Kinder in Not: Über 13 000 Inobhutnahmen in NRW

Kinder aus ihrer Familie zu nehmen, ist für die Jugendämter die letzte Möglichkeit, wenn sonst nichts Anderes mehr geht. Trotz der hohen Hürden gibt es aber für tausende Kinder in NRW keinen anderen Ausweg.

07.08.2019, 15:03 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Zahl der Fälle von Minderjährigen, die vom Jugendamt aus ihren Familien genommen werden müssen, ist in Nordrhein-Westfalen von 2016 auf 2017 stark gesunken. Im Zehnjahresvergleich weisen die Fallzahlen allerdings einen enormen Zuwachs auf. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort des NRW-Familienministeriums auf eine Oppositionsanfrage aus dem Düsseldorfer Landtag hervor.

Laut amtlicher Kinder- und Jugendhilfestatistik wurden 2017 in NRW insgesamt 13 484 Inobhutmaßnahmen als vorläufige Schutzmaßnahmen der Jugendämter vollzogen. Ein Jahr zuvor hatte diese Zahl mit 22 193 Fällen wesentlich höher gelegen. Jüngere amtliche Daten gibt es nach Angaben des Ministeriums noch nicht.

Im Vergleich zu 2008 (9347 Inobhutnahmen) stiegen die Fallzahlen in NRW um über 44 Prozent. Die Daten geben nicht die Kopfzahl der betroffenen Kinder wieder. Die Jahressumme der Fälle kann auch Minderjährige umfassen, die mehrfach in Obhut genommen werden mussten.

Die größte Gruppe der Betroffenen umfasste im gesamten Zehnjahresvergleich Jugendliche zwischen 14 und unter 18 Jahren - hier gab es 2017 zuletzt 8329 Inobhutnahmen. Nur in jedem siebten Fall regten die Kinder und Jugendlichen 2017 die Schutzmaßnahme selbst an. Weit überwiegend ging der Schritt - in allen Altersklassen und Jahren - von Sozialdiensten, Jugendämtern, Polizei und Ordnungsbehörden, Lehrern, Erziehern, Ärzten, Nachbarn, Verwandten oder auch den Eltern selbst aus.

Mit bei 4171 Fällen war 2017 die größte Einzelursache für die staatlichen Interventionen Überforderung der Eltern. In jeweils zehn Prozent der Fälle waren die Auslöser Anzeichen für Misshandlung, Vernachlässigung oder Beziehungsprobleme.

Die geringsten Fallzahlen wurden im gesamten Zehnjahresvergleich unter „Anzeichen für sexuellen Missbrauch“ registriert. Die absoluten Zahlen stiegen hier seit 2015 von damals 141 auf zuletzt 199 beständig an. Im Zehnjahresvergleich blieb ihr Anteil gemessen an allen Inobhutnahmen mit rund 1,5 Prozent (2017) beziehungsweise knapp 1,7 Prozent (2008) relativ niedrig.

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