Konietzkas eigentlicher Vorname und Granitzas US-Karriere

dzBuch über Kicker

Fußball und Bergbau - irgendwie gehört das zusammen. Autor Friedhelm Wessel hat über die Kicker über der Kohle ein Buch geschrieben. Auch zwei bekannte Lüner Fußballer kommen darin vor.

Lünen

, 22.12.2018, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Idee, ein Buch über „Kicker über der Kohle“ zu schreiben, kam Friedhelm Wessel, als er sein umfangreiches Archiv von Fußballfotos durchsah. „Plötzlich stieß ich auf ein Foto, das zwei ehemalige Bergleute zeigte, die sich auf dem Fußballplatz gegenüberstehen: Willi Koslowski aus Schalke und Friedhelm Jesse aus Herne“, erzählt der frühere Ruhr Nachrichten-Redakteur.

Dieses Foto mit den beiden echten Kickern über der Kohle, sollte der Grundstock für ein äußerst interessantes Buch werden.

Konietzkas eigentlicher Vorname und Granitzas US-Karriere

Das Buch "Weißt du noch?" von Friedhelm Wessel widmet sich den "Kickern über der Kohle". Auch Geschichten über zwei Lüner Fußballer sind darin zu finden. © Beate Rottgardt

Jetzt ist das Buch erschienen. Auch zwei bekannten Lüner Fußballern hat Wessel je ein Kapitel in seinem Buch gewidmet: Karlheinz Granitza und natürlich Timo Konietzka. Granitza nannte man zu seinen aktiven Zeiten „Ellis“ in Anlehnung an seinen Verein, den Lüner SV. Nur zwischenzeitlich, als Granitza mal für einige Jahre in den USA auf Torejagd ging, riefen ihn die soccerbegeisterten Amerikaner „King Bomber Karl“, erfährt man in Wessels Buch.

Konietzkas eigentlicher Vorname und Granitzas US-Karriere

Friedhelm Wessel schrieb nach „Gerettet“ jetzt das nächste Buch übers Revier, diesmal über die Kicker über der Kohle. © Beate Rottgardt

1951 wurde Granitza geboren - hinein in eine fußballverrückte Bergarbeiterfamilie. Seine männlichen Verwandten arbeiteten auf der Zeche „Minister Stein“. Zunächst kickte Granitza beim VfB Lünen und bei Eintracht Dortmund. Mit 21 Jahren kam er zum Lüner SV. Nach 23 Spielen und vier Toren in der Regionalliga wechselte er zum Regionalligisten DJK Gütersloh, bei dem er 50 mal spielte und in zwei Jahren 16 Tore schoss.

Hertha BSC statt Bayern München

Nach weiteren Stationen warben fünf Bundesligisten um den Lüner. „Auch die Bayern wollten mich verpflichten, weil ihr etatmäßiger Stürmer, Bomber Gerd Müller, damals an den Folgen einer Bandscheibenoperation laborierte. Doch ich sagte auf Rat meines damaligen Trainers ab und wurde ein Berliner“, so der Bergmannssohn. Als Kicker der großen alten Dame Hertha BSC schoss er in 73 Spielen 34 Tore. Mit Erich Beer und Norbert Nigbur kickte er in Berlin.

Weil es dem Verein finanziell nicht gut ging, kam ein Angebot aus den USA der Hertha-Führung gerade recht. Man wollte den damals 28-jährigen Granitza ausleihen.

Neue Herausforderung in Chicago

Mit seiner Frau Roswitha ging es über den großen Teich und ab 1979 spielte er fünf Jahre lang für Chicago in der amerikanischen Soccer-Liga. Mit seinen 141 Toren liegt er noch immer auf dem dritten Platz der ewigen Torschützenliste der amerikanischen Liga. 1982 wurde er sogar in Chicago „Sportler des Jahres“ - vor Michael „Air“ Jordan und Muhammad Ali. Denn Granitza engagierte sich auch stark sozial. Im Kampf gegen Aids, für ein Haus der Blinden und die Stiftung zugunsten herzkranker Menschen.

Nach seiner Fußballerkarriere blieb Granitza einige Jahre in Chicago und betrieb ein Restaurant. Doch das Heimweh war stärker. 1991 zogen die Granitzas zurück ins Ruhrgebiet und nach einem Jahr nach Berlin. Heute lebt Granitza in Potsdam, vor den Toren Berlins. Aber manchmal kommt er ins Ruhrgebiet zurück, denn hier lebt noch ein Teil seiner Familie.

Konietzkas eigentlicher Vorname und Granitzas US-Karriere

Timo Konietzka ist auch ein Kapitel im Buch "Weißt du noch? gewidmet. © Friedhelm Wessel

Eigentlich ist Timo Konietzka auf den Namen Friedhelm getauft worden. Doch später bat er seine Mutter energisch, ihn nicht mehr so zu nennen, sonst käme er nicht mehr zu Besuch. Den neuen Vornamen bekam er dank seines Mannschaftskollegen Helmut „Jockel“ Bracht. Der meinte mit Blick auf die neue Frisur des 1938 in Lünen geborenen Konietzka „du siehst ja aus wie der Marshall Timoschuk“, Der begnadete Fußballer hatte 1952 eine Ausbildung zum Bergmann auf der Zeche Victoria in Lünen begonnen und ließ später sogar offiziell seinen Vornamen in „Timo“ umändern.

Das erste Tor der Fußball-Bundesliga

Für Borussia Dortmund spielte Konietzka bis 1965 163 mal und schoss 123 Tore. Mit den Schwarzgelben wurde er Deutscher Meister und Pokalsieger. Unsterblich wird Konietzka am 24. August 1963, als er im Spiel gegen Werder Bremen das erste Tor der neuen deutschen Fußball-Bundesliga erzielte. Und das bereits 35 Sekunden nach Anpfiff.

Zwei Jahre später dann noch ein besonderes Tor für den gebürtigen Lüner: Nach seinem Wechsel zu den Löwen, also 1860 München, erzielte Konietzka im Spiel gegen die Münchner Bayern erneut das erste Saisontor. Zwei Jahre blieb er an der Isar. Von 1962 bis 1965 war der Bergmann neun Mal im deutschen Nationaltrikot im Einsatz und schoss dabei drei Tore.

Wechsel in die Schweiz

Angebote aus Mailand und Madrid schlug er aus, stattdessen entschied er sich mit 29 Jahren für einen Wechsel in die Schweiz. Als Spieler und Trainer war er auch bei den Eidgenossen erfolgreich. Bis 1991, als er sich - nun Schweizer Staatsbürger - aus dem aktiven Fußball zurückzog. 2012 setzte er seinem Leben mit Hilfe einer Schweizer Sterbehilfe-Organisation ein Ende, nachdem bei ihm ein unheilbares Krebsleiden diagnostiziert wurde.

Friedhelm Wessel: Weißt Du noch? Kicker über der Kohle, 90 S., Herkules-Verlag, 11,90 Euro, ISBN 978-3-945608-28-9
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