Kleinbecker Park: „Werden wir von der Verwaltung bewusst hinters Licht geführt?“

dzMeinung am Mittwoch

Als ein Stück aus dem Tollhaus sieht Gastautor Heinz Werner Kleine die Ratsentscheidung zum Kleinbecker Park. Auch, weil das Gremium zeitgleich ein ganz anderes Signal ausgesandt habe.

von Heinz Werner Kleine

Lünen

, 04.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vorletztes Wochenende hatte ich mich in die Menschenkette eingereiht, welche sich schützend vor den Kleinbecker Park gestellt hat. Es war ein sehr beeindruckendes Statement von mehreren hundert Lüner Bürgerinnen und Bürgern, um gegen die Ratsentscheidung zu demonstrieren.

Einen Park, der jahrzehntelang Bestandteil des Horstmarer Ortskerns ist, hat man verwahrlosen lassen, und nun soll er für eine Wohnbebauung geopfert werden. Dass der Lüner Rat diese Entscheidung im gleichen Atemzug mit der Ausrufung des Klimanotstandes getroffen hat, ist ein Stück aus dem Tollhaus.

Gutachter kommen nur auf Bruchteil der Summen

Um den Lüner Bürgerinnen und Bürgern diese nicht nachzuvollziehende Entscheidung schmackhafter zu machen, werden horrende Summen genannt, die eine Durchforstung und Pflege dieses Parks kosten würde. Fachleute, beauftragt vom Bündnis „Rettet den Kleinbecker Park“ kommen da auf einen Bruchteil der genannten Summen. Werden wir hier von der Verwaltung bewusst hinters Licht geführt ?

Kleinbecker Park: „Werden wir von der Verwaltung bewusst hinters Licht geführt?“

Gastautor Heinz Werner Kleine. © Quiring-Lategahn

Gastautor Heinz Werner Kleine ist Chemielaborant und Kunstsammler.

Innerhalb der letzten zehn Jahren gab es in Lünen eine enorme Bautätigkeit. Hunderte neue Wohnungen und Häuser sind entstanden. Hierfür wurden auch wertvolle Naturflächen zerstört, z.B. die Lüner Heide oder die Grünflächen an der Rudolf-Nagell-Straße. Es gab aber auch sinnvolle Bauprojekte, wie die Wohnhäuser auf dem Gelände des Sportplatzes am Schützenhof und der Fa. Ebrecht. Das Wohnprojekt am Wüstenknapp oder die geplante Bebauung auf dem ehemaligen Coers-Gelände in Horstmar, nur ein Steinwurf vom Kleinbecker Park entfernt.

Der Aufheizung der Städte entgegenwirken

Doch eine Versiegelung weiterer Naturflächen muß ein Ende haben! Dies ist auch ein Beschluss der Landesregierung. Sogar das Rote Kreuz wirbt für mehr innerstädtische Parks mit Baumbestand, um die Aufheizung der Städte entgegenzuwirken. Solche Parks, wie in Horstmar, sind auch Gesundheitsvorsorge für die Älteren, die immer mehr unter dem Klimawandel zu leiden haben. Ist das denn so schwer zu verstehen? Harpen und die Stadt Lünen sollten alles tun, um diesen Park zu erhalten. Oder war die Ausrufung des Klimanotstandes nur ein Lippenbekenntnis? Ich hoffe nicht. Baurecht heißt ja nicht automatisch Baupflicht. Auch die Firma Harpen sollte hier an zukünftige Generationen denken.

Wünsche mir, dass Widerstand gegen Abholzung weiter wächst

Ich wünsche mir, das der Widerstand gegen die Abholzung dieses für das Stadtklima so wichtigen Parks weiter wächst. Vielleicht gibt es dann doch noch eine Abkehr von dieser, aus der Sicht sehr vieler Lüner Bürgerinnnen und Bürger, falschen Entscheidung.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei „Abgedreht! Filmcrew“
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