Klimaschutz in Selm: Bürgermeister streitet mit Bürgern über den richtigen Weg

dzKlimaschutzkonzept

Beim Klimaschutz ist noch viel zu tun, auch in Selm. Reichen da gute Worte oder braucht es mehr? Bürgermeister Löhr legte sich am Montagabend fest und forderte damit Widerspruch heraus.

Selm

, 05.11.2019, 19:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei Stunden lang hat am Montagabend die Versammlung im Bürgerhaus Selm gedauert. Bürgermeister Mario Löhr hatte zum Informationsabend eingeladen, und fast 200 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen. Viele von ihnen gingen schon vorm Ende - und verpassten einen Grundsatzstreit zum Thema Klimaschutz, der es in sich hatte.

Das vor wenigen Wochen verabschiedete Klimaschutzkonzept der Stadt zeigt es Schwarz auf Weiß: „Absolut gesehen existieren in Selm mit etwa 30.300 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr die größten Einsparpotenziale im Sektor der privaten Haushalte“, schreiben die Verfasser des Klimaschutzkonzepts, die Essener Gertec GmbH Ingenieurgesellschaft.

Konzept: Vor allem private Haushalte müssen CO2 einsparen

Nur wenn es gelingen wird, in diesem Bereich erheblich zu sparen, werde Selm die Klimaschutzziele erreichen. „Die Sektoren Industrie und Gewerbe-Handel-Dienstleistung spielen eine zwar wichtige, aber eher untergeordnete Rolle“, heißt es in dem Konzept weiter.

Die Stadtverwaltung selbst mit ihren öffentlichen Gebäuden könne dagegen nur geringfügig zur stadtweiten Emissionsminderung beitragen, ergänzte am Montag Julia Schmidt, die städtische Klimaschutzbeauftragte. Allerdings übernehme die Stadtverwaltung „eine aktive Vorbildrolle“. Das sahen nicht alle so.

Bürgerin kritisiert Haltung des Bürgermeisters zum Selmer Klimaschutz

Petra Burkhart meldete sich zu Wort: „Die Stadt sollte tatsächlich ein gutes Beispiel sein für die Bürgerinnen und Bürger“, sagte sie an Bürgermeister Löhr gewandt: „Sie vermitteln uns hier aber, dass das alles nicht so wichtig ist.“ Das sei eine „vertane Chance“. Löhr reagierte harsch.

„Was habe sie denn selbst schon für den Klimaschutz getan?“, fragte er die Bürgerin. Die alte Heizung durch eine neue ersetzt? Fotovoltaik aufs Dach gesetzt? Die Frau verneinte. Ihr fehle dafür das Geld.

Löhr: „Bevormundung ist mit mir nicht zu machen“

Löhr nickte: Es sei immer leichter, anderen ins Portemonnaie zu packen. Eine solche Bevormundung, die viele Bürgerinnen und Bürger fürchteten, sei aber nicht mit ihm zu machen.

„Ich fahre gerne Auto“, bekannte Löhr, „und das lasse ich mir aber auch von niemandem nehmen“. Verbote seien nicht hilfreich, um Menschen zu gewinnen. Deshalb sei er auch gegen grundsätzliche Verbote von Schottergärten oder strenge Vorgaben für die Gestaltung von Neubaugebieten insgesamt: ein Statement, das erneut Widerspruch auslöste.

Zuhörerin fehlt „Begeisterung für das Thema“

Ob Rauchverbot, FCKW-Verbot oder das Verbot, nicht angeschnallt Auto zu fahren: „Da gab es anfangs immer einen Aufschrei“, sagte ein Mann, „inzwischen sind alle Verbote doch gesellschaftlich voll akzeptiert.“

Es müssten ja nicht gleich Verbote sein, meinte eine weitere Zuhörerin. Aber etwas mehr Begeisterung für Maßnahmen des Klimaschutzes dürfte es schon sein. „Die höre ich aus ihren Worten aber nicht heraus“, sagte sie an die Adresse Löhrs. „Sie betonen die Einschränkungen und nicht den Mehrwert durch Klimaschutzmaßnahmen im privaten Sektor.“

Ob Errichtung einer Mobilstation am Bahnhof Beifang, Ausweisung von Fahrradzonen oder Ausbau von Informationsangeboten: Der Maßnahmenkatalog im Klimaschutzkonzept sei zwar ein Anfang, „aber die Stadt musste sich doch schon immer um ihre Radfahrer und Pendler kümmern“. Das sei keine Antwort auf die großen Herausforderungen des Klimawandels. Löhr hatte aber auch etwas ganz Neues zu berichten.

Löhr will Bürgerbusverein für Selm gründen

„Mein Hauptaugenmerk liegt auf Mobilität“, sagte er. Er beließ es nicht bei der Forderung nach mehr und besseren Busverbindungen. Selm brauche einen Bürgerbus. „Ich bin hier mit vielen Ehrenamtlichen im Gespräch, damit dieser Verein gegründet werden kann.“ Im kommenden Jahr, so Löhr, soll der Verein seine Arbeit aufnehmen.

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