht als Motto dienen. Wenn die Kreisstadt sogar im direkten Vergleich mit den Nachbarstädten schlecht abschneidet, muss sie sich nicht wundern, dass ihre Bürger sie bei der Ehre packen wollen. Ein Ausscheiden aus dem Club der „fahrradfreundlichen Städte“ wäre in der Tat ein Denkanstoß – nicht nur hinsichtlich des Radverkehrs.