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„Kroos-Tor wirkt wie ein Urknall“

Fußball

Ralf Mäkler, der Sportliche Leiter des SSV Mühlhausen berichtet in seinem WM-Tagebuch aus Russland. Das Tor von Toni Kross wirkte dabei wie ein Urknall - vor allem für das Wetter.

Unna

, 25.06.2018
„Kroos-Tor wirkt wie ein Urknall“

Freundschaftliche Begegnung vor dem Anpfiff: Ralf Mäkler in Sotschi mit zwei schwedischen Fans.Privat

„Toni Kroos sei Dank – war das ein Herzschlagfinale am Samstag, mir scheint Team Deutschland und die ganze Nation ist nun auch endlich im WM-Turnier angekommen. Im Stadion und sicherlich auch an allen Bildschirmen in Deutschland hatte man sich quasi schon mit dem historischen Turnier-Aus der deutschen Mannschaft befasst, doch wieder einmal gilt Gary Linekers berühmtes Zitat, dass am Ende doch die Deutschen gewinnen. Natürlich kann dies ein gewaltiger Schritt in eine doch erfolgreiche WM werden, allerdings steht die Bestätigung gegen Südkorea am Mittwoch noch aus. Alles scheint möglich, von Platz 1 in der Gruppe bis hin zum Ausscheiden. Jedenfalls schwankte die Stimmung am Samstag nach dem Spiel von Erleichterung über unendliche Freude bis hin zur Euphorie – das konnte man gut an den Reaktionen und an den Gesichtern der deutschen Fans erkennen.

Die schwedischen Fans, die ebenfalls für mächtig Stimmung während des Spiels sorgten und sich sogar zum Ende der ersten Halbzeit auch zu „Auf Wiedersehen Deutschland“-Rufen haben hinreißen lassen, waren sichtlich geknickt nach dem Abpfiff, haben ihren Kummer jedoch in ihrer typischen Art mit dem ein oder anderen Bier heruntergeschluckt. Für mich persönlich war der finale Schuss von Toni Kroos vergleichbar mit einem Urknall – passend dazu gab es direkt nach Spielende ein Gewitter. Es blitzte, krachte und donnerte fast die ganze Nacht und binnen Minuten standen alle Fans knöcheltief im Wasser, tja, die Kanalisationen hier sind auch alles andere als optimal.

Ein Wort zu Sotschi: Irgendwie erinnert mich die Region an die französische Mittelmeerküste, man könnte auch meinen man befindet sich mitten in Nizza. Ein tolles, subtropisches Klima, viele Palmen und endlose Strandpromenaden. Speziell sind die Restaurants, in dem man tatsächlich neben guten Speisen auch tanzen kann. Kein Scherz, die Russen sind ein tanzwütiges Volk, man glaubt es kaum, aber in 90% der Lokale läuft Tanzmusik während des Essens, entweder durch einen DJ oder gar durch Livemusik. Und je später der Abend, desto lauter die Musik, spätestens vor dem Dessert ist die Tanzfläche dann voll und es plärren die russischen Helene Fischers, Wolfgang Petrys oder Roland Kaisers aus den Boxen. Irgendwie komisch aber man wird definitiv mitgezogen sodass die kulinarischen Abende neben den Live-Übertragungen der WM auch zu tänzerischen Aktivitäten ermuntern.

Des Weiteren scheint Sotschi der zentrale Punkt der sportliche Aktivitäten Russlands zu sein, denn neben dem Super-Stadion, der Fischt-Arena, befindet sich hier das olympische Gelände von 2014 mit allen Einrichtungen sowie die Formel 1- Rennstrecke, auf der am 30. September der große Preis von Russland ausgetragen wird. Genosse Putin hat hier mächtig investiert. Die Eingangssituationen an den Stadien sind toll gelöst mit zahlreichen Eingängen und Kontrollen – binnen 10 bis 15 Minuten ist man an seinem Platz. Interessant dabei ist, dass im Stadionbereich eine mächtige amerikanische Brauerei das Sagen hat, es gibt also im russischen Sektor US-Bier und Cola – irgendwie skurril.

Zum Abschluss noch eine kleine WM-Anekdote, die mir kürzlich auffiel und die ich recht amüsant fand: Im Jahre 1930 fand ja die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Uruguay statt, an der nahmen mit Rumänien, Frankreich, Belgien und Jugoslawien allerdings nur vier europäische Mannschaften teil, da es damals noch keine Linienflüge über den Atlantik gab und man somit eine 20-tägige Schiffsreise auf sich nehmen musste. Tatsächlich hat es der rumänische Torhüter geschafft, während der Schiffsreise sage und schreibe 16 Kilogramm zuzunehmen – das ist sicher auch eine Leistung. Über die Rückfahrt und den Gewichtszustand des Torwarts gibt es leider keine übermittelten Daten. Daher also „Doswidanja“

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