Köln unter Gisdol ratlos: „Muss sich ändern“

Der 1. FC Union baut seine imposante Heimserie aus und zerstört die nächste Hoffnung beim 1. FC Köln auf die Wende unter Markus Gisdol. Im ungleichen Aufsteigerduell wird ein Stürmer zum gefeierten Helden für die Berliner. Für Köln wird die Situation immer prekärer.

08.12.2019, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Fans des 1. FC Köln verabschiedeten ihr Team und Trainer Markus Gisdol nach der nächsten großen Enttäuschung mit wüsten Pfiffen und feierten lieber ihr altes Idol Lukas Podolski. Durch die verdiente 0:2 (0:1)-Niederlage im ungleichen Aufsteiger-Duell bei der Heim-Macht 1. FC Union Berlin verspielten die Rheinländer erneut die Chance auf eine Wende kläglich. „Wir machen die Tore nicht und kriegen sie zu leicht. Das muss sich ändern, und zwar schnellstmöglich“, sagte Sportchef Horst Heldt ratlos.

Mit der sechsten Kölner Niederlage in den vergangenen sieben Pflichtspielen muss sich die neue Führung beim FC auf eine ungemütliche Vorweihnachtszeit einstellen. Dass die Fans ihrem Team während der unterirdischen zweiten Halbzeit am Sonntag phasenweise den Rücken zudrehten und die Unterstützung einstellten, konnte auch Heldt nachvollziehen: „Das ist absolut verständlich.“ Die Sehnsucht der eigenen Anhänger nach einer Rückkehr von Podolski wollte Gisdol nicht bewerten: „Zu aktuellen Personalplanungen gebe ich keine Kommentare ab.“

Die Union-Profis hüpften hingegen zu der Melodie von Jingle Bells vor ihren Fans auf und ab und feierten eine Adventsparty. Dank Doppelpacker Sebastian Andersson bauten die Köpenicker ihre imposante Heimserie aus. „Ich bin sehr glücklich, es war ein großer Sieg für uns“, sagte der Schwede, der seine Saisontore sieben und acht (33./50. Minute) erzielte.

Für Union war es der vierte Heimsieg ohne Gegentor nacheinander. Dies schafften in der Bundesliga-Historie zufolge zuvor als Aufsteiger nur der TSV 1860 München (1979/80) und der Karlsruher SC (1975/76). Der Vorsprung von Union im gesicherten Tabellen-Mittelfeld auf Mit-Aufsteiger Köln beträgt nun bereits elf Punkte.

„Das ist phänomenal, dass die Jungs heute wieder in Führung gehen und das 1:0 halten“, sagte Unions Geschäftsführer Oliver Ruhnert im TV-Sender Sky. „Wir genießen das heute“, meinte Ruhnert und lobte den Matchwinner. „Sebastian belohnt sich einfach - toll!“

Die Kölner wollten nur noch weg. „Ich habe das Aufbäumen vermisst von meiner Mannschaft“, konstatierte Gisdol und sieht Union als Vorbild für den kommenden Abstiegskampf. „Da können wir uns eine Scheibe abschneiden, das ist ein Beispiel für unsere Mannschaft. In totaler Konsequenz Fußball zu spielen und nicht schön.“

Die Rheinländer zogen sich mit einer umformierten Abwehrreihe von Beginn an weit zurück, überließen Union die Initiative. Das Team von Trainer Urs Fischer tat sich aber mit den größeren Spielanteilen im Vergleich zu den bisherigen Heimsiegen gegen offensivere Kontrahenten wie Borussia Dortmund und Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach schwer.

Da zudem bei den Gästen in der ersten halben Stunde nur rund zwei Drittel aller Pässe beim Mitspieler ankamen, entwickelte sich zunächst eine Partie auf niedrigem Niveau mit wenigen Chancen. Nach einer stabilen Anfangsphase offenbarte die FC-Verteidigung wie schon im vorigen Auswärtsauftritt bei RB Leipzig (1:4) abenteuerliche Aussetzer.

Bei einer Ecke von Union-Kapitän Christopher Trimmel entledigte sich Andersson Verfolger Simon Terodde und erzielte aus fünf Metern per Kopf seinen vierten Treffer in den vergangenen vier Ligaspielen. Nach der Pause legte der Schwede den Ball zunächst vorbei an FC-Keeper Timo Horn und ließ dann Sobiech ins Leere rutschen. Den Schuss konnte Sebastiaan Bornauw der Torlinientechnologie zufolge erst Zentimeter hinter der Linie klären. Die sechste Führung dieser Saison verwertete Union zum sechsten Sieg - Köln konnte keine Akzente mehr setzen. Stürmer Simon Terodde appellierte an seine Mitstreiter: „Wir haben jetzt noch drei Spiele vor der Winterpause - da geht's nicht mehr um Personalien, da müssen wir punkten!“

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