Kuckuck! Ein Bild eines Selmer Ornithologen schmückt bald den Brutvogelatlas

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Der Selmer Ornithologe Uwe Norra hat einen Kuckuck in der Steiermark fotografiert. Dieses Foto wird bald, als Pastellzeichnung, auf einem bekannten Nachschlagewerk zu sehen sein.

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, 10.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Es ist im April dieses Jahres, als der Selmer Ornithologe in einem Wald in der Steiermark spazieren geht. Als er einen Kuckuck hört, kann es sich der 62-Jährige nicht verkneifen: Er macht den Kuckuck-Ruf nach. „Das kann ich ziemlich gut, und der Vogel kam auch sofort angeflogen. Wir haben dann im Duett gerufen“, erinnert sich der 62-Jährige.

Der Kuckuck als Balzrivale

Uwe Norra gelingt es auch, den Vogel zu fotografieren. Das Foto zeigt den selten zu sehenden Vogel mit hängenden Flügeln und gespreizten Schwanzfedern. „Das ist eine Haltung, die pure Balzrivalität ausstrahlt“, erklärt Uwe Norra.

Der Ornithologe scheint zu den Tieren, die er beobachtet, tatsächlich einen besonderen „Draht“ zu haben. „Einmal war ich auf der Kodiak-Insel in Alaska, da habe ich einen Weißkopfseeadler gerufen. Er hat zurückgerufen und kam ganz nah ran“, erinnert sich der Selmer. Auch wenn er weiß, dass man die Tiere eigentlich nicht anlocken darf, kann er sich manchmal ein Pfeifen oder Rufen nicht verkneifen. „Bei einem Sperlingskauz sollte man das allerdings lassen. Die werden so verrückt, dass man die Brille aufbehalten muss“, erzählt er und lacht.

Kuckuck! Ein Bild eines Selmer Ornithologen schmückt bald den Brutvogelatlas

Ein Kuckuck im Geäst. Uwe Norra hat ihn angelockt. © Uwe Norra

Das Foto, das Norra von dem Kuckuck gemacht hat, wird bald auf der Titelseite eines besonderen Nachschlagewerks zu sehen sein: Auf dem European Breeding Bird Atlas, dem Europäischen Brutvogelatlas. „Der Atlas ist ein wichtiges Nachschlagewerk für Ornithologen“, erklärt Uwe Norra stolz. In dem 800 Seiten starken Buch, erklärt er, seien alle 280 Brutvogelarten Deutschlands verzeichnet. Auch für Planungsbehörden, Naturschutzverbände und die Regierung sei dieser Atlas unverzichtbar.

Mehrere Künstler sind mit Zeichnungen beauftragt.

Der Kuckuck wird nicht als Foto, sondern als Pastellzeichnung den Titel des Brutvogelatlas schmücken. Mehrere Künstler sind beauftragt worden, den neuen Europäischen Brutvogelatlas, der im Jahr 2020 erscheinen wird, mit Bildern von Brutvögeln auszustatten. Diana Höhlig gehört dazu. Sie hat den Kuckuck mit Pastellfarben gestaltet. Die 30-Jährige, die in der Schweiz lebt, hat Biologie studiert. „Ich habe schon immer gerne gezeichnet und gemalt“, erzählt sie. Und im Rahmen meiner Studienarbeit war ich auf Helgoland. Da hat man die Natur direkt vor Augen, und dort ist meine Liebe speziell zu den Vögeln entstanden.“

Vor allem die Details sind wichtig.

Höhlig freut sich auf den neuen Atlas, an dem sie mit insgesamt 17 Pastellzeichnungen beteiligt ist. „Das alte Buch ist schon über 30 Jahre alt. Bei meinen Illustrationen muss ich darauf achten, auch die richtigen Details zu zeichnen. Denn die Bilder sollen auch Fachleuten zu Forschungszwecken dienen.“

Kuckuck! Ein Bild eines Selmer Ornithologen schmückt bald den Brutvogelatlas

Die Künstlerin Diana Höhlig (30) lebt in der Schweiz. © Höhlig

Der Kontakt zu Uwe Norra sei, erklärt Diana Höhlig, über Facebook zustande gekommen. „Ich frage ihn immer, wenn ich eine Bestimmungshilfe brauche. Auf ihn ist Super-Verlass“, sagt Diana Höhlig über den Selmer. Die Künstlerin ist von dem Foto, das den Kuckuck zeigt, ganz begeistert. „Diesen Vogel hört man zwar oft, aber man sieht ihn wirklich selten. Und dann noch in dieser Balzpose, das ist schon etwas Besonderes“, erzählt sie.

Diana Höhlig malt und zeichnet nicht nur Vögel, sondern auch Hunde, Katzen, Pferde und andere Tiere. Wer sich für ihre Bilder interessiert, kann auf ihrer Homepage nachsehen unter www.wild-glance.com.

Zeichnung dauert mehrere Tage

Für ihre Arbeiten benutzt Diana Höhlig Kreiden und Stifte, und sie zeichnet auf speziellem Pastellpapier. „Darauf haftet die Kreide besonders gut.“ Für ein solches Pastellbild bracht Diana Höhlig zwischen drei und vier Tage. „Andere Techniken wie Acrylbilder und größere Formate können jedoch mehr Zeit in Anspruch nehmen“, erklärt sie.

Kuckuck! Ein Bild eines Selmer Ornithologen schmückt bald den Brutvogelatlas

Diana Höhlig hat einen Kuckuck nach einer Fotovorlage von Uwe Norra gemalt. © Diana Höhlig

Uwe Norra freut sich sehr, dass „sein“ Kuckuck bald berühmt wird. Dann wird er sich auch ein aktuelles Atlas-Exemplar zulegen. Und im Frühling wird er dem scheuen Vogel bestimmt auch wieder im Wald begegnen. „Es gibt niemanden, der mit seinem Rufen den Kuckuck so verrückt machen kann wie ich“, sagt er und lacht.

Hinweis: In einer ersten Version ist fälschlicherweise der Deutsche Brutvogelatlas genannt worden. Es handelt sich aber um den Europäischen Brutvogelatlas. Wir haben diesen Fehler korrigiert.

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