Kommt sie oder kommt sie nicht, die Rückkehr der Wehrpflicht? Der Werner Parteinachwuchs ist gespaltener Meinung – und auch Krankenhäuser und Seniorenheime sind kritisch.

Werne

, 21.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Wehrpflicht ist in Deutschland seit sieben Jahren passé – genau wie der Zivildienst. Während viele Jugendliche erleichtert sind, klagen Bundeswehr und soziale Einrichtungen über fehlendes Personal. Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat deshalb jüngst eine Wiedereinführung ins Gespräch gebracht, doch für Begeisterungssprünge hat der Vorschlag in Werne nicht ausschließlich gesorgt.

„Ich habe da gemischte Gefühle“, sagt Walter Daldrup, Pflegedienstleiter im Altenheim St. Katharina. Er sieht Probleme, weil die Jugendlichen dazu gedrängt würden, ihren Dienst zu verrichten. „Es passt nicht jeder in die Altenpflege“, so Daldrup, der selbst erst durch den Zivildienst den sozialen Bereich entdeckt hat. Trotzdem: „Die Entscheidung für die Arbeit in solch einer Einrichtung muss ganz bewusst kommen.“

Etwa jeder zweite Jugendliche „schlägt ein“

Aus der Erfahrungen mit ehemaligen Zivildienstleistenden schätze er, dass etwa jeder zweite „gut eingeschlagen“ sei. Der Aufwand mit der anderen Hälfte sei hingegen groß durch das Anleiten, Erklären und im schlimmsten Fall Unzufriedenheit bei Pflegern und Jugendlichen.

Ganz anders sieht das Anke Adebahr, Einrichtungsleiterin im Seniorenzentrum Antonius: „Jede helfende Hand können wir sehr gut gebrauchen.“ Die mögliche negative Seite der Medaille könne sie nicht erkennen. Anders als im Altenheim St. Katharina hätten die Jugendlichen hier aber auch nicht direkt in der Pflege zu tun, sondern eher im hauswirtschaftlichen Bereich oder als Zuhörer für Bewohner.

Junge Union: Der Gesellschaft etwas zurückgeben

„Die Frauenquote liegt bei uns übertrieben gesagt bei 99 Prozent“, so Adebahr. Gerade über männliche Mitarbeiter würden sich Bewohner deshalb besonders freuen. Denn: Die Männerquote unter den Bewohnern steigt. Im besten Fall würden die Jugendlichen anschließend sogar eine Ausbildung in der Pflege beginnen. Aus Adebahrs Sicht ist eine Verweigerung des Wehrdienstes gleichbedeutend mit der Entscheidung für die Pflege.

Ähnlich sieht es auch die Junge Union in Werne. Hier stände man bis auf wenige Ausnahmen hinter dem Vorschlag von Kramp-Karrenbauer, auch wenn noch gar nicht klar ist, wie dieser genau umgesetzt wird. „Der Gesellschaft etwas zurückzugeben, ist sehr positiv“, sagt Christian Lang, Vorsitzender der Jungen Union.

Schneller Erfolg oder den Staat unterstützen?

Es gehe darum, die eigene Komfort-Zone zu verlassen. „Man muss unterscheiden, ob man möglichst schnell zum Erfolg kommen möchte oder dem Staat etwas zurückgibt. Man hat ja auch Pflichten“, so Lang.

Doch mit dieser Meinung steht die Junge Union allein auf weiter Flur. „Wir jungen Leute können schon ganz gut selbst entscheiden, was wir wollen“, sagt Jonathan Dammermann (19), Geschäftsführer der Jungen Liberalen. Findet auch Jan Oestermann, Vorsitzender der Jusos Werne, und zweifelt zudem die Sinnhaftigkeit der Dienstpflicht an.

„In unseren Altenheimen, Krankenhäusern und Pflegediensten fehlt medizinisches Fachpersonal. Den jungen Dienstpflichtigen fehlt jedoch schlicht die Ausbildung und das Fachwissen um effektiv einen Pflegenotstand zu bekämpfen“, so Oestermann. „Außerdem müssen andere Berufsfelder auch selbstständig um Auszubildende werben“, so Dammermann.

Hohe Männerquote im St.-Christophorus-Krankenhaus

Dass das auch ohne eine Dienstpflicht funktionieren kann, zeigt das Werner St.-Christophorus-Krankenhaus. 15 Jahrespraktikanten gibt es dort pro Jahr. Die Zahl der männlichen Freiwilligen ist dabei auch nach Abschaffung des Zivildienstes stabil geblieben. „Vielleicht ist sie sogar leicht gestiegen“, sagt Pflegedienstleitung Melanie Schneider.

„Man kann sich nicht denken: Halleluja, die Wehrpflicht kommt zurück und vielleicht hat sogar noch jemand Lust, weiterzumachen“, so Schneider. Doch letztlich könne der Dienst im Sozialen Bereich den Jugendlichen viel mit auf den Weg geben, um sich selbst weiterzuentwickeln. „Schaden kann das definitiv nicht.“

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