„Ich genieße es“: Labbadia setzt nach oben „kein Limit“

Wolfsburg überwintert auf einem Europa-League-Platz. Nach zwei Relegationsjahren genießen alle beim VfL den Höhenflug. Der Trainer wertet das 3:2 in Augsburg als einen weiteren Entwicklungsschritt.

24.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Bruno Labbadia stand in der Augsburger Arena und fühlte sich wie ein Kind vorm Christbaum.

„Ich genieße es“, sagte der 52-Jährige, der sich mit dem VfL Wolfsburg schon vor dem Heiligen Abend über ein großes Geschenk freuen konnte. Das 3:2 (2:0) in einem verrückten Fußballspiel gegen den FC Augsburg war der perfekte Abschluss einer Bundesliga-Hinrunde, die den Niedersachsen eine hervorragende Ausgangsposition für das neue Jahr bescherte.

28 Punkte, Platz fünf - eine solche Halbjahresbilanz schien noch im Sommer utopisch. Am Saisonende würde der fünfte Tabellenrang Europa League bedeuten. Sogar die Champions League ist in Reichweite, RB Leipzig ist nur drei Zähler voraus. „Wir setzen uns kein Limit“, sagte Labbadia, auch wenn er Europa nicht gleich als Ziel ausrief.

„Es darf jeder träumen, außer wir Verantwortliche. Wir müssen einen klaren Blick behalten“, meinte Geschäftsführer Jörg Schmadtke. „Die Tabelle lügt nicht“, bemerkte der ehemalige Torwart, der aber auch darauf hinwies, „dass der Endspurt vieles rausgerissen hat“.

16 von 18 möglichen Punkten sammelte der VfL in den letzten sechs Partien 2018. Auch in Augsburg schlug Labbadias Team ganz spät zu. Yannick Gerhardt erzielte in der 89. Minute nach einem von Torwart Koen Casteels mit einem weiten Abschlag eingeleiteten Konter das entscheidende Tor. „Nach zwei Relegationsjahren tut es gut, wenn man in angenehmeren Gewässern schwimmt“, erklärte der Matchwinner.

Labbadia ist als Trainer ein anerkannter Retter. Aber aktuell profiliert er sich beim VW-Club gerade auch als toller Entwickler. Der VfL arbeitet fleißig, aber er erspielt sich auch zunehmend die Punkte. Und so bewertete Labbadia den achten Saisonsieg als einen weiteren Entwicklungsschritt seiner Mannschaft, weil sie es wieder geschafft habe, „einem Widerstand zu trotzen. Das bringt uns weiter.“

Nach einer dominanten ersten Spielhälfte mit den Toren von Joshua Guilavogui und William standen die Augsburger vor 28 152 Zuschauern kurz davor, ihr starkes Comeback nach den Treffern von Rani Khedira und Sergio Córdova mit dem 3:2 zu krönen. Doch es war der VfL, der den letzten Trumpf setzte.

Das Wort Europa wird in Wolfsburg nicht auf den Index gesetzt. „Wir wollen so viel wie möglich erreichen. Wenn am Ende Europa dabei herausspringt, warum nicht?“, sagte Matchwinner Gerhardt. Die jüngere Vergangenheit sorgt jedoch dafür, dass niemand abhebt. „Das soll jetzt keine Sechs-Monate-Periode gewesen sein. Wir werden kurz Urlaub machen und im Januar wieder so hart arbeiten wie im Sommer“, kündigte Torwart Casteels an, einer der Garanten für den Aufschwung des VfL.

Labbadia zeigte nach dem nicht unverdienten, aber auch glücklichen Sieg Mitgefühl mit seinem enttäuschten Augsburger Kollegen Manuel Baum. „Ich weiß, wie sich Abstiegskampf anfühlt“, äußerte Labbadia in der Pressekonferenz. „Wir sind in der einen oder anderen Situation noch zu grün“, bemängelte Baum: „Unsere Punktausbeute ist zu gering.“

Mit 15 Zählern steht der FCA als Tabellen-15. unmittelbar vor der Abstiegszone. „Das wird ein harter Kampf in der Rückrunde, aber wir nehmen ihn an. Die Reaktion in der zweiten Halbzeit hat mir extrem gefallen und gibt mir sehr viel Mut“, sagte Manager Stefan Reuter.

Er setzt auf Ruhe und interne Geschlossenheit. Für Panikkäufe in der Winterpause sieht Reuter keine Veranlassung. „Es ist nichts geplant. Ich bin überzeugt von dem Kader, den wir aktuell haben, dass die Qualität da ist, dass wir das Ziel Klassenerhalt erreichen können.“

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