Korn hat mit seinem schlechten Ruf zu kämpfen: Er schmeckt nicht, ist billig hergestellt und nicht angesehen. Diesen Ruf soll er jetzt hinter sich lassen - und Gin als Trendgetränk ablösen.

Werne

, 15.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Korn? Das hat doch mein Opa früher immer getrunken. Das ist doch nichts für mich. Diese und ähnliche Sätze hören die Geschwister Theres und Georg Glitz-Ehringhausen in ihrer Werner Brennerei immer wieder. Dem Korn haften seit Jahrzehnten hartnäckige Vorbehalte an. Ein echtes Trendgetränk war er nie. Doch die Geschwister wollen Korn aus der Schmuddel-Ecke holen und sind überzeugt, dass die Spirituose - zumindest in Deutschland - die Rolle des hippen Getränks Gin einnehmen kann.

„Wir wollen ganz bewusst mit dem Image des Korns aufräumen, aber dafür braucht es Qualität, Zeit und Aufklärungsarbeit“, sagt Theres Glitz-Ehringhausen. Wie das gehen soll? Das Rezept klingt ganz einfach: mit ausgewählten Zutaten aus ökologischem Anbau und einem hochwertigen Brennverfahren. Ausgefallene Sorten wie Kornbrand, Dinkelkorn und Dinkelkorn, der drei Jahre lang im Holzfass lagert - wie man es sonst eher vom Whisky gewohnt ist - sollen bei Kunden das Interesse wecken.

Korn-Brennereien wollen aus der verachteten Spirituose ein Trendgetränk machen

Die Maschinen zum Brennen von Korn werden immer moderner. © Brennerei Ehringhausen

Seit etwa vier Jahren steige die Nachfrage nach Korn in der Brennerei stetig. Besonders die jüngeren Kunden, ab etwa 20 Jahren, zeigen sich offen. „Viele Kunden probieren sie erst einmal und wundern sich, dass es nicht so schmeckt, wie sie es sich vorstellen“, sagt Glitz-Ehringhausen.

Dass das Interesse an Korn steigt, merkt auch Andreas Nozar von der Bar Stilvoll im Rathaus. Er biete seinen Kunden seit Jahren aktiv Korn an. „Als Bar ist man darum bemüht, seinen Kunden neue Spirituosen zu zeigen“, so Nozar. Bei den Kunden kommt das gut an. Deshalb kann sich Nozar vorstellen, dass sich Korn als gute Alternative zu Grappa etablieren kann.

Großhersteller konzentrieren sich auf die Billigschiene

Dabei passt das gar nicht zum angestaubten Image der Spirituose. Peter Pilz vom Verband Deutscher Kornbrenner macht dafür vor allem die Großhersteller verantwortlich: „Die fahren eine andere Philosophie und haben bislang im Wesentlichen auf Masse geachtet und Korn auf der Billigschiene vermarktet.“

Dem stünden die kleinen, regionalen Brennereien gegenüber. „Vom Volumen her machen die aber vielleicht drei bis fünf Prozent des Marktes aus. Sie bemühen sich, für ihren Mehraufwand brauchen sie aber auch einen entsprechenden Preis.“

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Um Kunden das Handwerk und die Geschichte des Korns näher zu bringen, bieten viele kleine Brennereien Führungen an. Dahinter steckt eine Strategie: „Leute, die sehen, wie Korn gemacht wird und wie viel Aufwand das ist, sind danach begeistert und meist auch gerne bereit, etwas mehr zu bezahlen“, sagt Peter Pilz.

Korn-Brennereien wollen aus der verachteten Spirituose ein Trendgetränk machen

Das Auge spielt mit: Um Korn salonfähig zu machen, achten Hersteller auch auf die Verpackung. Hier zum Beispiel in Apothekerflaschen. © Brennerei Ehringhausen

So macht es auch die Werner Brennerei Ehringhausen. Bei Führungen können Interessenten hinter die Kulissen schauen und ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Arbeit hinter dem Endprodukt steckt. Damit der Korn danach aber auch gekauft wird, soll nicht nur das Getränk stimmen, sondern auch die Verpackung. „Das Marketing von Brennereien hat sich stark verändert“, sagt Nozar. Übliche Glasflaschen haben ausgedient, denn die Qualität soll schon von Außen sichtbar sein, etwa mit Apothekerflaschen.

Eindruck macht das sogar bei Besuchern von Nah und Fern, die gerne zum Korn als Mitbringsel zugreifen, bestätigt Andrea Nienhaus von der Touristeninformation Werne. Statt in der Schmuddel-Ecke steht Korn also heutzutage zum Vorzeigen in der heimischen Vitrine.

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