Kunst oder Schmiererei? Welche Graffiti-Brennpunkte es gibt und wo das Sprühen legal ist

dzGraffitis in Schwerte

Viele Wände sind in Schwerte mittlerweile von bunten Graffitis verziert – die meisten von ihnen sind ganz legal entstanden. Doch an bestimmten Stellen sorgen Sprayer auch für Probleme.

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 05.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Kurzem gibt es sie auch auf dem Parkplatz der Rohrmeisterei: Große Graffit-Kunstwerke, die die einst graue Schallschutzwand auf dem Parkplatz der Veranstaltungsstätte verzieren. Für Ärger bei den Grundstückseigentümern sorgten sie allerdings keineswegs. Denn die gesprühten Bilder sind dort ganz legal entstanden – im Auftrag der Rohrmeisterei und durch ein Vorzeigeprojekt des Vereins für soziale Integration (VSI) Schwerte, bei dem Jugendliche unter Anleitung von Profis an das legale Sprayen im öffentlichen Raum herangeführt werden.

„Wir bekommen immer häufiger solche Aufträge“, berichtet Felix Ditter, der das VSI-Projekt „Spray & Stay“ betreut. Dabei wird den Jugendlichen das professionelle Sprühen zunächst in Workshops beigebracht, bevor sie die erlernten Fähigkeiten an öffentlichen Objekten anwenden können.

So verschönerten Jugendliche vor zwei Jahren bereits die Wände und Säulen am Bahnhofstunnel. Und auch Privatleute beauftragen die Gruppe inzwischen, um das heimische Garagentor nach eigenen Vorstellungen verschönern zu lassen. „Wir besprechen dann vorher mit den Leuten, wie es aussehen soll und fertigen Skizzen an“, erläutert Ditter das Vorgehen.

Kunst oder Schmiererei? Welche Graffiti-Brennpunkte es gibt und wo das Sprühen legal ist

Besonders beliebt bei den Sprayern ist die Rückwand der Lagerhalle am Bahnhof: Hier werden die Kunstwerke täglich von unzähligen Bahnreisenden gesehen. © Maximilian Stascheit

Auftragswerke sind für die Ewigkeit bestimmt

Auch in der Kreinbergsiedlung in Schwerte-Ost enstand um den Jahreswechsel im Auftrag der Eisenbahner Wohnungsgenossenschaft (EWG) ein 150 Meter langes Kunstwerk, das den Passanten künsterlisch die Geschichte der Eisenbahn näherbringt. Solche Stellen werden allerdings in der Regel nur einmal für das Besprühen freigegeben – danach sind die entstandenen Kunstwerke für die Ewigkeit bestimmt.

Anders sieht das beispielsweise an der alten Lagerhalle an der Margot-Röttger-Rath-Straße aus. Am hinteren Ende des Park-and-Ride-Parkplatzes, wo ansonsten kaum jemand vorbeikommt, machten sich Graffiti-Künstler schon seit einigen Jahren ans Werk – lange jedoch auf illegale Weise. Mittlerweile hat die Stadt die Außenwänd der Halle jedoch offiziell zum Besprühen freigegeben. Und das sehr zur Freude von Felix Ditter und seinen jugendlichen Mitstreitern.

Sprühbilder sollen von möglichst vielen Leuten gesehen werden

„Ich glaube, das ist mittlerweile auch die Stelle in Schwerte, die am häufigsten übersprüht wird“, so Ditter. Besonders die Rückseite der Halle sei für die Graffiti-Künstler attraktiv, da ihre Werke dort täglich von unzähligen Bahnreisenden gesehen würden. „Außerdem ist das ein Ort, an den man sich auch mal in Ruhe zurückziehen kann. Hier können die Jugendlichen unter sich sein und die Musik auch mal etwas lauter drehen“, erläutert Ditter.

Die Lagerhalle am Bahnhof ist jedoch nicht der einzige Ort in der Ruhrstadt, an dem die Sprühdosen legal zum Einsatz kommen können. Auch an den Spraywänden auf den Spielplätzen an der Ruhrstraße und der Friedrich-Hegel-Straße ist das Sprühen von offizieller Stelle erlaubt. „Wir setzen uns auch weiter dafür ein, dass noch mehr öffentliche Flächen dafür freigegeben werden“, so Ditter.

Kunst oder Schmiererei? Welche Graffiti-Brennpunkte es gibt und wo das Sprühen legal ist

Auch an der Graffitiwand auf dem Spielplaz an der Ruhrstraße dürfen sich die Sprayer austoben. © Maximilian Stascheit

Illegale Graffitis sind in Schwerte kein großes Problem

Vielleicht sind die zahlreichen Möglichkeiten, die den Kreativen für die Ausübung ihres Hobbys gegeben werden, auch der Grund, weshalb illegale Sprühereien in der Ruhrstand nur ein geringfügiges Problem sind – zumindest, wenn man der Auskunft der Stadtverwaltung Glauben schenken mag. „Von Brennpunkten kann man in Schwerte nicht sprechen“, erklärt Alexander Nähle aus der Pressestelle der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion.

Allerdings komme es an der Gesamtschule Gänsewinkel und an der Grundschule Ergste etwas öfter zu Vorkommnissen in diesem Zusammenhang. Es sei jedoch schwierig, präventiv gegen illegale Graffitis vorzugehen. „Wir sehen aber zu, dass wir sie schnellstmöglich mit Spezialreiniger entfernen, um die Flächen wieder herzustellen“, so Nähle.

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