„Wir schließen Ende 2019.“ Diese Ankündigung von Stefan Suer hatte im Mai Selm erschüttert. Denn das Gasthaus Suer ist die letzte verbliebene Kneipe der Altstadt. Plötzlich gibt es Hoffnung.

Selm

, 13.11.2019, 21:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das war ein Schock, nicht nur für die Stammgäste: Suer schließt. Das gemütliche Gasthaus an der Ludgeristraße in der Selmer Altstadt ist der letzte gastronomische Treffpunkt für Vereine, Cliquen und andere größere Gesellschaften. Damit sollte Ende 2019 Schluss sein: eine Entscheidung, an der Mary und Stefan Suer nicht rütteln wollen. Doch seit Kurzem brodelt die Gerüchteküche.

Mit dem Gastronomiebetrieb neben der Friedenskirche gehe doch es weiter, ist zu hören. Ein Nachfolger sei gefunden, der Biertheke und Restaurantbetrieb anbieten werde, raunt es. Manche reden schon von spanischen Spezialitäten. Alles nur Wunschdenken?

Kneipensterben in Selm: Gibt es doch noch eine Zukunft für das Gasthaus Suer?

Wie wahrscheinlich ist es, dass es im Gasthaus Suer doch gastronomisch weitergeht? Das hier ist eine Mutmaßung. Noch ist nichts offiziell. © Lensing Media

Die Teilnehmer des jährlich stattfindenden Gesprächs über die Vorbereitungen für den Selmer Glitzerwald gingen am Mittwoch zumindest optimistisch auseinander. Die Chancen, sich auch im November 2020 beim nächsten Glitzerwald-Gespräch wieder in den Räumen des Gasthauses Suer treffen zu können, seien gar nicht schlecht, meinten sie.

Ehepaar Suer möchte sich noch nicht öffentlich äußern

Mary Suer möchte sich am Mittwoch an den Spekulationen über die Zukunft ihres Traditionsgasthauses nicht beteiligen. Noch nicht. „In zwei, drei Wochen können wir mehr sagen“, sagt sie. Und noch etwas: Dass es in den zurückliegenden Monaten bewegend war, zu erfahren, wie sehr den Selmerinnen und Selmern das Gasthaus am Herzen liege: als zweites Wohnzimmer und wichtiger Versammlungsort für die schönen Anlässe des Lebens, aber auch für Trauergesellschaften.

Kneipensterben in Selm: Gibt es doch noch eine Zukunft für das Gasthaus Suer?

Mary und Stefan Suer führen bis Ende 2019 das Gasthaus in der Selmer Altstadt. © Marie Rademacher

Damit da keine falschen Vermutungen entstünden: Sie und und ihr Mann Stefan machten auf keinen Fall weiter, betont die Wirtin. Die beiden End-Fünfziger wollen sich aus dem Beruf der Wirtsleute zurückziehen, den sie bislang mit Leidenschaft ausübten.

Eine Entscheidung, die den Eheleuten nicht leicht gefallen ist. Der Abschied von einem Berufsleben für die Gäste bedeutet, einen Strich unter 350 Jahre Gastronomie-Tradition der Familie Suer zu ziehen. Doch es gibt gute Gründe dafür.

Mehrere Gründe nennen Suers für ihre Entscheidung

Stefan Suer hatte sie im Mai aufgezählt: Personalmangel, verändertes Freizeitverhalten, Gesundheit. „Meine Frau und ich möchten auch noch etwas voneinander haben“, sagte er. Das sei kaum möglich, wenn man ohne Entlastung jeden Tag bis in die Nacht hinter dem Tresen und in der Küche stehe: „Ein Knochenjob.“

Das Paar war lange auf der Suche nach einem Nachfolger - ohne Erfolg. Niemand wollte die Gaststätte im Herzen der Altstadt übernehmen. Das könnte sich jetzt geändert haben. Allein dieses von den Suers öffentlich weder bestätigte noch entkräftete Gerücht löst schon Freude aus.

„Wenn es mit dem Gasthaus Suer unter neuer Leitung weitergeht, ist das für Selm eine sehr gute Nachricht“, sagte Bürgermeister Mario Löhr am Mittwoch nach dem Glitzerwald-Gespräch im Saal des Gasthauses - undsah dabei zuversichtlich aus.

Zwei Termine für den Karneval

Wie genau er die Räume im Erdgeschoss mit Schankstube und Saal nutzen wolle, hatte Stefan Suer im Mai noch nicht gesagt. Fest stand damals aber: nicht mehr als Wirtschaft. Im Januar 2020, sagte der Wirt, würden Umbauarbeiten beginnen. Ob für Wohnungen oder eventuell für Geschäftsräume, blieb Spekulation.

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Am 29. Dezember sollte laut Suer Schluss sein mit dem täglichen Gastro-Betrieb. Ende September machte er während des Altstadtfests noch ein Zugeständnis: Für Weiberfastnacht und Karnevalssamstag, also am 20. und 22. Februar, werde doch noch einmal geöffnet. Jetzt scheint eine dauerhafte gastronomische Zukunft mit einem neuen Betreiber möglich.

Werbegemeinschaft: Suer ist wichtiger Treffpunkt

Nicht nur Stammgäste, Vereine und Gesellschaften würden sich darüber freuen, sondern auch die Kaufleute der Altstadt. Volker Brüning, Inhaber der Altstadt-Apotheke Brüning, hatte als Vorsitzender der Werbegemeinschaft Selm im Juni deutlich gemacht, dass er eine Schließung des Gasthauses sehr bedauere. Die Gaststätte sei „ein wichtiger sozialer Treffpunkt für die Vereinskultur und ein Garant für unsere Feste und Aktivitäten.“

Stadt bemüht sich um neue Angebote

Wie wichtig es ist, dass Menschen nicht nur gut wohnen und arbeiten können in Selm, sondern auch ausgehen, hatte der Bürgermeister zuletzt betont, als es um den Bahnhof Beifang ging: um die Bemühungen, neben der Radstation dort ein Café mit Außengastronomie zu etablieren.

Die Suche nach dem Betreiber eines Cafés im Erdgeschoss des im Bau befindlichen Hauses der Wirtschaft am neuen Campus-Platz läuft noch, ebenfalls die nach einem Gastronomen, der mittelfristig ein Restaurant in der Dreifachturnhalle betreiben möchte, die ab Sommer 2020 zur Mehrzweckhalle umgebaut und erweitert wird.

Kneipensterben in Selm: So ging es abwärts

Suer ist nicht nur die letzte Kneipe in der Altstadt, sondern auch eine der wenigen verbliebenen Gaststätten in der gesamten Stadt. In den 1960er-Jahren hatte es in Selm noch mehr als 50 Gastronomiebetriebe in Selm gegeben. Ende der 1980er-Jahre waren es um die 30 und jetzt - je nach Zählweise - keine zehn.

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