Kein Wettstreit bei drei Schulneubauten: Warum will Lünen nicht die beste Lösung?

dzMeinung am Mittwoch

Der Wettkampf fordert zu Höchstleistung heraus, auch in der Architektur. Die Stadt Lünen will drei neue Schulen bauen. Im „Hauruckverfahren“ verzichtet sie aber auf planerischen Wettstreit.

von Björn Schreiter

Lünen

, 23.10.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Höchstleistungen erreichen Menschen meist im Wettkampf. Deutsche Sportler wie Malaika Mihambo und Niklas Kaul wuchsen bei den Leichtatletik-Weltmeisterschaften über sich hinaus und gewannen mit eigenen persönlichen Bestleistungen Goldmedaillen. Dalilah Muhammad aus den USA lief über 400 Meter Hürden in Weltrekordzeit.

Es ist der Wettstreit mit anderen und die besondere Atmosphäre, die dies möglich macht. Haben Sie schon einmal gehört: „Läufer A hat beim Training im heimischen Buxtehude eine Weltjahresbestzeit erlaufen“ oder „Schwimmerin B hat im elterlichen Kellerpool den Weltrekord eingestellt“.

Kein Wettstreit bei drei Schulneubauten: Warum will Lünen nicht die beste Lösung?

Björn Schreiter. © Quiring-Lategahn

Gastautor Björn Schreiter ist Architekt in Lünen.

Auch bei der planerischen Entwicklung von Städten hat der Wettbewerb eine große Tradition. Bereits die Akropolis in Athen ist nachweislich nach einem Wettbewerb zwischen Planern entstanden. Der beste Entwurf wurde realisiert und wird auch als Ruine noch täglich von tausenden Touristen besucht.

Rathaus, Theater und Scholl-Schule sind Wettbewerbssieger

Projekte wie der Reichstag in Berlin, das Folkwang-Museum in Essen oder die Berufsschulen am Dortmunder U gingen aus Planungswettbewerben hervor. In Lünen sind alle drei „Big Beautiful Buildings“ (Rathaus, Theater, Scholl-Gesamtschule) Wettbewerbssieger und auch die Overbergschule, der Marktplatz Lünen-Süd, der südliche Stadteingang zur Lange Straße, die Bauvereins-Verwaltung und das Haus der Caritas gingen aus konkurrierenden Verfahren hervor. Wie im Sport erbringen auch Planer im Wettstreit um die beste Lösung Höchstleistungen - zum Vorteil der Auftraggeber und der Stadtentwicklung. Überall auf der Welt vertrauen die Kommunen auf diese Verfahren.

„Hauruck-Verfahren“ bei Großprojekten

Umso unverständlicher ist es, dass in Lünen trotz guter Erfahrungen aktuell wichtige städtebauliche und zukunftsweisende Projekte wie die weitere Entwicklung des Stadtkerns oder der Bau neuer Schulen ohne ein solches Verfahren realisiert werden sollen. Wie sollen Verwaltung und Politik ohne Auswahlmöglichkeit die Zweifel beiseite schieben, ob es nicht eine bessere Lösung gegeben hätte.

Wie sollen Schüler und Lehrer auch in vierzig Jahren noch mit ihrer Schule zufrieden sein, wenn die erstbeste und nicht die beste Schule gebaut wird?

Viele Jahre dauerte in allen Fällen das politische Vorspiel bis zur Entscheidung. Der daraus resultierende Zeitdruck wird nun an Verwaltung und Planer weiter gegeben. Er führt zu „Hauruck-Verfahren“ und zur gleichzeitigen Bearbeitung aller Großprojekte.

In Varianten denken

Dabei braucht es gerade jetzt Muße: Die Aufgabe muss klar definiert werden, es muss in Varianten gedacht werden und am Ende muss unter Einbeziehung aller Betroffenen diejenige Lösung ausgewählt werden, die die Anforderungen an Gestaltung, Nutzung, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit am besten erfüllt. Ein Planungswettbewerb tut genau das.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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