Kolpingsaal wurde zum Schauort für Hamlet im Hühnerstall

Theater in Werne

Von Bauern mit Staublunge, Flüchtlingen als Schützenkönige und FDP-Chef Lindner als Model: Die Bullemänner begeistern mit ihrem Programm „Schmacht“ im ausverkauften Kolpingsaal.

Werne

, 07.12.2018, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kolpingsaal wurde zum Schauort für Hamlet im Hühnerstall

Knochentrocken ist der Humor der Bullemänner, der bei den Wernern gut ankam. © Elvira Meisel-Kemper

„Schmacht“ heißt das aktuelle Programm, mit dem die „Bullemänner“ ihre Fans in den ausverkauften Kolpingsaal in Werne lockten und vollkommen begeisterten.

„Das ist keine Kochshow“, witzelte Heinz Weißenberg am Anfang in seiner unvergleichlichen knochentrockenen grinsenden Art, unterstützt von Augustin Upmann und „Tastenfachkraft“ Svetlana Svoroba.

Als „Nebenerwerbslandwirt aus dem westfälischen Suchtrup“ stöhnte Upmann besonders über den trockenen Sommer. Die Kühe hätten nur Milchpulver gegeben und die Bauern hätten eine Staublunge bekommen. „Im Osten war der Sommer viel schlimmer. Braune Wiesen in Chemnitz fallen nicht weiter auf“, so Weißenberg. Die Modelkarriere von FDP-Chef Lindner sei Schuld am Scheitern der Jamaika-Koalition, während die AfD in den vergangenen zwölf Monaten in alle Landesparlamente eingestiegen sei. Ungewohnt und ausgedehnt war dieser politische Einstieg in das Programm für die Bullemänner.

Beinahe blasphemisch

Beinahe blasphemisch gingen sie mit der Aufforderung von Söder um, überall in Bayern Kreuze aufzuhängen. „Wen nagelt ihr in Werne an die Wand?“, fragten sie von der Bühne. Weißenberg schwenkte dafür sein einziges „Kreuz“, das eigentlich ein Topfuntersetzer war.

Auch sonst hatten sie sich über die Aversionen der Werner gegenüber den Stockumern schlaugemacht und torpedierten den Kauf bei Amazon mit dem Hinweis auf die Leerstände in Werne. „Ihr Werner, ihr müsst was tun. Nicht in die Sole legen und zu gepökelten Schinken werden“, gab Upmann die Steilvorlage für eine erneute Lachwelle vor.

Umstellung für alle

Auch in Werne gebe es Flüchtlinge, landeten sie bei ihrem Lieblingsthema. „Das ist für Werne eine Umstellung“, so Weißenberg. „Für einen Syrer ist Werne eine Umstellung“, konterte Upmann. Als „ihr Suchtrup“ den ersten Bus voller Flüchtlinge erwartete, karikierten sie Gegner und Befürworter der Aufnahme von Flüchtlingen auf herrlich-witzige Weise.

Allerdings hatten sie auch Sketche aus früheren Programmen integriert. Weißenberg als „Unterbrandmeister Heini Stertkötter“ mixte die Rezitation aus Shakespeares Hamlet mit Löschaktionen im Hühnerstall. Upmann begeisterte als „Panhas“, der alles könne. Weißenberg hatte ebenfalls die Lacher auf seiner Seite als dickbäuchiger Ruhrpott-Campingplatzbesitzer „Kal Faktor“ im Trainingsanzug, der die einquartierten Flüchtlinge in Bezug auf Mülltrennung zur Räson rief. „Im Aussortieren waren die Deutschen schon immer gut“, schob er doppeldeutig und gezielt hinterher. Als dann auch noch ein ehemaliger „Peschmerga-Kämpfer“ aus Syrien Schützenkönig in Suchtrup wurde, hielten sich die Besucher noch mehr die Bäuche vor Lachen. „Bleib sitzen, wenn du ein Westfale bist“, durfte da als Klassiker-Hit der Bullemänner in der Zugabe nicht fehlen.

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