Spannung vor Klinsmann-Comeback: „Brauchen Punkte, egal wie“

Das Klinsmann-Comeback auf der Bundesliga-Bühne elektrisiert. Das Stadion gegen Borussia Dortmund ist ausverkauft, die Trainerkollegen wünschen Erfolg. Und der neue Hertha-Coach will gleich das erste Zeichen setzen: Mit Hilfe der Routiniers und der Fans.

29.11.2019, 14:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gleich alles oder nichts! Jürgen Klinsmann setzt bei seinem Comeback in der Bundesliga auf Attacke. „Als Trainer wünscht man sich Siege. Aber wenn zwei Trainer aufeinander treffen, gibt es Sieg oder Niederlage. Notfalls ein Unentschieden. Aber Unentschieden haben mir noch nie gepasst“, sagte der populäre Neuzugang von Hertha BSC vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund. Es ist das erste Spiel für Klinsmann auf einer Bundesliga-Trainerbank seit mehr als zehn Jahren. „Wir haben eine Mega-Aufgabe vor uns“, sagte der 55-Jährige. Die Partie am Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist so gut wie ausverkauft.

Klinsmann will den Druck von der Mannschaft nehmen. Das Selbstvertrauen der Spieler ist nach vier Niederlagen in Folge stark angekratzt. Nach nur drei Trainingstagen mit dem Team sieht der Weltmeister von 1990 aber gegen den ebenfalls angeschlagenen BVB eine Chance, „wenn die Spieler auf dem Platz mit der Einstellung dabei sind wie beim Training.“ Für Manager Michael Preetz ist in der ersten Partie unter Klinsmann Gegner Dortmund „genau die richtige Mannschaft, um zu zeigen, dass wir Aufbruchstimmung versprühen“.

Besonders von den zahlreichen Nationalspielern im Team will Klinsmann Führungsqualitäten sehen. „Ich erwarte Führung“, erklärte er in Richtung Niklas Stark, Dedryck Boyata und Marko Grujic. „Für uns ist wichtig, dass wir über Laufbereitschaft, Leidenschaft und Aggressivität reinfinden ins Spiel und hoffentlich ein Tor machen und das Publikum mitnehmen.“

Klinsmann beschränkt sich zunächst auf punktuelle Veränderungen. Denn die Köpfe der Spieler seinen „voll“. Routinier Vedad Ibisevic bleibt für den neuen Trainer „ein absoluter Leader“. Der erfahrene Thomas Kraft im Tor, der für den nach Platzverweis gesperrten Rune Jarstein auflaufen soll, ist für ihn ein ebenso wichtiger Mann. Eigentlich, so verriet Klinsmann, sei er ja ein Anhänger eines offensiven und jungen Fußballstils. Doch das stehe jetzt erst einmal hinten an.

„Jeder Trainer hat seine Startelf im Kopf“, sagt Klinsmann, ohne weitere Details zu verraten: „Ich habe meine Vorstellungen in der Vorbereitung auf Dortmund. Ich muss schauen, was am besten passt.“ Ohnehin sei es jetzt nur „eine Momentaufnahme“, betonte der Neu-Berliner: „Wir werfen nicht alles über einen Haufen.“

Die Sorgen der Dortmunder und des BVB-Trainers Lucien Favre, für den die Partie an alter Wirkungsstätte eine Art persönliches Endspiel sein könnte, interessieren Klinsmann nicht. „Der BVB geht uns gar nichts an“, sagte der Ex-Bundestrainer, der schon nach wenigen Tagen spürt, wie schwer die Mission beim angeschlagenen Hauptstadtclub wird. „Das Allerwichtigste hat die Mannschaft aufgenommen: Wir brauchen Punkte - egal wie“, sagte der 55 Jahre alte Hertha-Coach. Der Schlafmangel nach der Blitzablösung seines Vorgängers Ante Covic war ihm am Freitag deutlich anzusehen.

Kuriose Erinnerung: Als Bayern-Chefcoach verlor Klinsmann im Februar 2009 gegen Hertha mit dem damaligen Trainer Favre 1:2. „Das gehört mit dazu. Wir nehmen das Ergebnis mit für morgen“, erklärte der gebürtige Schwabe dazu. Weder Klinsmann noch Favre konnten sich spontan an dieses Aufeinandertreffen erinnern. „Bei allem Respekt gegenüber dem BVB, wir versuchen zu sagen, es liegt an uns“, betonte Klinsmann. „Wie die Jungs im Training ran sind, hat Laune gemacht“, schilderte der Neu-Berliner seine ersten Eindrücke vom Team. „Aber Spiel ist Spiel, da werden die Karten auf den Tisch gelegt.“

Hertha hat in der prekärsten Situation seit 2010 und 2012, als die Berliner runter in die 2. Liga mussten, mit der Verpflichtung von Klinsmann bereits die Reißleine gezogen. Der Ex-Bundestrainer ahnt schon, dass dies ein schwieriger und zäher Prozess wird: „Es geht nicht alles von heute auf morgen.“ Wenn man so weit hinten steht mit nur elf Punkten „sind natürlich die Nerven angespannt“ - Unterstützung von allen Seiten tut not.

Aus der Bundesliga kamen schon vor dem Comeback viele positive Reaktionen auf die Klinsmann-Verpflichtung. „Jürgen war für das Sommermärchen einfach der, der es geschafft hat und der damals sehr viel bewegt hat. Ich denke, er wird versuchen, jetzt viel und schnell etwas zu bewegen. Mit Andi Köpke hat er einen an der Seite, den er kennt. Es ist spannend zuzuschauen“, sagte Bayern-Coach Hansi Flick. RB-Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann wünschte Klinsmann viel Erfolg: „Ich freue mich für Jürgen, dass er wieder im Amt ist, schade für Ante, dass er nicht mehr im Amt ist.

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