Kirchentag fordert klare Kante gegen Rechts

Der Evangelische Kirchentag positioniert sich gegen rechte Auswüchse und für eine Flüchtlingsrettung im Mittelmeer - es sind die Topthemen der fünftägigen Großveranstaltung. Die Zahl der Dauerteilnehmer ist im vergleich zu früheren Protestantentreffen aber gesunken.

24.06.2019, 06:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kirchentag fordert klare Kante gegen Rechts

Ein Kreuz steht im Signal Iduna Stadion in Dortmund. Foto: Bernd Thissen

Zehntausende Menschen haben sich beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund für eine humanere Flüchtlingspolitik und gegen Rechtsextremismus stark gemacht. „Wir alle können etwas tun und uns mit unserem Vertrauen Spaltern und Hetzern entgegenstellen“, sagte Kirchentagspräsident Hans Leyendecker beim Schlussgottesdienst am Sonntag in der Arena des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Samstag im Zusammenhang mit dem mutmaßlich rechtsextrem motivierten Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) vor einem Verlust der Glaubwürdigkeit in staatliche Institutionen gewarnt. Der Fall müsse ohne jedes Tabu aufgeklärt werden. „Sonst haben wir einen vollkommenen Verlust der Glaubwürdigkeit. Und der ist natürlich das Gegenteil von dem, was wir brauchen, nämlich Vertrauen.“

Die CDU-Politikerin wurde als prominentester Gast des fünftägigen Protestantentreffens stürmisch gefeiert. Merkel erinnerte zudem an ihr Versprechen an die Angehörigen der NSU-Opfer, die Verbrechen der Neonazi-Terrorzelle vollständig aufzuklären.

Mit dem Gottesdienst im Stadion ging das Christen-Event am Sonntag zu Ende. Die für 72 000 Besucher geöffnete Arena war trotz Sonnenscheins allerdings nicht mal zur Hälfte besetzt.

Im Mittelpunkt des Kirchentags stand auch die Forderung nach einer entschlossenen Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer. „Kirchentag benennt Unrecht, er erhebt seine Stimme für Menschen, die täglich im Mittelmeer zu ertrinken drohen“, sagte Generalsekretärin Julia Helmke. Zudem positionierte sich der Kirchentag für einen stärken Umwelt- und Klimaschutz sowie für den Schutz von Frauen, Kindern und Minderheiten.

Merkel betonte in ihrer Rede in fast schon pastoraler Form: „Wir können die Erderwärmung stoppen, wir können den Hunger besiegen, wir können Krankheiten ausrotten, wir können den Menschen, besonders den Mädchen, Zugang zu Bildung verschaffen, wir können die Ursachen von Flucht und Vertreibung bekämpfen. Das alles können wir schaffen.“

Leyendecker sprach von einer „großartigen“ Veranstaltung. Kritiker bemängelten, die klar vorformulierte politische Agenda habe bei den gesellschaftspolitischen Podiumsdiskussionen oft für einen Mangel an Kontroverse und Konflikt gesorgt. Leyendecker räumte ein, manche Debatten hätten schärfer geführt werden können.

Seit Mittwoch hatten 121 000 Menschen am Kirchentag mit knapp 2400 Veranstaltungen teilgenommen. Die Zahl der Dauerteilnehmer ging allerdings zurück. Nur 80 000 Menschen hatten sich eine Dauerkarte für das Protestantentreffen in der Ruhrmetropole gesichert. Bei den jüngsten Evangelischen Kirchentagen in Berlin und Wittenberg 2017 (105 000), Stuttgart 2015 (97 000) und Hamburg 2013 (117 000) waren es deutlich mehr.

Leyendecker sagte dazu, eine Zahl entscheide nicht darüber, „ob ein Kirchentag gut oder schlecht“ gewesen sei. Wenn ein paar Tausend Menschen weniger vor Ort gewesen seien, sei „das nicht ein Beweis dafür, dass der Sturzflug nicht mehr zu vermeiden ist“.

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