König versagt als Führungsfigur

dzKommentar der Redaktion

Sexismus fängt nicht erst bei unsittlichen Berührungen an. Sexismus ist auch, wenn der Respekt für einen anderen Menschen nicht nach seinem Tun bemessen wird, sondern von seinem Geschlecht abhängt.

Unna

, 29.10.2018, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viel Sexismus im Führungsstil von Volker König vorhanden ist, mögen die Mitglieder der SPD-Fraktion nach Königs Auseinandersetzungen mit Bärbel Risadelli, Margarethe Strathoff, Gudrun Friese-Kracht und nun eben auch Ingrid Kroll selbst bewerten.

Man muss allerdings gar nicht erst die „#metoo“-Keule schwingen, um seine Eignung als Führungskraft der Sozialdemokratie infrage zustellen. Er liefert genügend andere Fehlleistungen.

Erkennbar gelingt es ihm nicht, die Fraktion zu einen. Dass eine Bärbel Risadelli zwar als SPD-Mitglied, aber nicht als SPD-Fraktionsmitglied im Stadtrat sitzt, mag noch ein Sonderfall sein, der nach dem langen Rechtsstreit mit der früheren Büroleiterin erklärbar ist. Aber wenn gleich mehrere Ratsfrauen kaum noch zu den Fraktionssitzungen kommen und eine sogar gegen ihre Genossen stimmt, dann hat König eben ein Führungsproblem.

Sein oftmals beklagter Kommunikationsstil dürfte daran Anteil haben. Ungeachtet des Tonfalls gilt: Krisengespräche führt man nicht auf dem Flur und im Beisein der Masse. Dass König auf eine E-Mail von Kroll lieber die Schaltfläche „Weiterleiten“ anklickt als „Antworten“, offenbart Schwäche und Kurzsichtigkeit: Statt selbst das klärende Gespräch mit Kroll zu suchen, setzt er sich dem Verdacht aus, die Lösung des Konfliktes anderen zu übertragen. Dass ein persönliches Schreiben dann immer weitere Kreise zieht, dürfte eigentlich nicht überraschen.

Wenn etwas dran ist an der Art, wie König seine Kritik an Kroll verkleidet, ist der Mann aber auch schon aus inhaltlichen Gründen untragbar. Einer Ratsfrau vorzuhalten, dass sie „nur aus dem Einzelhandel“ stammt, geht gar nicht für einen Sozialdemokraten. Schließlich war die SPD einmal eine Arbeiter- und keine Professorenpartei. Ob der frühere Polizist König auch einem männlichen Fraktionsmitglied vorhalten würde, „nur Bergmann“ oder „nur Gewerkschaftssekretär“ zu sein zu sein, bleibt denen überlassen, die ihn nun erst für etwaigen Sexismus rügen wollen. Schlimm genug ist schon, dass die SPD-Fraktion unter Königs Führung immer wieder den Eindruck erweckt, außer sich selbst keine anderen Probleme zu haben. Vielleicht trägt König nicht einmal die alleinige Schuld daran. Aber er trägt die Verantwortung dafür.