Adriáns „Sahnehäubchen“ macht Klopp glücklich

Der FC Liverpool gewinnt den Supercup, hat aber kaum Zeit zu feiern. Zum Held des Abends in Istanbul wird der, der vor ein paar Tagen noch gar nicht da war und schon jetzt lauter wird als Jürgen Klopp.

15.08.2019, 07:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war weit nach Mitternacht, als sich Jürgen Klopp völlig geschafft, aber selig seinen Weg durch die vollen Gänge des Besiktas Stadions bahnte.

„Ich wusste vorher nicht, wie gut es sich anfühlen würde“, sagte der Trainer des FC Liverpool nach dem nervenaufreibenden Sieg im europäischen Fußball-Supercup gegen den FC Chelsea. „Es ist brillant und wirklich etwas Großes.“

Viel Zeit zum Feiern blieb den Reds um Ersatz-Torhüter Adrián, der in der schwülwarmen Nacht von Istanbul unverhofft zum Helden geworden war, aber nicht. „Wir spielen am Samstag schon wieder, also müssen wir einen Weg finden, dafür bereit zu sein“, sagte Klopp mit Blick auf das Spiel beim FC Southampton in der Premier League.

Das 5:4 (2:2, 1:1, 0:1) im Elfmeterschießen des Champions-League-Siegers gegen den Europa-League-Gewinner hatte enorm viel Kraft gekostet. „Niemand“ habe am Mittwochabend in die Verlängerung gewollt, sagte Klopp. „Das ist mein Geschenk an die Spieler - ihnen dabei zu helfen, sich zu erholen.“

Der 52-Jährige, der als erster deutscher Trainer den UEFA-Supercup gewann, hatte sich bei der Siegesfeier zurückgehalten. Als ihm Abwehrchef Virgil van Dijk den silbernen Pokal unmittelbar nach dem Jubel im Konfettiregen anbot, lehnte Klopp dankend ab und ließ seine Spieler die Trophäe auf der Ehrenrunde spazieren tragen. Allen voran Adrián.

„Es war eine verrückte Woche“, sagte der 32 Jahre alte Spanier, der erst am 5. August in Liverpool unterschrieben und in Istanbul nur im Tor gestanden hatte, weil sich Stammkeeper Alisson am Wochenende verletzt hatte. „Ich bin überglücklich, für Liverpool zu spielen. Es war ein langes Match mit einem großartigen Ende für uns.“ Noch lange nach der Partie stand der Torwart mit der spanischen Fahne um die Schultern und dem Pokal in der Hand in der Interviewzone und grinste.

„Seine Leistung über 120 Minuten war unglaublich. Und der gehaltene Strafstoß war das Sahnehäubchen“, sagte Klopp. „Er ist nicht nur auf dem Platz großartig, sondern auch in der Kabine. In der Halbzeit war er vielleicht lauter als ich.“ Zur Pause hatten die Reds 0:1 zurückgelegen. Der französische Weltmeister Olivier Giroud (36.) hatte für die Blues getroffen, die den ersten Titel mit ihrem neuen Trainer Frank Lampard verpassten. Der Senegalese Sadio Mané (48. und 95.) sorgte zunächst für die Wende, doch Jorginho erzwang per Foulelfmeter (101.) den Nervenkrimi vom Punkt, in dem Adrián den letzten Strafstoß von Chelseas Tammy Abraham parierte.

Seinen eigenen Anteil am Sieg hielt Klopp bewusst, fast philosophisch klein. „Es geht nicht um mich“, sagte er. „Und das sage ich nicht nur so“. Es gehe darum, es für die vielen Fans zu tun. Zwar sehe es „manchmal so aus, als hätten wir unterschiedliche Ideen, unterschiedliche Ziele, aber als Menschen sind wir alle gleich. Wir wollen alle das Gleiche, und wenn wir etwas so Wundervolles haben, wie den FC Liverpool zu lieben, zeigt das doch, dass wir viel enger zusammstehen können, als wir es in der Realität tun.“

Ein wenig zu meckern hatte Klopp am Ende wegen der neuen Auslegung der Abseitsregel, durch die die Unparteiischen viele Situationen erst weiterlaufen lassen, um im Nachhinein irregulär erzielte Tore mit Hilfe des Videobeweises für ungültig erklären zu können. Für Schiedsrichterin Stéphanie Frappart, die vor 38 434 Zuschauern eine unaufgeregte Premiere als erste Frau in einem bedeutenden UEFA-Wettbewerbsspiel im Männerfußball abgeliefert hatte, und deren Assistentinnen hatte der Liverpool-Coach aber nur Lob übrig. „Ich habe ihnen nach dem Spiel gesagt, dass wenn wir so gespielt hätten, wie sie das Spiel geleitet haben, wir 6:0 gewonnen hätten.“

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