LKA-Lagebild: Weniger junge Tatverdächtige

Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sind 2018 laut LKA seltener als Tatverdächtige ermittelt worden als im Jahr zuvor. Aber: Immer mehr Kinder und Jugendliche fallen durch Bedrohung, Erpressung oder das Verbreiten intimer Bilder übers Internet auf.

23.10.2019, 14:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren ist in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent auf 99 389 Personen gesunken. Mit 21,7 Prozent entspricht das etwa jedem fünften der insgesamt 457 275 Tatverdächtigen aus allen Altersgruppen. Das geht aus dem Lagebild Jugendkriminalität und Jugendgefährdung vor, das jetzt vom Landeskriminalamt (LKA) veröffentlicht wurde.

DIE GESAMTZAHL: Von insgesamt 457 275 Tatverdächtigen waren laut dem Lagebild im vergangenen Jahr 15 356 Kinder unter 14 Jahren, 41 997 Jugendliche unter 18 Jahren und 42 036 Heranwachsende unter 21 Jahren. 2017 wurden mit 106 284 Tatverdächtigen noch knapp 7000 mehr unter 21-Jährige ermittelt. Im Zehn-Jahres-Vergleich sank die Zahl der jungen Täter sogar um 27,7 Prozent.

DIE GESCHLECHTER: In allen Altersgruppen waren die Tatverdächtigen häufiger männlich als weiblich. So wurden zum Beispiel bei den unter 14-Jährigen 10 384 Jungen, aber nur 4972 Mädchen verdächtig. Bei den Jugendlichen (unter 18) waren es 29 641 männliche und 12 356 weibliche Tatverdächtige.

DIE DELIKTE: In den meisten Fällen ging es bei jungen Tatverdächtigen um Diebstahl (31 502 Verdächtige), Körperverletzung (25 375), Drogen (15 006) oder Sachbeschädigung (9641). Während die Zahlen in diesen Bereichen durchgehend rückläufig waren, stieg die Zahl der Verdächtigen bei Raubdelikten um 4,1 Prozent auf 3098. Auffallend: Bei der Zahl der Taten unter Alkoholeinfluss sank die Zahl der Verdächtigen um 53,5 Prozent auf 4565.

DER SONDERFALL INTERNET: Die Zahl der jungen Verdächtigen bei Straftaten mit dem „Tatmittel Internet“ stieg in fast allen Kategorien an - darunter bei Gewaltdarstellung (plus 40,7 Prozent), Erpressung (plus 32 Prozent) oder Kinder- beziehungsweise Jugendpornografie (plus 39,2 und plus 71,4 Prozent).

In der Kategorie Jugendpornografie waren die Tatverdächtigen sogar in 76,1 Prozent aller angezeigten Fälle unter 21 Jahren alt. Das war der einzige Bereich, in dem Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende häufiger verdächtig wurden als Erwachsene. Laut einem LKA-Sprecher betrifft Jugendpornografie 14- bis 18-Jährige Opfer. Dass Jugendliche intime Fotos von Gleichaltrigen zum Beispiel in Chats teilten, sei inzwischen leider ein weit verbreitetes Phänomen.

DER TATORT SCHULE: In Klassenzimmern und auf Schulhöfen werden Kinder und Jugendliche nicht nur durch das Verschicken pornografischer Fotos kriminell: 3457 wurden als Verdächtige wegen Körperverletzung an der „Tatörtlichkeit Schule“ registriert. 1229 wegen Diebstahls, 1117 wegen Sachbeschädigung. 931 Mal ging es um Drogen - in zwei Drittel der Fälle um Cannabis.

Stark zurück ging die Zahl der verdächtigen Schüler wegen Straftaten gegen das Waffengesetz: Minus 27,8 Prozent im Vergleich zu 2017, insgesamt 109 Personen. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nahmen um 18,7 Prozent zu (318 Verdächtige). 500 Verdächtige wurden wegen Straftaten gegen Lehrer registriert (plus 14,2 Prozent) - in den meisten Fällen ging es um Körperverletzung oder Bedrohung.

DIE OPFER:Das Lagebild des LKA beschäftigt sich nicht nur mit jungen Verdächtigen, sondern auch mit Opfern. Die Zahl derer, die unter 21 Jahre waren, lag 2018 demnach bei 58 095. Das sind 0,6 Prozent weniger als in 2017. Bei den Opfern von Kindesmissbrauch verzeichnete das LKA einen Anstieg um 2,1 Prozent. In der Gruppe der unter 6 Jahre alten Kinder lag der Anstieg sogar bei 32,8 Prozent. Als Aufklärungsquote bei angezeigten Fällen von Kindesmissbrauch gab das LKA ein Quote von 88 Prozent an.

Bei den Kategorien Misshandlung, Körperverletzung oder Raub sanken die Zahlen. Im Zehn-Jahres-Vergleich wurden sogar 16 Prozent weniger Opfer unter 21 Jahren gezählt.

Mit 32 802 männlichen Opfern unter 21 Jahren gab es mehr als weibliche (25 293). Ein Trend, der sich durch alle Altersgruppen zieht - wobei die Zahl von weiblichen Opfern bei Kindern (plus 1,9 Prozent) und Jugendlichen (plus 2,6 Prozent) stieg.

Weitere Meldungen
Meistgelesen