So bringt das Frühlingswetter in NRW die Natur durcheinander

Wetter

Kühe geben mehr Milch, Schmetterlinge in den Parks, Kraniche ohne Zugzwang: Das milde Wetter bringt die Natur in NRW durcheinander. Der „Frühling“ vor Weihnachten hat viele Auswirkungen.

NRW

20.12.2019, 07:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
So bringt das Frühlingswetter in NRW die Natur durcheinander

Selbst Zitronenfalter sind in diesen milden Wintertagen zu beobachten. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Schmetterlinge in den Parks, Zugvögel ohne Reiselust, gut gelaunte Kühe auf den Weiden: Die frühlingshaften Temperaturen kurz vor Weihnachten bringt die Tierwelt in NRW durcheinander.

So freuen sich Bauern über besonders fleißige Milchgeber. „Für die Kühe ist das warme Wetter das optimale Umfeld, eine absolute Wohlfühltemperatur“, sagte Wilhelm Brüggemeier, Landwirt und Vorsitzender der Landesvereinigung Milchwirtschaft NRW, der Deutschen Presse-Agentur. „Die Tiere geben bis zu zehn Prozent mehr Milch als bei hohen Minusgraden“, so Brüggemeier.

Auch in den Städten bietet sich dank der Frühlingstemperaturen im Winter ein ungewohntes Bild: Wer in der Mittagssonne aufmerksam ist, könnte einige Honigbienen und Schmetterlinge in den Grünanlagen entdecken. „Ein paar Zitronenfalter, Admirale oder Tagpfauenaugen lassen sich vom Duft vergammelter Früchte anziehen“, sagte Insektenexperte Karl-Heinz Jelinek vom Naturschutzbund (Nabu). „Allerdings meist nur kurz. Für mehr ist der Sonnenstand jetzt viel zu niedrig.“

Weniger Zugvögel aus Skandinavien

Zudem sind einige Zugvögel geblieben, die bei kälterem Wetter schon ausgeflogen wären. „Noch sind einige Kraniche hier. Solange die keine kalten Hintern bekommen, fliegen die auch nicht weg“, sagte Heinz Kowalski vom Nabu. „Aber wenn die Teiche zufrieren, bekommen die auch Probleme bei der Nahrungssuche.“

Weil es auch in Skandinavien bisher sehr mild geblieben ist, seien einige nordischen Arten wie Wacholderdrosseln und Bergfinken bisher kaum nach NRW gekommen. „Von denen haben wir in anderen Wintern schon mal mehrere Millionen hier“, so Kowalski.

Milchpreise nicht betroffen - höchstens von der Hitze in Australien

Dass sich die produktiven Kühe auf die Milchpreise auswirken, glaubt Brüggemeier nicht. Dafür müsste es viel länger und weltweit moderate Temperaturen geben. „Wir haben einen globalen Milchmarkt. Auf der Südhalbkugel ist derzeit Sommer. Und wenn die Kühe wegen der aktuellen Hitze in Australien weniger Milch geben, hat das einen größeren Effekt auf die Milchpreise als ein paar milde Dezembertage in Deutschland“, so Brüggemeier.

Knapp eine Woche vor dem Fest gab es in NRW bei mitunter strahlendem Sonnenschein Temperaturen von teils bis zu 17 Grad. Zum Wochenende hin soll es laut Deutschem Wetterdienst (DWD) wieder kälter werden. Am Freitag beginnen die Weihnachtsferien.

dpa